AfD-Kandidat Siegmund macht Wahlkampf mit DDR-Moped – trotz Protest jüdischer Erben
Stand: 27.07.2026, 13:59 Uhr
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Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. AfD-Wahlkämpfer Ulrich Siegmund will mit Moped-Touren punkten – und übergeht dabei Kritik der Simson-Nachfahren.
Magdeburg – Vor der Landtagswahl am 6. September gibt sich die AfD in Sachsen-Anhalt siegessicher. Als der als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Landesverband am 21. Juli offiziell den Wahlkampf eröffnete, wurde der Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schon mal vorab als Gewinner gefeiert: „Gemeinsam werden wir in Sachsen-Anhalt die erste AfD-Landesregierung möglich machen!“, schrieb Alice Weidel auf X. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, denn die Partei erreichte bei den letzten Erhebungen 41 Prozent.

Siegmund scheint nach mehr zu streben und setzt unter anderem bei seiner Wahlkampftour auf DDR-Nostalgie. So war er abermals auf einem Simson-Moped unterwegs, das im Osten Kultstatus genießt – und dies trotz deutlicher Kritik. Am Sonntag fuhr er in Begleitung von Anhängern, und zwar nach einer Versammlung in Weißenfels im Süden Sachsen-Anhalts. Vorab hatten Nachfahren der jüdischen Familie Simson erklärt, geschockt darüber zu sein, dass ihr Name etwa auf T-Shirts oder Postern in Verbindung mit der AfD auftauche.
AfD-Wahlkampf: Simson-Werk für DDR-Mopeds geht zurück auf jüdische Brüder Simson
Eine solche politische Vereinnahmung durch Nutzung des Namens, der eben auch für die Moped-Marke steht, müsse vollkommen ausgeschlossen sein, sagte der Sprecher der in den USA lebenden Familie, Dennis Baum. Letztlich versuche die AfD, mit dem Namen der von den Nazis vertriebenen Unternehmerfamilie Werbung zu betreiben. Das Werk, in dem in der DDR Mopeds der Marke Simson gebaut wurden, geht auf die jüdischen Brüder Simson zurück. Es ist damit Teil der jüdischen Geschichte Thüringens. Die Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben worden und in die USA geflohen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD sich der Simson-Mopeds für ihre Zwecke bedient. Bereits auf dem Sommerfest der Thüringer AfD im August 2025 fuhr Björn Höcke auf einer Simson vor, die mit dem schwarz-rot-goldenen Symbol der extrem rechten Hetzkampagne „Stolzmonat“ dekoriert war. Das Motto des Sommerfests lautete: „Sonne, Heimatliebe, Simson“. Schon hierzu erklärte Baum: „Wir betrachten die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer Geschichte.“
Derweil versucht eine Kampagne, eine potenzielle absolute Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt zu verhindern. Die Initiative „Taktisch Wählen 2026“ ruft dazu auf, Parteien wie SPD oder Grüne durch strategische Kreuze bei den Erst- und Zweitstimmen vor dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zu bewahren. „Wir wollen demokratische Stimmen mobilisieren und so die rechtsextreme AfD stoppen!“, sagte Luise Band, Sprecherin der Kampagne, laut einer Mitteilung.
Auf der Internetseite der Kampagne können Wählerinnen und Wähler ihre Postleitzahl eingeben und sich anzeigen lassen, wie sie in ihrem Wahlkreis mit den beiden Stimmen am besten die Parteien unterstützen können, denen ein Ausscheiden aus dem Landtag droht. Das Tool greift den Angaben nach auf aktuelle Umfragedaten und vergangene Wahlergebnisse zurück. Hinter der Kampagne steckt die Organisation „The Goodforces“. An Planung und Umsetzung sind Ehrenamtliche beteiligt. (Quellen: dpa, FR-Recherche) (ktho)