Köln Buttersäure-Anschlag auf NS-Dokumentationszentrum
Stand: 16.10.2026 • 19:12 Uhr
In der Nacht auf Freitag ist das NS-Dokumentationszentrum in Köln mit einer übelriechenden Flüssigkeit verunreinigt worden. Die Polizei geht von einem Buttersäure-Angriff aus. Am Nachmittag gab es eine Mahnwache.
Am Freitagmorgen hatten Mitarbeiter der Einrichtung am Appellhofplatz infolge der extremen Geruchsbelästigung die Polizei informiert. Diese stellte fest, dass die Eingangsbereiche an allen drei Zugängen des Gebäudes mit einer übelriechenden Flüssigkeit verunreinigt wurden. Die Polizei geht von einem Buttersäure-Angriff aus. Weil die Tat einen politischen Hintergrund haben könnte, ermittelt der Staatsschutz.
Betroffenheit und Wut nach Angriff auf EL-DE-Haus
Der Angriff auf eine solche Institution sei ein Angriff auf die Erinnerungskultur, sagte Claudia Wörmann, die Co-Vorsitzende des Fördervereins des NS-Dokumentationszentrums, gegenüber dem WDR.
Es macht mich betroffen, aber auch wütend.
Claudia Wörmann, Co-Vorsitzende des Fördervereins des NS-DOK
Denn es sei auch ein Angriff auf die heutige Arbeit des NS-DOK. Dieses leistet viel Aufklärungsarbeit gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus.
Mit ihrer Empörung ist Claudia Wörmann nicht allein. Als Zeichen der Solidarität versammelten sich etwa 50 Menschen für eine spontane Kundgebung und Mahnwache vor dem Gebäude.
"Angriff auf das demokratische Selbstverständnis"
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester verurteilte die Tat aufs Schärfste. "Das NS-DOK ist nicht irgendein Gebäude, sondern der Ort in Köln, an dem wir die Verbrechen des Nationalsozialismus erforschen, sichtbar machen und an die Opfer erinnern", hieß es in einer Mitteilung der Stadt. Damit sei es ein Angriff auf die Erinnerungskultur und das demokratische Selbstverständnis der Stadt.
"Ohne den polizeilichen Ermittlungen vorgreifen zu wollen, müssen wir den Vorfall als gezielten Angriff auf die Gedenkstätte und die Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus in Köln begreifen", sagte Henning Borggräfe, der Leiter des Zentrums. Man verurteile den Angriff scharf, werde sich davon aber nicht verunsichern lassen.
Zentrum "für eine lebendige Erinnerungskultur"
Auch die Kölner Landtagsabgeordnete der Grünen, Berîvan Aymaz, meldete sich am Freitag zu Wort. "Der feige Angriff auf das NS-Dokumentationszentrum in meiner Heimatstadt Köln ist abscheulich." Gerade in Zeiten, in denen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus erstarken, müssten solche Orte geschützt und gestärkt werden, so die Vizepräsidentin des NRW-Landtags. "Sie sind unverzichtbar für eine lebendige Erinnerungskultur und unsere demokratische Gesellschaft."
Etwa 50 Menschen versammelten sich spontan am Freitagnachmittag zu einer Mahnwache.
Erst Donnerstagabend hatte es im NS-DOK eine Podiumsdiskussion über die Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz gegeben. Ob ein Zusammenhang besteht, ist aber bislang unklar.
Ort der Erinnerung an den Nationalsozialismus
Wie die Stadt mitteilte, werde das Zentrum aufgrund der Reinigungsarbeiten bis einschließlich Montag geschlossen bleiben. Am Dienstag soll die Gedenkstätte dann wieder regulär öffnen.
Das NS-DOK ist ein Zentrum zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Köln und Umgebung und ein Ort der Erinnerung. Es befindet sich im historischen EL-DE-Haus in der Kölner Innenstadt. Als Museum und Gedenkstätte sammelt und bewahrt es Zeugnisse zur NS-Zeit. Außerdem veranstaltet es Ausstellungen und leistet Bildungs- und Beratungsarbeit.
Unsere Quellen:
- Polizei Köln
- Stadt Köln
- Interview Claudia Wörmann
Sendung: WDR.de, Buttersäure-Angriff auf NS-Dokumentationszentrum in Köln, 16.10.2026, 14:30 Uhr