165 Millionen Jahre alt: Forscher entdecken ältesten Schwimm-Ursäuger der Welt
Stand: 24.10.2026, 21:10 Uhr
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Pelzig, etwa einen halben Meter lang und ein „Top Jäger“ im Wasser. Etwas ganz Besonderes verblüffte die Forscher bei einem 165 Jahre alten Fossil.
Bonn – Der Fund ist einzigartig, schreibt die Universität Bonn. Es vergingen Jahre, bis alle Untersuchungen abgeschlossen waren. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Ein internationales Forscherteam hat einen 165 Millionen Jahre alten Schwimm-Ursäuger entdeckt. „Es handelt sich um den ältesten Nachweis einer aquatischen Lebensweise bei Säugetieren“, sagte Paläontologe Prof. Dr. Thomas Martin von der Universität Bonn.
Auf den ersten Blick erinnert der „Megacauda sungei“ an einen Fischotter, Biber oder ein Schnabeltier. Das kurzhaarige Tier war ein guter Schwimmer, schreiben die Wissenschaftler. „Dreidimensionale Rekonstruktionen aus Computertomografie-Aufnahmen des Fossils lassen darauf schließen, dass das Tier vor 165 Millionen Jahren mit den Vorderbeinen paddelte und mit dem Schwanz wellenförmige Bewegungen vollführte, während es die Hinterbeine zum Steuern einsetzte.“ Seine Zahnspitzen waren nach innen gebogen, um auch glitschige Beute zu erhaschen.
165 Millionen Jahre altes Fossil – einzigartige Bedeutung für die Evolution
Der Vorgänger aller Säugetiere im Wasser hat nämlich eine anatomische Besonderheit: ein Gaumensegel. Es trennt den Mund- vom Rachenraum. So kann das Tier gleichzeitig schlucken und atmen.
„Erst durch diese Voraussetzung wurde die Gehirnentwicklung bis hin zum Menschen möglich“, betont Paläontologe Martin. „Das Gaumensegel und die Ausformung des Mund-Rachen-Raumes hängen mit der Evolution der Säugetiere unmittelbar zusammen.“ Und bei „Megacauda sungei“ sei das Gaumensegel bereits lange vor dem Aufkommen der modernen Säugetiere ausgeprägt.
Zeitalter Jura
Das Jura (die Jurazeit) begann vor etwa 201,3 Millionen Jahren und endete vor rund 145 Millionen Jahren.
Es ist das mittlere der drei Erdzeitalter des Mesozoikums (Erdmittelalter): Trias (vor ~252 bis 201 Mio. Jahren), Jura (vor ~201 bis 145 Mio. Jahren) und Kreide (vor ~145 bis 66 Mio. Jahren).
Megacauda sungei ans Wasserleben angepasst
Krokodile haben diesen Mechanismus nicht. Sie recken ihren Kopf nach oben, damit ihre unzerkaute Beute in den Rachen rutscht. „Das gelingt mit Hilfe der Schwerkraft“, erklärt Martin. Menschen könnten dagegen kopfüber aus einem Strohhalm trinken und dabei weiteratmen.
Die Wissenschaftler aus Shenyang, Chicago und Bonn sind überzeugt: Mit der Beschreibung der neuen Art „Megacauda sungei“ konnten etliche Geheimnisse um die Entstehung der Säugetiere gelüftet werden. Im Fachjournal Nature wurden die Ergebnisse vorgestellt. „Die neue Art Megacauda sungei ist die größte der Säugetierformen aus dem Jura“, so Martin. Das Fossil gehört zu den Docodonten, einer ausgestorbenen Gruppe früherer Ursäuger aus dem Jura.
Das Fossil wurde in der Inneren Mongolei gefunden und mit anderen Fundstücken vom Paleontological Museum of Liaoning in Shenyang erworben. Bei einer gemeinsamen Sichtung erkannten die Experten die Einzigartigkeit des Fundes. Bis die neue Art sicher eingeordnet war, vergingen Jahre.