100 US-Atombomben in Europa, russische Drohungen – und drei deutsche Kampfjets trainieren jetzt den Ernstfall

Abschreckung gegen Russland: Deutschland schickt Tornado-Kampfjets zu Atomwaffenübung der NATO

Stand: 12.10.2026, 07:55 Uhr

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Die Luftwaffe beteiligt sich mit drei Tornado-Jets am Nato-Manöver „Steadfast Noon“. Die Übung gilt als zentrales Signal der nuklearen Abschreckung an Moskau.

Brüssel – Die deutsche Luftwaffe hat drei Kampfflugzeuge zur jährlichen NATO-Atomwaffenübung verlegt. Die Tornados nehmen ab dem 13. Oktober an der Großübung „Steadfast Noon“ teil. Das Manöver gilt als zentrales Instrument der nuklearen Abschreckungsstrategie des Bündnisses gegenüber Russland. Deutschland ist über das Konzept der nuklearen Teilhabe direkt in die Atomstrategie der NATO eingebunden.

Zeichen des Zusammenhalts: Die Luftwaffe verlegt für die Nato-Übung drei Tornados nach Italien.

Zeichen des Zusammenhalts: Die Luftwaffe verlegt für die NATO-Übung drei Tornados nach Italien. © Thomas Frey/dpa

Die drei Tornados stammen vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 und wurden auf die Aviano Air Base in Norditalien verlegt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Normalerweise sind die Maschinen auf dem Stützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert. Dort lagern nach offiziell unbestätigten Angaben US-Atomwaffen, die im Ernstfall von deutschen Jagdbombern abgeworfen werden könnten. Als weitere Lagerorte für US-Atomwaffen in Europa gelten Stützpunkte in Italien, Belgien und den Niederlanden. Nach Schätzungen von Nuklearexperten lagern derzeit rund 100 US-Bomben vom Typ B61-12 auf sechs europäischen Luftwaffenstützpunkten, darunter auch in der Türkei.

Demonstration der Stärke – Klare Botschaft an Moskau

Die Übung findet in diesem Jahr schwerpunktmäßig in Italien statt. Insgesamt 17 Nationen nehmen an „Steadfast Noon“ teil. Der Umfang ist mit dem Vorjahr vergleichbar, als rund 2000 Militärs und mehr als 70 Flugzeuge im Einsatz waren. Echte Atomwaffen kommen bei dem Manöver nicht zum Einsatz. Trainiert wird unter anderem der sichere Transport der Waffen aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen sowie Angriffsflüge mit atomwaffenfreien Übungsbomben.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte die defensive Ausrichtung des Bündnisses: „Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis“, sagte er anlässlich der Übungsankündigung. Laut Rutte soll die Übung sicherstellen, dass die Allianz über eine sichere, effektive und glaubwürdige Fähigkeit verfügt, um Frieden zu sichern und Aggressionen abzuschrecken. Zudem, so Rutte weiter, sende das Manöver eine klare Botschaft von Entschlossenheit und Geschlossenheit. Auch in Italien sorgt die Übung für politische Diskussionen über die Stationierungsorte.

NATO-Nuklearpolitikchefin Nassima Barrows erklärte, „Steadfast Noon“ solle demonstrieren, dass das Bündnis im Ernstfall bereit sei, das gesamte Territorium zu verteidigen. Oberst David Bull, zuständig für Nuklearoperationen, hob hervor: Es gehe darum, das Zusammenspiel aller Beteiligten zu trainieren, um eine verlässliche nukleare Abschreckung aufrechtzuerhalten. Zwar betont das Bündnis, die Übung richte sich gegen kein konkretes Land; dennoch steht vorrangig Russland im Fokus. Moskau hatte Ende September mit Blick auf Manöver und Kaliningrad erneut mit dem Einsatz nuklearer Waffen gedroht. Im Vorjahr hatte Russland parallel zur NATO-Übung ein eigenes Atommanöver abgehalten, bei dem Interkontinentalraketen und Marschflugkörper getestet wurden.

NATO prüft Ausbau der nuklearen Abschreckung

Unabhängig von der laufenden Übung arbeitet das Bündnis an Plänen, die nukleare Abschreckung in Europa weiter auszubauen. Als mögliche Standorte für zusätzliche US-Systeme gelten unter anderem Polen, Finnland und Litauen. Zudem halten Experten der Fachgruppe „The Bulletin“ eine Stationierung von B61-12-Bomben auf dem britischen Stützpunkt Lakenheath für denkbar. Parallel dazu vertiefen europäische Partner ihre Zusammenarbeit, wie bei der deutsch-französischen Luftwaffen-Kooperation.

NATO-Chef Rutte schloss im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur eine Aufstockung nicht aus: Das Bündnis prüfe fortlaufend den benötigten Abschreckungsmix und werde Anpassungen vornehmen, wo immer dies notwendig sei. (dpa/cs)