Weltkarte wird reformiert: 164 Staaten stimmen für größeres Afrika – nur die USA dagegen

Afrika wird endlich größer: Vereinte Nationen stimmen für Reform der Weltkarte

Stand: 05.09.2026, 07:36 Uhr

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Afrika wirkt auf vielen Weltkarten bis heute zu klein. Nun ruft die UN Staaten und Organisationen zu einem anderen Kartenbild auf.

New York – Afrika ist riesengroß. Zum Vergleich: Flächenmäßig passen die USA mehr als dreimal in den afrikanischen Kontinent hinein. Dennoch ist die Größe Afrikas auf den Weltkarten bisher nicht zu erkennen. Afrika erscheint dort fast immer viel zu klein. Nun soll sich das ändern: Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dafür gestimmt, die traditionelle Weltkarte durch eine neue Version zu ersetzen, die die Größe Afrikas präziser darstellt.

Diese von Equal Earth bereitgestellte Grafik zeigt die Equal-Earth-Kartenprojektion. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte am 4. September 2026 für eine von mehreren afrikanischen Staaten eingebrachte Resolution zur Einführung einer Karte, die ihren Kontinent vergrößert und gleichzeitig Nordamerika und Europa verkleinert.

Diese von Equal Earth bereitgestellte Grafik zeigt die Equal-Earth-Kartenprojektion. Die UN-Generalversammlung stimmte für eine von mehreren afrikanischen Staaten eingebrachte Resolution zur Einführung einer Karte, die ihren Kontinent vergrößert und gleichzeitig Nordamerika und Europa verkleinert. © AFP

Die von Togo eingebrachte und von Mitgliedern der Afrikanischen Union unterstützte Resolution „Correct the map“ fand breite Unterstützung: 164 Staaten votierten dafür, sechs Länder enthielten sich, nur eine Nation stimmte dagegen: die USA. Das Abstimmungsergebnis ist nicht bindend, soll aber weltweit zu Änderungen an Karten führen. Die Resolution ruft internationale Organisationen und Staaten auf, künftig kartografische Darstellungen vom Typ „Equal Earth“ zu nutzen. Diese Weltkarte bildet die tatsächlichen Ausmaße der Kontinente besser ab, wobei besonders Afrika vergrößert und die USA verkleinert werden.

Afrika soll nicht länger schrumpfen: UN stimmen für reformierte Weltkarte 

Diese Darstellung soll die bis heute international am häufigsten verwendete Weltkarte ablösen, die auf den 1512 in Flandern geborenen Kartografen Gerardus Mercator zurückgeht. Diese wurde im Jahr 1569 für die Seefahrt konzipiert und vergrößert die Gebiete in den hohen Breitengraden künstlich. Damals wusste man, dass sie die Größe der Länder nicht flächentreu darstellt, sondern verzerrt.

Gut zu erkennen ist das an Grönland: In manchen Entwürfen erscheint die Insel zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer so groß wie der gesamte Kontinent Afrika. Betrachtet man hingegen einen Globus, fällt auf: Afrika ist um ein Vielfaches größer – die Fläche des Kontinents ist demnach fast 14-mal so groß wie die von Grönland. 

Das Problem dieser Karte ist die Verzerrung von Flächen: Diese werden bei der üblichen Projektion umso größer, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Schließlich wird die dreidimensionale Erde, die eigentlich fast kugelförmig ist, auf eine zweidimensionale, rechteckige Fläche projiziert.

„Historischer Moment“: Togo feiert Korrektur der Weltkarte

„Karten prägen unser Verständnis der Welt“, erklärte der togolesische Außenminister Robert Dussey während der Debatte in der UN‑Vollversammlung. Sie seien aber niemals neutral. Es bestehe die Gefahr, dass sie „ein verzerrtes Bild unseres Planeten vermitteln und falsche Vorstellungen verfestigen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.“

Nach der Abstimmung war er spürbar begeistert: „Historischer Moment: Die Welt hat sich für eine Korrektur der Karte entschieden“, schrieb Dussey auf der Online-Plattform X. Die Entscheidung gehe weit über reine Kartografie hinaus: „Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung und darum, wie wir unsere Welt darstellen.“ Zu lange hätten überlieferte kartografische Darstellungen die Wahrnehmung der tatsächlichen Größe Afrikas und anderer Regionen der Welt verzerrt. „Die Karte zu korrigieren bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir die Welt sehen.“ 

Debatte UN-Generalversammlung

Die USA stimmten als einzige Nation gegen eine Reform der Weltkarte. (Archivbild) © Bianca Otero/ZUMA Press Wire/dpa

Afrikanische Union: Verzerrung fördert fehlerhaftes Bild

Die USA lehnten die Resolution als einziges Land ab. Sie bezeichneten die Initiative als Teil eines radikalen ideologischen Projekts. Die Resolution verbietet die Mercator-Projektionen zwar nicht, ruft Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen aber dazu auf, die „Equal Earth“-Projektion und andere flächengetreue Karten zu verwenden, wenn es auf relative Größenverhältnisse ankommt. 

Die Afrikanische Union (AU) hatte bereits im vergangenen Jahr beklagt, dass die Mercator-Projektion Afrika nicht angemessen darstelle und damit ein falsches Weltbild vermittle, das sich wiederum auf schulische Bildung, Medien und Politik auswirke. Um sich bei der Darstellung der Kontinente auf Karten möglichst genau an die tatsächlichen Größenverhältnisse zu halten, erstellten Fachleute schon im Jahr 2018 eine flächentreue Karte namens „Equal Earth“. Dadurch werden Afrika, Lateinamerika, Südasien und Ozeanien viel größer dargestellt als auf den bisher üblichen Weltkarten. (Quellen: dpa, AFP) (cs)