1991 kosteten 20 MB 1.000 US-Dollar – heute passen 245 TB auf eine SSD

Die derzeit größte kommerziell ausgelieferte SSD speichert 12.288.000-mal so viele Daten wie eines der frühen kommerziellen Flash-Laufwerke von 1991. Damals lieferte Sundisk, später Sandisk, ein 2,5-Zoll-Laufwerk mit gerade einmal 20 MB für IBM. 2026 verschickt Micron seine 6600 ION dagegen mit 245,76 TB. Eine aktuelle Grafik auf Reddit zeichnet diese Entwicklung über 35 Jahre nach: Der Blick auf die historischen Daten zeigt allerdings nicht nur einen enormen Kapazitätssprung, sondern auch eine mindestens genauso drastische Entwicklung beim Preis pro Gigabyte.

1 TB Flash kostete rechnerisch einmal 50 Millionen US-Dollar

Noch eindrucksvoller wird die Entwicklung beim Preis. Das 20-MB-Laufwerk von Sundisk kostete 1991 historischen Angaben zufolge rund 1.000 US-Dollar. Damit lag der Preis bei etwa 50.000 US-Dollar pro Gigabyte. Auf ein Terabyte hochgerechnet wären das 50 Millionen US-Dollar gewesen – natürlich nur als mathematischer Vergleich und ohne Inflationsbereinigung. Ein rein rechnerischer Kapazitätsvergleich führt damit zu einer kuriosen Zahl: 245,76 TB hätten mit solchen Laufwerken 12,288 Milliarden US-Dollar gekostet – nur als Gedankenexperiment.

Fast noch spannender als die Kapazitätsentwicklung ist der Preis pro Gigabyte. Bereits 2009 kündigte OCZ die Colossus mit 1 TB für 2.200 US-Dollar an, entsprechend 2,20 US-Dollar je Gigabyte. Samsung begann 2016 mit der Auslieferung der PM1633a mit 15,36 TB; wenig später wurde die Enterprise-SSD bei zwei US-Händlern für 10.311,99 beziehungsweise 9.690 US-Dollar angeboten. Auf Basis des günstigeren Angebots entspricht das etwa 63 Cent je Gigabyte oder 631 US-Dollar pro Terabyte.

Einen nochmals deutlich niedrigeren Wert erreichte die Solidigm D5-P5336 mit 122,88 TB. Das Enterprise-Laufwerk wurde 2025 bei einem US-Händler für 12.399 US-Dollar angeboten. Das entspricht rund 10,1 Cent pro Gigabyte oder 101 US-Dollar pro Terabyte. Gegenüber 1991 sank der nominelle Preis je Gigabyte damit um ungefähr den Faktor 495.000. Gleichzeitig wuchs die Kapazität vom 20-MB-Laufwerk zur Solidigm um den Faktor 6.144.000.

Der Vergleich ist allerdings kein sauberer Preisindex für Flash-Speicher: Die Laufwerke stammen aus unterschiedlichen Märkten, verwenden verschiedene Speichertechniken und ihre Preise wurden teils als Herstellerangabe, teils im Handel ermittelt. Vor allem die neueren Rekordmodelle richten sich zudem an Rechenzentren, während frühere Produkte teilweise auch für andere Märkte gedacht waren.

Und die 12.399 US-Dollar der Solidigm erwiesen sich nicht als dauerhaft stabil: Anfang 2026 verlangte derselbe US-Händler bereits 37.128 US-Dollar. Die Ursache dieses einzelnen Preissprungs ist zwar nicht belegt; der Enterprise-SSD-Markt steht allerdings insgesamt unter starkem Preisauftrieb durch die Nachfrage aus dem KI- und Cloud-Segment.

Beim aktuellen kommerziellen Rekord endet die Preisreihe

Für Microns aktuelle 245,76-TB-SSD lässt sich die historische Preisentwicklung deshalb nicht seriös fortsetzen. Das Unternehmen bestätigt zwar die kommerzielle Auslieferung der 6600 ION, nennt aber keinen öffentlichen Listenpreis. Im Netz kursierende Summen von mehr als 100.000 US-Dollar sollten daher nicht wie ein bestätigter Verkaufspreis behandelt werden.

Die Kapazitätskurve muss zudem an einigen Punkten relativiert werden: Kioxia stellte beispielsweise bereits im Juli 2025 eine LC9 mit 245,76 TB vor. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die SSD allerdings nur im Sampling bei ausgewählten Kunden. Wer als Kriterium eine regulär kommerziell ausgelieferte SSD verwendet, kann den Sprung auf 245,76 TB deshalb erst mit Microns Auslieferungsstart im Mai 2026 ansetzen. Inzwischen hat Dapustor sogar eine R6060 mit 512 TB demonstriert. Für diese Kapazitätsstufe ist bislang allerdings keine reguläre Auslieferung belegt.

Die Sache mit schönen Community-Grafiken

Noch problematischer ist ein älterer Punkt der Grafik: Die für 2012 genannten 6,4 TB beziehen sich auf HPs P4900. Dabei handelte es sich allerdings um ein komplettes Speichersystem aus mehreren SSDs und nicht um ein einzelnes Laufwerk. Für eine streng nach Einzel-SSDs geführte Rekordkurve gehört dieser Punkt daher nicht in die Reihe. Das zeigt auch: Hübsch kompilierte Grafiken auf Reddit sollte man immer genau prüfen.

Für PC-Spieler bleibt die aktuelle Lage am Speichermarkt dennoch unangenehm. Interessanter ist hier der langfristige Blick: Während die maximale Kapazität seit 1991 um mehr als den Faktor zwölf Millionen gestiegen ist, ist der nominelle Preis pro Gigabyte anhand der belegbaren Vergleichspunkte um mehrere Größenordnungen gefallen. Aus Flash-Speicher, der Anfang der 1990er noch 50.000 US-Dollar pro Gigabyte kostete, ist inzwischen alltäglicher PC-Speicher geworden.

Wie groß der Unterschied zwischen HDD und SSD bei einem aktuellen Spiel heute tatsächlich noch ausfällt, will PCGH voraussichtlich schon nächste Woche messen.

  • Aus den 245,76-TB-Enterprise-Modellen lässt sich nicht ableiten, dass ähnlich große M.2-SSDs kurzfristig für Gaming-PCs erscheinen.
  • Für Aufrüster bleibt der Preis je Terabyte entscheidender als der Kapazitätsrekord; aktuell schneiden 4-TB-Modelle häufig besser ab als kleinere SSDs.
  • Historische Rekordlisten müssen zwischen angekündigten Mustern, kompletten Speichersystemen und tatsächlich ausgelieferten Einzellaufwerken unterscheiden.

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Quellen: SamdechEUV auf Reddit, Storagesearch, PCWorld, Solidigm, Micron, Storagereview