ADATA: KI-Blase kein Thema, DRAM bleibt 10 Jahre knapp

Der taiwanische Speicherhersteller ADATA hat sich über seinen Chairman und Firmengründer Chen Li-bai, im Westen auch als Simon Chen bekannt, zur weiteren Entwicklung der historischen Speicherkrise geäußert. Wer eine Neuanschaffung von RAM oder ein Upgrade plant, sollte die Aussagen kennen, denn sie fügen sich nahtlos in die düsteren Prognosen der vergangenen Wochen ein: Erst kürzlich hatte SK Hynix das "schlimmste Jahr" der Branchengeschichte für 2027 vorhergesagt, während die geplante Verdopplung der DRAM-Fertigung bis 2030 den Bedarf nicht decken soll.

DRAM-Knappheit: ADATA vertagt die Debatte über KI-Blase

ADATA-Chairman Chen Li-bai will erst nach 2030 darüber diskutieren, ob eine KI-Blase im Jahr 2040 oder 2050 platzt, da die weltweite Nachfrage nach Rechenleistung, Speicher und Strom weit über den Markterwartungen liegt.

KI-Blase laut ADATA frühestens nach 2030 ein Thema

Hintergrund der Aussagen ist die jüngste Quartalskonferenz von TSMC, nach welcher die Börse in Taipeh deutlich unter Druck geraten war und die Sorge vor überhitzten Investitionen in das boomende KI-Segment abermals neu aufflammte.

Gegenüber der taiwanischen Wirtschaftszeitung Commercial Times erklärte der Firmengründer: "Nach 2030 können wir darüber diskutieren, ob die KI-Blase letztlich 2040 oder 2050 eintritt." Dass Cloud-Anbieter wie Meta inzwischen überschüssige Rechenkapazitäten vermieten, lässt Chen Li-bai gar nicht erst als Beleg für eine nachlassende Nachfrage nach KI-Hardware und Speicherprodukte gelten.

Künftige KI-Anwendungen sollen sich auf Geschäftsmodelle wie B2B, B2G, B2C und B2B2C ausweiten. Analysten, welche die Lage allein an kurzfristigen Investitionen oder der Auslastung einzelner Unternehmen festmachen, unterstellt er einen Tunnelblick. Der KI-Boom habe seinen Höhepunkt noch nicht erreicht.

Ausbau der DRAM-Fertigung bringt keine schnelle Entspannung

Strom und Speicher werden nach Einschätzung von Chen Li-bai in den kommenden zehn Jahren die zwei weltweit knappsten Ressourcen sein, womit die DRAM-Knappheit noch bis etwa 2036 anhalten würde.

Von einer raschen Entspannung durch die Ausbaupläne von Samsung, SK Hynix und Micron will der Manager indes nichts wissen. Die drei großen DRAM-Fertiger hätten aus früheren Zyklen gelernt und würden künftig nur noch rational und mit sehr viel Bedacht expandieren; einen erneuten unkontrollierten Kapazitätsausbau hält er angesichts der aktuellen Situation für ausgeschlossen.

Chinesische Anbieter bleiben hingegen durch den beschränkten Zugang zu Halbleiter-Fertigungsanlagen sowie lange Bauzeiten für Werke und Reinräume limitiert, weshalb deren Anteil am weltweiten Angebot bis auf Weiteres gering ausfallen soll.

Edge Computing als zweiter Nachfragetreiber

Neben den KI-Rechenzentren soll das Edge Computing mit potenziell mehreren Dutzend Milliarden Endgeräten für zusätzliche DRAM-Nachfrage sorgen. Chen Li-bai verweist auf Roboter, autonome Fahrzeuge, unbemannte Fabriken und Läden, Smart Homes sowie Satelliten im niedrigen Erdorbit. Die Speicherkrise könnte sich damit vom klassischen Schweinezyklus der Halbleiterbranche zu einem langfristigen strukturellen Trend entwickeln.

RAM-Preise: Keine Entspannung im zweiten Halbjahr 2026

Die Vertragspreise für Speicher legen im dritten Quartal 2026 erneut zweistellig zu und auch Chen Li-bai erwartet für das zweite Halbjahr 2026 weiter steigende Notierungen und damit weiter steigende Preise für DRAM.

Bereits Anfang Juli hatte der Chairman für das dritte Quartal Aufschläge von mindestens 20 bis 30 Prozent bei DRAM sowie 35 bis 40 Prozent bei NAND-Flash beziffert. Solange die Preise anziehen und genügend Ware verfügbar ist, sieht er zudem "keinen Grund für sinkende Gewinne" der Speicherhersteller; im zweiten Halbjahr 2026 könnten die Erträge sogar noch weiter ansteigen.

Für Spieler bleibt die Lage damit unerfreulich: Populäre DDR5-Speicherkits wie das Kingston Fury Beast oder das G.Skill Trident Z5 Neo mit 32 GiB DDR5-6000 CL30 notieren im deutschen Einzelhandel nach wie vor bei etwa 420 bis 480 Euro.

Ältere Speicherstandards trifft die Krise ebenfalls: Erst vor wenigen Tagen sind die Preise für DDR4 um mehr als 50 Prozent gestiegen.

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Quelle: Commercial Times via Wccftech