200 Millionen Euro für die Forschung NRW will führender Standort für KI-gestützte Krebsbehandlung werden
04.09.2026 · 20:03 Uhr
Die Krebsforschung soll durch das neue Netzwerk revolutioniert werden.
Foto: dpa/Felix Hörhager
Düsseldorf · Das Land investiert 200 Millionen Euro in ein landesweites KI-Projekt, mit dem Krebs besser erkannt und behandelt werden soll. Durch die neue Technik solle in Zukunft nicht mehr jeder Patient zu Krebsvorsorgeuntersuchungen eingeladen werden, kündigten Mediziner an.
Eine halbe Million Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Krebs. Um in der Behandlung künftig national, aber auch international zielgenauer vorzugehen, investiert die Landesregierung 200 Millionen Euro aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur in ein landesweites Projekt, das Krebsforschung mit Künstlicher Intelligenz (KI) verbindet.
Das standortübergreifende Netzwerk „Artificial Intelligence für Cancer Cure NRW“ sei „der nächste logische Schritt für Krebsforschung und Medizin“, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei der Auftaktveranstaltung in Düsseldorf. Bereits in vielen Bereichen, die KI betreffen, sei NRW Vorreiter. „Die größte Chance aber gibt es aus meiner Sicht in der Medizin“, so Wüst. NRW habe früh begonnen, eine starke Krebsmedizin aufzustellen, künftig solle das Land „der führende Standort für Kostenpflichtiger Inhalt datengetriebene, KI-gestützte Onkologie“ werden. „Unser gemeinsames Ziel ist es, dem Krebs den Schrecken zu nehmen.“
Aus Konkurrenten werden Partner
Das neue Netzwerk ermöglicht Universitätskliniken in ganz NRW, sich bei der Entwicklung von Krebstherapeutika und neuer Verfahren der Prävention und Früherkennung besser zu vernetzen und zusammenzuarbeiten. „Aus früheren Konkurrenten werden Partner“, sagte Michael Hallek, Onkologe am Universitätsklinikum Köln. Die Entwicklung neuer, zielgerichteter Krebsforschung gehöre zu den größten Herausforderungen moderner Medizin. Aber in Nordrhein-Westfalen gebe es die Möglichkeiten, Studien zur Krebsforschung innerhalb des eigenen Netzwerkes schnell umzusetzen.
Bisher sei es so: „Wir erfinden, und in China und Amerika wird produziert. Das wollen wir ändern. Wir wollen wieder selbst produzieren, und dazu gehört auch die akademische Forschung.“ Internationale Standorte wie Stanford und Boston nutzten aktuell deutsche Datensätze. Man müsse dahin kommen, dass die KI in NRW so ausgebaut werde, dass die Daten vor Ort ausgewertet werden könnten.
Zugriff auf riesige Datensätze
Künftig solle der Zugriff auf riesige Datensätze auch ermöglichen, Krebsrisikogruppen oder einzelne Patientengruppen besser zu erkennen. „Sie wissen, die Vorhersageprogramme für Krebs gehen sehr ungezielt vor“, sagte Hallek. In Zukunft solle durch die neue Technik nicht mehr jeder Patient zu bestimmten Krebsvorsorgeuntersuchungen eingeladen werden, sondern man will die mit dem höchsten Risiko in den Blick nehmen. „Ein riesiger Trend, auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive. Und zum Teil, weil viele unnötige positive Befunde entstehen, wenn man es ungezielt macht.“
Mit diesem Ansatz leite sich gerade „eine Art Paradigmenwechsel ein, wie wir unser Verhältnis zwischen Grundlagenforschung und klinischer Medizin in Zukunft entwickeln können“, kündigte Frederick Klauschen an, Forschungsdekan der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die neue Forschung könne auch wegweisend sein für die Abkehr von Tierversuchen. Bisher würden auch Tiermodelle für die Grundlagenforschung genutzt. „Sie wissen aber: Viele der Ergebnisse aus Mausmodellen sind nicht übertragbar auf den Menschen. Das heißt, Sie haben hier eine sehr, sehr hohe Quote an Fehlschlägen.
Mit der KI können wir das jetzt ein bisschen umdrehen. Wir starten nicht in der Maus, sondern wir gehen von den Patientenkohorten aus“, sagte Klauschen. Zugleich warnte er davor, der Technik vollends zu vertrauen. „Was wir bei aller Euphorie für die KI-Forschung mitnehmen müssen: Die KI ist nur so gut wie der Anwender und der reflektierte Wissenschaftler.“
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