Strafmaß verkündet: 40 Jahre Haft für Mord an Tupac Shakur

Strafmaß verkündet

Rund 30 Jahre nach dem Mord an US-Rapper Tupac Shakur ist der frühere Ganganführer Duane Davis zu mindestens 40 Jahren Haft verurteilt worden. Richterin Carlin Kierny verkündete das Strafmaß am Dienstag in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada – rund sechs Wochen nachdem Geschworene einen Schuldspruch verhängt hatten. Davis, der in Handschellen vor Gericht erschien, erklärte gemeinsam mit seinem Anwalt, dass er in Berufung gehen werde.

Online seit gestern, 22.29 Uhr

Die Geschworenenjury in Las Vegas sah es bei der Urteilsverkündung als erwiesen an, dass der frühere Anführer der Gang South Side Compton Crips für die Tat verantwortlich war. Der Mord an Shakur zählte zu den bekanntesten ungelösten Verbrechen in den USA, der mit Spannung erwartete Prozess hatte im August begonnen.

Davis wurde vorgeworfen, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Staatsanwalt Binu Palal zeigte sich in seinem Schlussplädoyer davon überzeugt, dass Davis der Drahtzieher war. Die Verteidigung erklärte dagegen, es gebe außer Davis’ eigenen Aussagen keinerlei Beweise, die den heute 63-Jährigen mit der Tat in Verbindung brächten.

Rapper Tupac Shakur
Shakur wurde 25 Jahre alt

Erbitterte Fehde zwischen Hip-Hop-Künstlern

Der auch als 2Pac und Makaveli bekannte Musiker Shakur war eine herausragende Persönlichkeit in der damals tobenden Fehde zwischen Hip-Hop-Musikern von der West- und der Ostküste der USA.

Der mit Hits wie „California Love“ und „All Eyez on Me“ bekanntgewordene Shakur wuchs zwar im New Yorker Stadtteil Harlem und in Baltimore an der Ostküste auf. Er unterzeichnete jedoch einen Vertrag mit der Plattenfirma Death Row Records aus der Westküstenmetropole Los Angeles und wurde rasch zum Inbegriff des kalifornischen „Bad Boy“.

Shakurs Tod war der Tiefpunkt der Fehde zwischen den Plattenfirmen Death Row Records und Bad Boy Records sowie den Gangs Mob Piru, Teil der größeren Bloods-Gang, und den von Davis angeführten und mit Bad Boy Records kooperierenden South Side Compton Crips.

Davis brachte Ermittlungen gegen sich ins Rollen

Den Ermittlungen zufolge schlugen Shakur und Death-Row-Records-Boss Marion „Suge“ Knight am Abend des 7. September 1996 den Neffen von Crips-Boss Davis zusammen. In derselben Nacht überholte dann ein weißer Cadillac mit Davis, dessen Neffen und weiteren Insassen an Bord Shakurs Wagen in Las Vegas. Aus dem Cadillac heraus wurden mehrere Schüsse abgefeuert, Shakur wurde tödlich verletzt.

Aus Mangel an Beweisen kamen die Ermittlungen zum Mord an Shakur jahrzehntelang kaum voran. Das änderte sich 2019, als Davis seine Memoiren veröffentlichte. Darin schilderte er, dass er am fraglichen Abend vorn im Cadillac saß und den Männern auf der Rückbank eine Pistole gab. Wer genau schoss, schrieb Davis nicht. Alle anderen Männer, die damals mit ihm in dem Auto saßen, sind inzwischen tot.

Festnahme im September 2023

Im September 2023 wurde Davis schließlich festgenommen. Er distanzierte sich inzwischen von den Angaben in seinen Memoiren und beteuerte seine Unschuld. In einem im Gefängnis gegebenen Interview sagte er dem Sender ABC, die Ermittler könnten ihm noch nicht einmal nachweisen, dass er in der Tatnacht in Las Vegas gewesen sei. Stattdessen sei er zu diesem Zeitpunkt in Los Angeles gewesen. Seine eigenen Memoiren habe er nie gelesen.

Verteidiger nannte Mandanten Lügner

Davis’ Verteidiger Michael Sanft bezeichnete die Geständnisse seines Mandanten als Fiktion und Lügen, die teilweise dazu dienten, dessen Buch zu bewerben. „Sie lesen ein Buch, das Fiktion ist und keine Tatsachen wiedergibt“, argumentierte Sanft in seinem Schlussplädoyer vor der Geschworenenjury.

Im Vorfeld des Prozesses hatten Davis’ Anwälte vergeblich versucht, die Einführung des Buches sowie von Äußerungen, die er 2008 in einem Gespräch mit der Polizei gemacht hatte, als Beweismittel zu verhindern. Die Memoiren von Davis wurden als Beweismittel zugelassen, die Anklage behandelte diese bei dem im August angelaufenen Prozess schließlich als eine Art Geständnis.