Afghanistan im Ausnahmezustand: Dramaserie über den Abzug der NATO und seine Folgen

Stand: 20.07.2026, 00:00 Uhr

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Kabul - Flucht aus der Hölle - Die junge Ärztin Amina (Hannah Abdoh) flieht mit ihrer kleinen Patientin Nooria (Sara Taheri) zum Flughafen in Kabul. Wie viele andere Afghanen hofft sie, ausgeflogen zu werden, während die Taliban Afghanistan in ihre Gewalt bringen.

Kabul - Flucht aus der Hölle - Die junge Ärztin Amina (Hannah Abdoh) flieht mit ihrer kleinen Patientin Nooria (Sara Taheri) zum Flughafen in Kabul. Wie viele andere Afghanen hofft sie, ausgeflogen zu werden, während die Taliban Afghanistan in ihre Gewalt bringen. © ZDF/Domniki Mitropoulou - Cinétévé - 24 25 Films

Am Beispiel von Einzelpersonen aus der afghanischen Bevölkerung, europäischen Botschaften und NATO-Truppen veranschaulicht die europäische Serienproduktion die dramatischen Ereignisse in Afghanistan im August 2021. Zu den Darstellern zählen Jeanne Goursaud und Eric Dane in einer seiner letzten Rollen.

„Kabul - Flucht aus der Hölle“: Wohl selten war ein reißerisch klingender Serientitel so passend. Die französisch-deutsch-griechische Koproduktion folgt vor dem Hintergrund des Abzugs der NATO in Afghanistan und der Machtübernahme der Taliban Menschen vor Ort über die folgenden Tage und offenbart ein Chaos von immensem Ausmaß. Die Drehbücher stammen von Olivier Demangel und Thomas Finkielkraut, Regie führten Kasia Adamik und Olga Chajdas. Das ZDF strahlt die sechs Folgen jeweils im Doppelpack von Montag bis Mittwoch am späten Abend aus. Online ist sie bereits vorab abrufbar.

Kabul - Flucht aus der Hölle - Giovanni (Gianmarco Saurino), Mitarbeiter der italienischen Botschaft in Kabul, würde Afghanistan gerne schnell verlassen. Doch er erhält den Befehl zu bleiben und wird zum obersten Diplomaten ernannt.

Kabul - Flucht aus der Hölle - Giovanni (Gianmarco Saurino), Mitarbeiter der italienischen Botschaft in Kabul, würde Afghanistan gerne schnell verlassen. Doch er erhält den Befehl zu bleiben und wird zum obersten Diplomaten ernannt. © ZDF/Domniki Mitropoulou

Es war ein weiterer schwarzer Tag für die Geschichtsbücher, was danach geschah, bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als „menschliche Tragödie“: Nach dem Abzug der NATO aus Afghanistan nach mehr als 20 Jahren zerbrach die Regierung am 15. August 2021. Präsident Aschraf Ghani floh aus dem Land, die Taliban übernahmen die Macht. Was folgte, waren eine Massenflucht Einheimischer und chaotische Evakuierungsoperationen durch US-Truppen, Bundeswehr und andere NATO-Partner. Dramatische Bilder, darunter von Menschen, die sich verzweifelt an Flugzeuge klammerten, gingen um die Welt.

Die packende Miniserie zeichnet die politischen Entwicklungen jener Tage nach und veranschaulicht am Beispiel fiktiver Betroffener, welche Konsequenzen sie vor Ort nach sich zogen.

Rettungs- und Rückzugsmissionen

Die deutsche Soldatin Vera (Jeanne Goursaud) will um jeden Preis einem afghanischen General zur Flucht verhelfen, der ihr einmal das Leben gerettet hatte. Da sie keine offizielle Unterstützung erhält, macht sie sich mit ihren Kameraden Bastian (Leonard Scheicher) und Hans (Ludwig Blochberger) auf die gefährliche Rettungsmission.

Giovanni (Gianmarco Saurino), Mitarbeiter der italienischen Botschaft, wird mal eben zum Verantwortlichen vor Ort benannt, während seine Vorgesetzten das Land verlassen. Gilles (Jonathan Zaccaï), Sicherheitsattaché der französischen Botschaft, soll die Koordination des Rückzugs der eigenen Leute und der einheimischen Ortskräfte leiten, die Zuflucht in der Botschaft suchen.

Darunter ist auch die Staatsanwältin Zahara (Darina Al Joundi) mit ihrem Mann Baqir (Vassilis Koukalani). Aufgrund ihres Engagements für die Rechte der Frauen befindet sie sich in Lebensgefahr. Ihr Sohn Fazal (Shervin Alenabi), der der afghanischen Armee dient, möchte sein Land nicht aufgeben, Tochter Amina (Hannah Abdoh) kümmert sich als Ärztin aufopferungsvoll um ihre Patienten, vor allem die kleine Nooria (Sara Taheri). Schon bald tauchen Taliban in der Klinik auf.

Auf US-Seite lernt man den CIA-Agenten Martin (der am 19. Februar 2026 verstorbene „Grey's Anatomy“-Star Eric Dane in einer seiner letzten Rollen) kennen. Er leitet eine Einheit und soll nichts weniger als einen angedrohten Anschlag auf den Flughafen verhindern.

Bei so vielen Personen und Orten, zwischen denen in hohem Tempo hin und her gesprungen wird, könnte man beinahe den Überblick verlieren. Ganz so wie die Agierenden dieser mitreißenden, dramatischen Serie, die im besten Fall von vielen Menschen gesehen wird und dafür sorgt, dass Afghanistan, insbesondere die Frauen, vom Westen nicht vergessen werden. Am Mittwochabend ordnet die begleitende Doku „auslandsjournal frontlines: Kabul - die Rückkehr der Taliban“ in den realen Kontext ein. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)