10.372 Suizide in einem Jahr: Psychotherapeuten warnen vor Kürzungen

Stand: 12.07.2026, 14:05 Uhr

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Psychotherapeutinnen demonstrierten in Göttingen, zogen auch über den Wilhelmsplatz und hielten eine Mahnwache am Alten Rathaus ab - sie wollten auf die Bedeutung der Psychotherapie als Hilfe gegen Suizid aufmerksam machen.

Psychotherapeutinnen demonstrierten in Göttingen, zogen auch über den Wilhelmsplatz und hielten eine Mahnwache am Alten Rathaus ab - sie wollten auf die Bedeutung der Psychotherapie als Hilfe gegen Suizid aufmerksam machen. © Foto: Felix Heipke

Psychotherapeuten hielten am Samstag in 17 Städten Mahnwachen ab – auch in Göttingen. 28 Prozent der Suizide wären durch rechtzeitige Psychotherapie vermeidbar gewesen.

Göttingen – Psychotherapeuten machten am Samstagmittag, 11. Juli, in mehreren Städten - auch in Göttingen - auf die Vielzahl an Suiziden aufmerksam und wollten das Schweigen zu diesem Thema brechen.

Vom Theaterplatz machten sie sich in in Göttingen auf den Weg zum Alten Rathaus und hielten dort eine Mahnwache. Bei dieser standen mitgebrachte schwarze Luftballons symbolisch für die durch Suizid verstorbenen Menschen. In 16 weiteren Städten, unter anderem in Bonn und Lübeck, wurden ebenfalls Mahnwachen abgehalten.

Kritik gab es dabei an der Bundesregierung und dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) unter der Federführung von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU).

Suizid: Täglich sterben 28 Menschen

Die Zahl der Suizide, also die der Selbsttötungen, in Deutschland ist erschreckend hoch. Allein 2024 nahmen sich laut Statistischem Bundesamt 10.372 Menschen vorzeitig das Leben – ein Anstieg der Fälle um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auffallend: Mit 71,5 Prozent sind Männer im Vergleich deutlich stärker betroffen als Frauen.

Psychotherapeutinnen demonstrierten in Göttingen, hielten eine Mahnwache am Gänselieselbrunnen vor dem Alten Rathaus ab: Eva Böhme, Regionssprecherin des Aktionsbündnisses Psychotherapie, (links) und Claudia Golik machen mit Ballons auf Suizidfälle aufmerksam.

Psychotherapeutinnen demonstrierten in Göttingen, hielten eine Mahnwache am Gänselieselbrunnen vor dem Alten Rathaus ab: Eva Böhme, Regionssprecherin des Aktionsbündnisses Psychotherapie, (links) und Claudia Golik machen mit Ballons auf Suizidfälle aufmerksam. © Foto: Felix Heipke

„Wir wollen aufzeigen, wie viele Suizide es jedes Jahr in Deutschland gibt“, sagt die niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Claudia Golik und führt weiter aus: „Heute möchten wir gar nicht große Forderungen stellen, sondern einfach sichtbar werden.“

Viele Suizide begingen dabei auch unter 30-Jährige, was besonders verheerend sei und vermutlich an zu wenig und zu später Hilfe liege. So sähen sie den Suizid oft als letzten und einzigen Ausweg.

Kritik am Gesetz der Regierung

Mit der Mahnwache soll der Bundesregierung auch klargemacht werden, dass psychotherapeutische Versorgung Leben rettet. „Man geht davon aus, dass Psychotherapie etwa 28 Prozent dieser Suizide hätte verhindern können, wenn rechtzeitig Versorgung vorhanden gewesen wäre“, sagt die Regionssprecherin des Aktionsbündnisses Psychotherapie Eva Böhme.

Sie kritisiert, dass durch das GKV-BStabG die Versorgung massiv gedeckelt werde und bis zu einem Drittel der Behandlungskapazität für Psychotherapie wegfallen könnte. Doch gerade in ihren schwersten Zeiten sind die Menschen laut dem Aktionsbündnis auf die ambulante psychotherapeutische Versorgung angewiesen.

„Wir wissen, dass wir diese Menschen retten könnten“, sagt Golik. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen hoffen nun durch die Mahnwache Aufmerksamkeit für dieses Thema erhalten zu haben. Für jeden der 10.372 Toten wurde in den 17 Städten ein schwarzer Luftballon befestigt. Täglich sterben in Deutschland 28 Menschen durch Suizid.

Die Opfer sind Töchter und Söhne, Geschwister, Freunde, Ehepartner oder Eltern. Ihnen allen kann eine ambulante Psychotherapie helfen und als Suizidprävention dienen. Bei psychischen Problemen, Depressionen oder Suizidgedanken kann zudem die Telefonseelsorge unter 0800/ 1110111 oder 0800/1110222 angerufen werden.