26-Stunden-Inferno im Taunus – Schaden im Millionenbereich

Stand: 30.07.2026, 21:19 Uhr

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Brand Kriftel

Ein Blick vom Innenhof in das Gebäude: Am Tag danach lässt sich das Ausmaß des Schadens erahnen. © Robin Kunze

Das Unternehmen befürchtet einen Millionenschaden nach dem Großbrand in Kriftel (Main-Taunus-Kreis). Geschäfte bleiben vorerst geschlossen.

Kriftel – „Ich bin seit 1995 in der Feuerwehr. Ich kann mich an einen vergleichbaren Brand bei uns nicht erinnern“, sagt Rachid Maach, Kriftels Gemeindebrandinspektor. 26 Stunden lang hielt der Brand in einem Fachmarktzentrum in der Gutenbergstraße die Einsatzkräfte in Atem – und auch einen Tag später hängt noch der Geruch von Feuer und Rauch in der Luft.

Gegen 8.47 Uhr löste eine Brandmeldeanlage am Dienstag (28. Juli) im Lager des Möbel- und Einrichtungshauses Jysk aus und alarmierte dadurch die Krifteler Feuerwehr im Main-Taunus-Kreis. Schon beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wurde klar, dass es sich um einen größeren Brand handeln musste: Starker Rauch drang aus dem Gebäude.

170 Einsatzkräfte kämpfen gegen Flammen – und ein Laden zieht bittere Bilanz

Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis, die Berufsfeuerwehr Frankfurt, die Werksfeuerwehr der Firma Infraserv Höchst sowie das Deutsche Rote Kreuz, die Polizei und das Ordnungsamt beteiligten sich anschließend an dem Einsatz, der sich bis in die frühen Morgenstunden ziehen sollte. „Insgesamt waren 170 Personen von Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst im Einsatz“, sagt Rachid Maach. „Es handelte sich um einen äußerst kräftezehrenden Einsatz unter schwierigen Bedingungen. Die massive Rauchentwicklung und die hohe Brandlast haben unsere Einsatzkräfte vor große Herausforderungen gestellt.“

Nach Angaben der Gemeinde hätten sich in der Lagerhalle des Einrichtungshauses große Mengen leicht brennbarer Materialien befunden. Nicht nur der Rauch und die Hitze hätten den Feuerwehrleuten zu schaffen gemacht. Der Brandherd sei zudem nur schwer zugänglich gewesen, was den Einsatz weiter erschwert habe. Aufgrund von Glutnestern im Dach sowie in der Fassade hätten die Kräfte außerdem Teile der Dachkonstruktion öffnen sowie Fassadenelemente mit schwerem Gerät entfernen müssen.

Vorschaubild für den lokalen Newsletter für Main-Taunus (fnp)

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Nach fast 20 Stunden Löscharbeiten konnte sich ein Großteil der Kräfte schließlich gegen 4.30 Uhr am Mittwochmorgen zurückziehen. Eine Staffel der Sulzbacher Feuerwehr verblieb jedoch mit einer Drehleiter der Feuerwehr Hofheim vor Ort, um Brandwache zu halten.

Und das nicht umsonst, erklärte Maach, der selbst etwa 21 Stunden an dem Einsatz beteiligt war: Die Feuerwehrleute hätten noch zwei kleine Glutnester löschen müssen, welche noch viele Stunden nach Ausbruch des Feuers entstanden waren. Um 11 Uhr am Mittwochvormittag war der Einsatz schließlich beendet. Die Polizei hat nun die Ermittlungen übernommen.

Der Einsatz sei trotz seiner Länge und Komplexität gut verlaufen, sagte Maach. Er sei erleichtert, dass „die Zusammenarbeit aller beteiligten Feuerwehren und Hilfsorganisationen hervorragend funktioniert hat und niemand verletzt wurde“.

26 Stunden Feuerhölle im Taunus: „Ich kann mich an einen vergleichbaren Brand nicht erinnern“

Da sich auch ein Trafo-Kasten in dem betroffenen Gebäude befand, waren umliegende Immobilien zeitweise vom Stromnetz abgeschnitten. Die gute Nachricht: Mitarbeiter des Netzbetreibes Syna konnten die Stromversorgung für die umliegenden Gebäude bereits wiederherstellen.

Brand Kriftel

Der Einsatz dauerte etwa 26 Stunden. © Gemeinde Kriftel

Die ansässigen Läden – Jysk, das Schuhgeschäft Majo, der Motorrad-Store Polo und das Sandwich-Fast-Food-Restaurant Subway – sind bis auf Weiteres geschlossen. Jysk-Sprecherin Julia Rojahn sagte auf Anfrage dieser Zeitung, dass sich Jysk aktuell mit allen relevanten Akteuren im Austausch befinde, um sich ein Bild von der Gesamtsituation zu machen.

Für einige Unternehmen bedeutet das Feuer wahrscheinlich einen Schaden in Millionenhöhe. „Der Rauch ist massiv in unseren Laden reingezogen“, sagt etwa Nico Vetter, Sprecher des Schuhgeschäfts Majo. Allein der Schaden an der Ware sowie an der Inneneinrichtung durch Rauch und Löschmittel bewege sich ersten Schätzungen zufolge im Millionenbereich. Noch gebe es zwar keine Gutachten, dennoch geht Vetter nicht davon aus, dass die Majo-Filiale in den nächsten zwei Monaten wieder öffnen könne. Im Gegenteil: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es dieses Jahr nichts mehr wird.“ Die Mitarbeiter der Majo-Filiale seien nun erst einmal freigestellt, erklärt Vetter: „Wir schauen, wo wir sie verteilen können.“ Entlassungen soll es keine geben.