Drei Treffer in der Nachspielzeit Acht Tore - Nürnberg und Wolfsburg liefern ein echtes Topspiel
Stand: 10.10.2026 • 23:18 Uhr
Im Topspiel der 2. Liga mussten sich alle Fans gut anschnallen. Denn der 1. FC Nürnberg und der VfL Wolfsburg lieferten einen wilden Ritt, der lange in Erinnerung bleiben wird. Die Partie endete 4:4 (0:2).
Hauke Wahl traf in der 12. Minute zur Gästeführung, Muhammed Damar erhöhte (29.). Piet Scobel (52., 59.) brachte den Club mit seinem Doppelpack zurück ins Spiel, Mohamed Ali Zoma besorgte den dritten Treffer für die Gastgeber (63.), bevor Alessio Besio auf der anderen Seite schließlich den Schlusspunkt setzte (90.+1) - dachte man.
Denn Giannis Masouras legte noch einen Treffer nach und traf in der 90.+6 zum 4:3 für die Franken. Das Ende? Nein. Besio wurde zum Doppelpacker und markierte das 4:4 (90.+9). Nürnberg bleibt durch dieses wilde Remis ungeschlagen auf Rang zwei, die Wölfe sind Fünfter.
"Das war auf jeden Fall eine Achterbahn der Emotionen", sagte Doppeltorschütze Scobel der Sportschau, "wir dürfen uns am Ende einfach nicht noch das 4:4 fangen. Aber da kann man jetzt nichts machen."
Trainer Miroslav Klose lobte seine Mannschaft für die Mentalität, gab aber auch zu: "Wenn man dann 4:3 führt, dann will man schon gewinnen und ist deshalb jetzt enttäuscht."
Wolfsburg in der Anfangsphase dominant - und zwei Mal erfolgreich
Das Topspiel zwischen den zwei Aufstiegsanwärtern begann temporeich und intensiv. Und mit der ersten guten Chance fiel auch gleich der erste Treffer: Eine Wolfsburger Ecke von links landete im Rückraum bei Joakim Maehle, dessen Abschluss zwar geblockt wurde, aber durch den Strafraum flipperte und vor den Füßen von Wahl landete. Der schaltete schnell und traf aus kurzer Distanz, Jan Reichert war noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern (12.).
Kurz danach konnte der Nürnberger Torhüter das sehr wohl und verhinderte gleich zwei Mal das 0:2 - auch mit Hilfe der Querlatte. Erst parierte Reichert einen Abschluss von Yannik Gerhardt, dann köpfte dieser den Nachschuss aus etwa drei Metern Distanz völlig kurios an die Latte statt ins leere Tor, ehe Reichert einen zweiten Nachschuss von Reese mit einer tollen Grätsche von der Linie kratzte. Und der FCN? Der tat sich schwer gegen die bissigen Wölfe und fand kaum einmal den Weg in Richtung Gäste-Strafraum.
Über robuste Zweikämpfe arbeitete sich die Elf von Miroslav Klose Stück für Stück wieder in die Partie - und nach einer knappen halben Stunde auch zur ersten Chance: Zoma scheiterte aber an Zielinski (27.). Im direkten Gegenzug schepperte es dann aber wieder auf der anderen Seite: Vinicius Souza sezierte mit einem tollen Pass das komplette Nürnberger Mittelfeld, Damar nahm den Ball in zentraler Position an, drehte sich und schlenzte ihn dann wunderbar rechts oben in den Winkel (29.).
Nürnberg drängt auf den Anschluss - dann wird es hitzig
Die Franken reagierten keineswegs geschockt und wollten unbedingt vor der Pause noch selbst auf die Anzeigetafel kommen. Nach einem Angriff über links hätte Scobel in der Mitte eigentlich durchaus das 1:2 erzielen können, agierte bei seiner Direktabnahme aber zu hektisch (31.), Julian Justvan prüfte Zielinski zudem mit einem Distanzschuss (36.).
Kurz vor der Pause zementierte Gerhardt auf der anderen Seite seine Rolle als Chancentod des Tages, als er von Damar bedient links völlig frei vor Reichert den Ball deutlich über das Tor schoss (40.). Kurz vor und auch direkt nach dem Pausenpfiff kochten die Emotionen so langsam hoch - am Ende einer großen Rudelbildung blieb es aber letztlich bei kleinen Schubsern und heftigen Wortgefechten, an denen auch Klose beteiligt war. Insgesamt ging der Halbzeitstand von 2:0 in Ordnung, auch wenn es eher ein 3:1 hätte sein müssen.
Nürnberg kommt wie die Feuerwehr aus der Pause
Keine drei Minuten waren in Hälfte zwei gespielt, als Ghrieb im Wolfsburger Strafraum rechts zum Abschluss kam und Zielinski abermals schnell abtauchen musste - der FCN war mit Wut im Bauch in die Kabine gegangen und mit Schwung wieder herausgekommen. Folgerichtig traf Scobel in der 52. Minute zum Anschluss: Javier Fernandez fand seinen Mittelstürmer auf dem Weg in den Strafraum, der setzte sich durch und nagelte den Ball humorlos in die Maschen. Und die Gastgeber waren jetzt angetrieben von ihren Fans komplett in Spiellaune - das 2:2 fiel nach einer tollen Kombination über Fernandez, Ghrieb und Scobel, der freigespielt vor Zielinski die Nerven behielt (59.).
Die Nürnberger Spieler jubeln über ihren dritten Treffer gegen Wolfsburg
Die fränkische Herrlichkeit hatte aber noch kein Ende gefunden, der FCN kombinierte sich auf der linken Seite glänzend aus dem Wolfsburger Pressing, Eric Porstner marschierte die linke Linie entlang, legte flach quer auf den heransprintenden Zoma und der spitzelte den Ball mit der Fußspitze ins rechte untere Eck - das Spiel war innerhalb von elf Minuten gedreht (63.).
Wilder Ritt in der Nachspielzeit
Wolfsburg hatte enorme Probleme, überhaupt einen Fuß zurück in diese Begegnung zu bekommen, der FCN war dem 4:2 näher als die Wölfe dem Ausgleich. In der Schlussphase wurde es dann aber dramatisch: Schiedsrichter Lars Erbst entschied auf Elfmeter für die Wölfe, nach Ansicht der Videobilder stellte sich allerdings heraus, dass der Ball in der Entstehung im Seitenaus gewesen war - unter Protest der Gäste wurde der Strafstoß zurückgenommen. Und jetzt begann nach bereits fünf gefallenen Treffern erst der wirklich wilde Ritt.
Zu Beginn der siebenminütigen Nachspielzeit war es wie schon beim 0:1 eine Ecke, die dem FCN zum Verhängnis wurde: Zielinski war mit nach vorne geeilt, kam irgendwie an die Kugel, die dann vom Gesicht von Nürnbergs Alexios Kalogeropoulos vor Besios Füße sprang. Der Joker drückte den Ball schließlich über die Linie, ein Treffer, der dem 1:0 doch sehr ähnelte.
Die Wölfe durften sich aber nicht lange freuen. Auf der anderen Seite traf Masouras wiederum nach einer Ecke sogar noch aus dem Getümmel zum vermeintlichen Nürnberger Sieg (90.+6). An diesem Samstagabend war aber wirklich alles möglich - vor allem nach Eckbällen. Die letzte Ecke des Spiels setzte dem Spektakel noch die Krone auf: Besio schnürte den Doppelpack - 4:4. Das Ende einer atemlosen Schlussphase, nach der zunächst kein Verantwortlicher wirklich zu wissen schien, ob er sich nun freuen oder ärgern sollte.
So ging es auch Wolfsburgs Trainer Tobias Strobl. Nach dem Spiel gefragt, wo er denn gefühlstechnisch jetzt sei, antwortete er überraschend: "Hört sich jetzt wahrscheinlich bescheiden an, aber gar nicht beim Ergebnis. Es fühlt sich grade nicht wie ein 4:4 an." Strobl war da eher noch bei der Frage, warum das Spiel in der zweiten Halbzeit überhaupt nochmal so spannend wurde: "Ich könnte jetzt die Mannschaft loben, dass sie zwei Mal zurückgekommen ist, aber da ist eher das Unverständnis der zweiten Halbzeit. Woran hats gelegen, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht so scharf rauskommen, wie wir in der ersten Halbzeit waren?" Dass das den Wolfsburgern nicht gelang war zumindest für alles neutralen Zuschauer am Ende ein großes Glück.
Nürnberg in Cottbus, Wolfsburg gegen Heidenheim
Nürnberg ist am Freitagabend bei Energie Cottbus zu Gast (18.30 Uhr). Wolfsburg empfängt am Samstagmittag zum nächsten Topduell den 1. FC Heidenheim (13 Uhr).