Stand: 01.09.2026, 20:00 Uhr
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Eine neue Studie der zeigt teils erschreckende Zahlen zum Fahrverhalten in Deutschland: Drängeln, rechts überholen und Risiko sind an der Tagesordnung.
Berlin – Dichtes Auffahren, Rechtsüberholen oder das Erzwingen der Vorfahrt: Der Eindruck vieler Verkehrsteilnehmer, dass die Sitten auf den deutschen Straßen mehr und mehr verrohen, wird durch eine neue Studie der Björn Steiger Stiftung gedeckt.

„Die Hauptaussage, die sich herauskristallisiert, ist: Ich mache keine Kompromisse, wenn es um meine eigenen Interessen geht“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Stiftung, im Gespräch mit wa.de. Die Befragungsstudie habe teilweise „erschreckende Ergebnisse“ gezeigt.
Riskantes Fahrverhalten weit verbreitet: Werteverfall im Straßenverkehr
So ist riskantes Fahrverhalten laut Studie weit verbreitet. Insbesondere Geschwindigkeitsübertretungen, Smartphone-Nutzung und Rotlichtverstöße werden demnach von vielen billigend in Kauf genommen. Auch die Aggressivität spielt mittlerweile eine große Rolle auf Deutschlands Straßen: So gaben 40 Prozent der Befragten zu, außerorts schon mal rechts zu überholen. 59 Prozent der Befragten gaben an, sich das Einfädeln in den Verkehr beizeiten zu erzwingen, und 56 Prozent, einem anderen Fahrzeug auch schon mal mit zu geringem Abstand zu folgen.
Zwar hätten die Befragten prosoziale Einstellungen wie Respekt und Verständnis mit hohen Zustimmungswerten bejaht. Gleichzeitig berichteten aber viele Studienteilnehmer, dass sie Regeln im Alltag situativ relativieren, eigene Interessen in den Vordergrund stellen oder riskante Handlungen je nach Situation als nachvollziehbar ansehen. „Eine große Rolle spielt dabei der Zeitdruck“, sagt Brockmann. Aufgrund dessen rechtfertigen viele ihre riskanten Manöver: 73 Prozent gaben an, aus Zeitdruck innerorts manchmal 10 bis 20 km/h zu schnell zu fahren; 85 Prozent beschleunigen, wenn die Ampel von Grün auf Gelb springt; 73 Prozent fahren auch schon mal bei Rot über die Ampel.
Mehr Smartphone-Delikte bei 18- bis 24-Jährigen
Auffällig war bei der Befragung auch die Entwicklung der Smartphone-Delikte in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen: Hier verschlechterten sich die Zahlen zwischen 2019 und 2025 im zweistelligen Bereich. „Bei den jungen Menschen sehen wir hier eine beträchtliche Eskalation“, so Brockmann, der davon ausgeht, dass diese Zahlen in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen werden.
Die Ergebnisse der Studie sind für Brockmann ein klares Signal dafür, dass der Kontrolldruck im Straßenverkehr verstärkt werden muss. „Wenn Regeln nicht aus einer inneren Haltung heraus befolgt werden und die Missachtung an der Tagesordnung ist, muss die Befolgung von außen durchgesetzt werden“, so der Experte. Dies könne durch eine konsequentere und möglichst automatisierte Verkehrsüberwachung geschehen.
Die Studie wurde im Oktober und November 2025 bundesweit erhoben. Grundlage der Ergebnisse ist eine Online-Befragung von 991 Autofahrern im Alter zwischen 18 und 75 Jahren, die ihr Auto mindestens einmal in der Woche benutzen.