Unter den Codenamen Venice und Verano hat AMD eine neue Generation von Serverprozessoren der Marke Epyc entwickelt. Sie haben CPU-Kerne der sechsten Zen-Generation, für die AMD wesentlich höhere Performance verspricht als für Zen 5.
Die maximal mögliche Anzahl der CPU-Kerne steigt von 192 auf 256, geht allerdings auch mit einer höheren Thermal Design Power (TDP) von bis zu 600 statt zuvor 500 Watt einher. Für diese hohe Anzahl von Rechenwerken nutzt AMD wie in den Generationen zuvor kompakter gebaute CPU-Kerne, also Zen 6c.
Eine Überraschung gibt es bei den „normalen“ Zen-6-Kernen, denn davon baut AMD maximal 96 in einen physischen Prozessor. Bei Zen 5 (Turin) gibt es bis zu 128 „große“ Kerne im Epyc 9755. Doch der taktet mit maximal 4,1 GHz, während AMD nun eine Variante des Epyc 9006 mit 96 Kernen und 5,0 GHz verspricht.
Auch in der Turin-Generation Epyc 9005 (Fassung SP5) gibt es 5-GHz-Versionen, aber mit maximal 64 Kernen, die zudem nur zwölf RAM-Kanäle mit DDR5-6400 ansteuern. Beim Nachfolger sind 16 Kanäle mit schnellerem Speicher möglich.
Ziele: Agentische KI und Nvidia-Konter
AMD betont, dass einige Epycs der Baureihe 9006 besonders hohe Singlethreading-Performance liefern und zieht ausdrücklich Vergleiche zum Konkurrenten Nvidia Vera mit 88 ARM-Kernen. Denn bei diesem hatte Nvidia die hohe Singlethreading-Performance bei der Verarbeitung ganzer Zahlen (Integer) betont, die für die derzeit boomenden KI-Agenten (Agentic AI) wichtig ist.
Die Zen-6-Kerne erreichen ihre im Vergleich zu Zen 5 höhere Rechenleistung durch eine höhere Taktfrequenz, aber auch durch Verbesserungen der Mikroarchitektur, die AMD bisher allerdings nicht näher erläutert.
Rechenzentren für agentische KI benötigen laut AMD viele unterschiedliche Servertypen.
(Bild: AMD)
Die Epyc 9006 binden auch schnelleres RAM an und bringen PCI Express 6.0. Das beschleunigt nicht nur die Anbindung von SSDs und KI-Karten, sondern auch von CXL-3.1-Speichermodulen.
Wenn es nicht um höchste Singlethreading-Perfomance geht, sondern um möglichst viele CPU-Kerne, sind mit dem 256-Kerner bis zu 49.152 Kerne mit 98.304 Threads in einem Rack mit 48 Höheneinheiten möglich. Dazu muss man „halb breite“ (Half-Width-)Einschübe verwenden, also 96 Server mit je zwei Prozessoren. Laut AMD liegt die Leistungsaufnahme in der Spitze dann aber bei fast 270 kW pro Schrank.
Mit Intels 288-Kerner Intel Xeon 6990E+ (Clearwater Forest) wären in einer vergleichbaren Konfiguration sogar 55.296 CPU-Kerne pro Rack möglich, aber ohne Simultaneous Multithreading (SMT).
Mehr Varianten und CPU-Fassungen
Die wechselbaren Zen-6-Epycs benötigen Mainboards mit den neuen Fassungen SP7 (16 DDR5-RAM-Kanäle) oder SP8 (acht DDR5-RAM-Kanäle). Die Version Verano kommt als Epyc 9006 LP mit 24 LPDDR5X-Kanälen für Server-Speichermodule vom Typ SOCAMM2, die auch Nvidia für Vera nutzt. Der Epyc 9006 LP ist als direkter Konkurrent von Vera für KI-Server gedacht, die eine CPU mit mehreren Beschleunigern kombinieren.
| AMD Epyc 9006: Versionen | ||||
| Baureihe | Epyc 9006 SP7 | Epyc 9006 SP8 | Epyc 9006X SP7 | Epyc 9006 LP |
| Codename | Venice SP7 | Venice SP8 | Venice-X SP7 | Verano |
| max. CPU-Kerne Zen 6 / 6c | 96 / 256 | k.A. / 128 | 96 / – | 72 / – |
| 3D V-Cache | – | – | ja | – |
| CPU-Fassung / RAM-Kanäle | SP7 / 16 × 1DPC | SP8 / 8 × 2DPC | SP7 / 16 × 1DPC | k.A. / 12 × SOCAMM2 |
| max. RAM-Takt | DDR5-8800 / 12800 | DDR5-8800 | DDR5-8800 / 12800 | k.A. (LPDDR5X) |
| geplanter Starttermin | Q4/2026 | H1/2027 | H2/2027 | H2/2027 |
Als High-End-Version kündigt AMD ausschließlich für die Fassung SP7 noch den Epyc 9006X mit zusätzlich aufgestapeltem L3-Cache (insgesamt 1,152 GByte) und noch höheren Taktfrequenzen von bis zu 5,15 GHz an. Die X-Versionen zielen aufs High Performance Computing (HPC). Microsoft Azure will auch mit solchen Modellen CPU-Instanzen anbieten.
Die SP7-Plattform mit 16 RAM-Kanälen kann pro CPU eine Datentransferrate von 1,6 TByte/s erreichen, wenn man Multi-Rank-DIMMs (MDRIMMs) mit 12,8 Gigatransfers pro Sekunde einbaut (DDR5-12800). Höhere RAM-Kapazität ermöglicht hingegen die Plattform SP8 mit zwar nur acht Kanälen, die aber je nach Mainboard auch mit jeweils zwei Modulen bestückt werden können (zwei DIMMs per Channel, 2DPC). Ansonsten ist der Epyc 9006 SP8 aber vor allem für Allzweck- und Cloudserver gedacht.
Trusted I/O fürs Confidential Computing
Die Zen-6-Epycs bringen auch Secure Encrypted Virtualization (AMD SEV) mit Trusted I/O. PCIe 6.0 spezifiziert verschlüsselte PCIe-Transfers, um auch GPUs beziehungsweise Rechenbeschleuniger in Trusted Execution Environments (TEEs) fürs Confidential Computing einzubinden. AMD hebt die Option mit dem parallel vorgestellten Beschleuniger Instinct MI455X hervor. Eine vergleichbare Option gab es bisher nur bei Nvidia.
Gestaffelter Start bis ins Jahr 2027
Die Produktion des Epyc 9006 SP7 läuft bereits, denn der kommt im KI-Rack AMD Helios zum Einsatz, das beispielsweise Microsoft Azure und Anthropic nutzt. Im vierten Quartal soll der Epyc 9006 SP7 allgemein lieferbar sein.
Der Eypc 9006 SP8 soll im ersten Halbjahr 2027 folgen. Die Versionen Epyc 9006X SP7 und Epyc 9006 LP stehen erst in rund einem Jahr auf dem Plan, also im zweiten Halbjahr 2027.
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(ciw)