Stand: 18.08.2026, 14:01 Uhr
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Deutschland rüstet massiv auf. Doch nur zwei Prozent fließen in Forschung – und genau das könnte den erhofften Wachstumsschub verhindern.
Deutschland erhöht seine Verteidigungsausgaben massiv, investiert davon aber nur zwei Prozent in Forschung und Entwicklung. Ohne zivile Innovationen und neue Technologien bleibt der Wachstumsimpuls begrenzt: Bis 2030 stehen einem zusätzlichen fiskalischen Impuls von rund 95 Milliarden Euro lediglich gut 96 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung gegenüber.
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Mehr Panzer, Munition und militärische Ausrüstung können Deutschland sicherer machen. Zu einem dauerhaften Wachstumsmotor werden die zusätzlichen Verteidigungsausgaben dadurch jedoch noch nicht. Dafür müsste ein größerer Teil des Geldes in Forschung, neue Technologien und Innovationen fließen, die auch in der zivilen Wirtschaft die Produktivität erhöhen.

Genau dort liegt Deutschlands Schwäche: Im Jahr 2025 entfielen nur rund zwei Prozent der deutschen Verteidigungsausgaben auf Forschung und Entwicklung. In den USA waren es 16 Prozent. Die Folge zeigt eine Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Der Milliardenimpuls stützt die Konjunktur zunächst, löst aber keinen starken und nachhaltigen Wachstumsschub aus.
95 Milliarden fiskalischer Impuls, 96 Milliarden zusätzliches BIP
Das IW modelliert einen zusätzlichen fiskalischen Impuls von rund 95 Milliarden Euro. Dafür addiert das Institut die jährlichen Zuwächse der Verteidigungsausgaben gegenüber dem jeweiligen Vorjahr von 2026 bis 2030.
Nach der Simulation liegt das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2026 um 0,7 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent über dem Basisszenario ohne diese Mehrausgaben. Danach lässt der Effekt zunächst nach. Im Jahr 2030 liegt das BIP noch rund 0,6 Prozent über dem Basisszenario.
Bis 2030 summiert sich der zusätzliche Beitrag zur Wirtschaftsleistung laut IW auf gut 96 Milliarden Euro. Damit stehen einem fiskalischen Impuls von rund 95 Milliarden Euro lediglich gut 96 Milliarden Euro zusätzliches BIP gegenüber. Die nahezu identischen Größenordnungen zeigen: Große Folgeeffekte, die weit über die ursprünglichen Staatsausgaben hinausgehen, bleiben in der Simulation aus.
Das zusätzliche BIP ist zudem nicht mit Einnahmen gleichzusetzen, die vollständig an den Staat zurückfließen. Grundlage der Berechnung ist das Global Economic Model von Oxford Economics.
Der Milliardenimpuls verliert schnell an Kraft
Kurzfristig kurbeln die höheren Staatsausgaben auch die Investitionen an. Im Jahr 2027 liegen sie gut drei Prozent über dem Niveau, das ohne die zusätzlichen Verteidigungsausgaben erreicht worden wäre. Anschließend verliert der Effekt jedoch wieder an Kraft.
Für einen dauerhaften Wachstumsimpuls müsste die militärische Nachfrage neue Technologien hervorbringen, die auch zivil genutzt werden können. Solche sogenannten Spillover-Effekte könnten die Produktivität erhöhen, neue Geschäftsmodelle ermöglichen und zusätzliche private Investitionen auslösen.
Doch dafür ist der deutsche Forschungsanteil bislang zu gering. Während die USA einen erheblichen Teil ihrer Verteidigungsausgaben in Forschung und Entwicklung lenken, konzentriert sich Deutschland vor allem auf die Beschaffung. Das hilft der Bundeswehr, ihren materiellen Nachholbedarf zu decken. Die Innovationsbasis der gesamten Volkswirtschaft stärkt es aber nur begrenzt.
64 Milliarden Euro zusätzliche Schulden
Während der Wachstumseffekt überschaubar bleibt, nimmt die Staatsverschuldung deutlich zu. Der Bund finanziert die zusätzlichen Verteidigungsausgaben über eine Ausnahme von der Schuldenbremse.
Bereits 2026 liegt die nominale Gesamtverschuldung 0,5 Prozent über dem Basisszenario. Im Jahr 2029 fällt der Schuldenstand laut IW-Simulation um rund 64 Milliarden Euro höher aus als ohne die zusätzlichen Ausgaben.
Die Rechnung könnte noch ungünstiger werden, wenn die Wirtschaft schwächer wächst als angenommen oder der erwartete Wachstumsimpuls ausbleibt. Dann steigt die Verschuldung, ohne dass die Wirtschaftsleistung entsprechend mithält. Nach Einschätzung des IW könnte Deutschland dadurch seine Spitzenbonität verlieren. Zugleich würde die Zinslast weiter zunehmen.
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„Panzer sind nicht die neuen Autos“
„Panzer sind nicht die neuen Autos für die deutsche Wirtschaft“, sagt IW-Experte Klaus-Heiner Röhl. Die Verteidigungsindustrie wachse derzeit zwar kräftig, sei aber zu klein, um die gesamte deutsche Wirtschaft zu tragen. Ein flächendeckender Aufschwung sei deshalb nicht zu erwarten. Regional könnten die höheren Ausgaben jedoch spürbare Effekte auslösen.
Unabhängig von der Wachstumswirkung hält Röhl eine verlässliche Finanzierung der Verteidigung für unverzichtbar. Zunächst müsse die Bundeswehr ihren Nachholbedarf beim Material decken. Anschließend sollte der Bund die laufenden Verteidigungsausgaben wieder aus dem regulären Haushalt bezahlen.
Die Milliarden für die Bundeswehr folgen in erster Linie einer sicherheitspolitischen Logik. Eine Wachstumsgarantie sind sie nicht. Soll aus den höheren Ausgaben mehr als ein kurzfristiger Nachfrageimpuls entstehen, muss Deutschland stärker in militärische Forschung, neue Technologien und deren zivile Nutzung investieren. Ohne diesen Technologietransfer bleiben am Ende modernere Waffen, höhere Schulden – und kaum zusätzlicher Schub für die deutsche Wirtschaft.