Als Ausgleich zur Luxus-Branche: Monika und Peter Wiedemann reisen gern – am liebsten im alten VW-Bus

Stand: 26.07.2026, 06:00 Uhr

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Im Gespräch: Das Unternehmerpaar Monika und Peter Wiedemann, Seniorchefs des größten bayerischen Parfümerie-Unternehmens, mit Autorin Clara Wildenrath (re.). © cw

Monika und Peter Wiedemann haben 43 Jahre lang die größte private Parfümerie-Kette Bayerns geleitet. Ihre Reisen machen sie am liebsten mit einem 34 Jahre alten VW-Bus.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Von der Parfümerie mit ihren Wohlgerüchen geht es hinauf: über jahrhundertealte Holzstufen, vorbei an der Vitrine mit Bleichsoda und „Isarperle“-Seifen aus den 1950er-Jahren, der Gründungsurkunde von 1856 und dem ersten Firmen-PC aus dem Jahr 1988. „Unser Stammhaus gab es schon, als Amerika noch nicht entdeckt war“, erklärt Monika Wiedemann. 1485 wurde das sogenannte Pflegerhaus an der Tölzer Marktstraße erbaut, seit 1930 ist es im Besitz der Familie. Ihr Mann Peter ergänzt: „Hier sind unsere Wurzeln. Dieses Erbe hochzuhalten, ist uns eine Verpflichtung.“ Wo früher sein Kinderzimmer war, sitzt heute die Verwaltung des Familienbetriebs.

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Seit bald 100 Jahren im Familienbesitz: das Stammhaus der Parfümerie in der Marktstraße. Dieses Bild aus der Historie des Geschäfts zeigt Maria Wiedemann, die Mutter des heutigen Seniorchefs. © cw/repro

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Als Ausgleich zur Luxus-Branche: Monika und Peter Wiedemann reisen gern – am liebsten im alten VW-Bus

Im zweiten Stock hat das Unternehmerpaar moderne Schulungsräume eingerichtet. Die alten Sprossenfenster sind weit geöffnet, Sonnenlicht flutet herein, das geschäftige Freitagnachmittags-Gemurmel der Marktstraße dringt nach oben. Von hier aus kann man sie in ihrer kompletten Länge überblicken – von der Isarbrücke bis zum Schlossplatz. Das gehe von keinem anderen Gebäude aus, sagt Peter Wiedemann mit Stolz in der Stimme. Das Stammhaus liegt dem 70-Jährigen am Herzen, das wird aus jedem seiner Worte deutlich, genauso wie der Parfümerie-Betrieb, den seine Frau und er 43 Jahre lang leiteten.

Von der Seifensiederei zur Parfümerie-Kette

Peter (70) und Monika Wiedemann (67) leiteten von 1979 bis 2022 die Parfümerie Wiedemann. In dieser Zeit wuchs das Unternehmen zur größten privaten Parfümerie-Kette Bayerns mit 22 Filialen – darunter eine in Wolfratshausen – und rund 200 Angestellten. Gegründet hat es Peter Wiedemanns Urgroßvater 1856 als Seifensiederei in der Tölzer Marktstraße – schräg gegenüber vom heutigen Firmenstammsitz. 2015 erhielt das Unternehmen den Wirtschaftspreis des Landkreises. Inzwischen führt Sohn Christian den Betrieb in fünfter Generation. Peter und Monika Wiedemann sind in Bad Tölz aufgewachsen, wo sie bis heute leben. Sie haben zwei Söhne und fünf Enkelkinder.

1975, als sie sich kennenlernten, gab es im Laden noch Schuhcreme, Putzmittel und Schrubber. Da war er 19 und sie 16 Jahre alt; sie trafen sich beim Bergsteigen mit der Alpenverein-Jungmannschaft. „Mir war schon klar, dass ich ins Geschäft muss, wenn ich den Peter heirate“, sagt Monika Wiedemann und schmunzelt. Sich zu schminken, gar Lippenstift zu tragen wie die Schwiegermutter, war der gelernten Zahntechnikerin damals völlig fremd. Nach dem Besuch einer Kosmetikschule in Bonn änderte sich das.

Nicht gefragt, ob er das Geschäft übernehmen will

Auch Peter Wiedemann war die Begeisterung für das elterliche Unternehmen nicht in die Wiege gelegt. „Eigentlich sollte mein älterer Bruder das Geschäft übernehmen. Als er nicht wollte, hieß es: ‚Dann machst du das eben.‘ Wirklich gefragt wurde ich nicht.“ Er beendete die Fachoberschule – „ohne Abschluss“, gibt er zu, „ich war immer ein schlechter Schüler“ – und machte eine Drogistenlehre in München. Heute sei er stolz darauf, das Unternehmen mit seiner Frau so aufgebaut zu haben, dass die nächste Generation Spaß daran hat, es weiterzuführen. Er betont: „Es braucht Leidenschaft. Man muss mit seiner Arbeit glücklich sein, um Erfolg zu haben.“

Erfolg bedeutet für ihn aber nicht nur Expansion, „eine bekannte Größe am Markt zu sein“ und zufriedene Mitarbeiter. Sondern auch: „Dass wir als Familie so geblieben sind, wie wir waren – normal, bodenständig, glücklich.“ Nach wie vor gehen beide gerne in die Berge, fahren Mountainbike oder machen Skitouren. „Wenn man vom Berg runterschaut, wird einem bewusst, dass es etwas Größeres gibt als das, was Menschen schaffen können“, sagt er nachdenklich, seine Frau nickt. Sie zeigt auf eine lange Narbe am rechten Bein: „Seit ich mein neues Knie hab, kann ich endlich auch wieder alles mitmachen.“ Mehr als zwanzig Jahre habe sie nach einer Verletzung mit Arthrose gekämpft, konnte lange nur unter Schmerzen gehen. „Das hat mich auch psychisch sehr mitgenommen“, gibt sie zu. Beim Tauchen und Töpfern fand sie einen Ausgleich.

Urlaub im VW-Bus

Braungebrannt sitzen sich die beiden am Tisch gegenüber, blicken sich vor jeder Antwort in die Augen und ergänzen einander, ohne sich ins Wort zu fallen. „Wir ticken sehr ähnlich“, bestätigt Peter Wiedemann. Monika Wiedemann meint: „Es ist fast schon unheimlich, wie weit unsere Interessengleichheit geht – in fast allem: Essen, Musik, Sport, Kultur, Einrichtung.“ Er lobt ihre Stilsicherheit, sie seine Ruhe und Ausgeglichenheit. Sehr geholfen haben beiden die langjährigen Mentaltrainings mit einem Psychologen, zunächst privat, dann auch in der Firma. „Das hat unser Leben verändert“, sagt Peter Wiedemann. Beide hätten in zahlreichen Seminaren nicht nur gelernt, durch Visualisierung ihre Ziele zu erreichen, sondern auch, wertschätzend miteinander zu sprechen. „Wir suchen den Fehler nicht erst beim anderen, sondern bei uns selbst.“

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Glück bedeutet für beide: Berge, Natur, Familie. Und Reisen. Am liebsten sind sie auf eigene Faust unterwegs, in einfachen Unterkünften, die sie sich vor Ort suchen – egal, ob in Chile, Nepal oder Kambodscha. „Das tut uns in unserer luxusbehafteten Branche als Ausgleich gut.“ Gerade sind sie von einer Tour durch Italien zurückgekommen – mit ihrem 34 Jahre alten VW-Bus. Wenn sie über den Zirler Berg nach Hause fahren, den Wetterstein sehen, das Karwendel und den Walchensee, dann stellen sie immer wieder fest, „welches Glück es ist, hier in dieser wunderschönen Gegend leben zu dürfen“, sagt sie mit glänzenden Augen.