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Unrealistisches Planen
Architekten fordern mehr Realismus bei Ausschreibung und Vergabe von Bauprojekten
Stand: 20.10.2026 14:12 Uhr
Öffentliche Bauvorhaben werden häufig teurer als geplant und später fertig als vorgesehen. Architekten sagen, das gehöre offenbar zur Folklore des Bauwesens. Experten fordern mehr Realismus bei Ausschreibung und Vergabe. Einer von ihnen verweist auf ein Beispiel aus Österreich.
von Juliane Neubauer, MDR AKTUELL
- Architekten und Bauministerium wissen gleichermaßen, dass zunächst mit unrealistisch niedrigen Kosten geplant wird
- Etwa 40 Prozent aller Bundes-Bauprojekte sprengen den Kostenrahmen
- Architekt fordert andere Vergabepraxis und verweist auf Beispiel in Österreich
Für Benedikt Hotze, Pressesprecher beim Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BDA), sind es immer die gleichen Abläufe, die es bei öffentlichen Bauvorhaben seit Jahrzehnten fast unmöglich machen, den Erwartungen zu entsprechen: "Ein Mechanismus, der inzwischen fast karnevaleske Züge trägt, denn alle wissen um diesen Mechanismus."
Architekten beklagen immer gleichen Ablauf
Hotze sagt: "Es wird zunächst mit völlig unrealistisch niedrigen Kosten argumentiert, die dann leider, leider aus dem Ruder laufen. Dieser Mechanismus ist seit Jahrzehnten zu beobachten und gehört offenbar zur Folklore des Bauwesens." Vor Ort versuche man, die Koalitionspartner vom Bau einer neuen Oper, eines Flughafens oder einer Autobahnerweiterung zu überzeugen. Die Kosten würden aber nie realistisch kalkuliert, meint der BDA-Pressesprecher.
Es wird zunächst mit völlig unrealistisch niedrigen Kosten argumentiert, die dann leider, leider aus dem Ruder laufen. Dieser Mechanismus [...] gehört offenbar zur Folklore des Bauwesens. Benedikt Hotze, Pressesprecher Bund deutscher Architekten
Dieses Problem scheint das Bundesbauministerium längst erkannt zu haben. Aber das sei nicht das einzige, erklärt das Pressebüro des Ministeriums gegenüber MDR AKTUELL schriftlich: "Der Bedarf ist zu Beginn nicht abschließend geklärt, Planungen werden während der Bauphase geändert oder es wird gebaut, bevor die Planung ausgereift ist. Hinzu kommen äußere Faktoren wie gestiegene Bau- und Materialpreise, knappe Kapazitäten in der Bauwirtschaft und Insolvenzen beteiligter Unternehmen. Für den Bundesbau gilt deshalb der Grundsatz: Erst planen, dann bauen."
40 Prozent aller Bundes-Bauprojekte sprengen Kostenrahmen
Allerdings zeigen Berichte des Bundesrechnungshofs und die Entwicklung verschiedener Großprojekte, dass Kostensteigerungen und Verzögerungen weiterhin auftreten. Mehr als 40 Prozent vergangener Bauprojekte des Bundes lagen laut einer Erhebung des Bauministeriums nicht annähernd im ursprünglich prognostizierten Kostenrahmen und 35 Prozent nicht annähernd im Terminrahmen.
Architekt fordert mehr Realismus bei Ausschreibungen
Frank Bornmann, Partner im bundesweit wirkenden Architekturbüro Drees und Sommer, setzt seit vielen Jahren staatliche Bauvorhaben um. Der Architekt hofft, dass vor allem jene Unternehmen Aufträge bekommen, die am realistischsten planen können. Er sagt, da könne auch die ausschreibende Stelle noch an den Standards und an der Ausschreibung arbeiten, um genau solche leistungsfähigen Unternehmen zu bekommen: "Aber Sie können sich wahrscheinlich auch vorstellen: Leistungsfähige Unternehmen, die in Digitalisierung investieren, in Ausbildung der Mitarbeiter, in hohe Arbeitsstandards, können selten die billigsten sein. Das beißt sich manchmal ein bisschen mit der Erwartungshaltung der öffentlichen Hand und den leeren Kassen."
Unternehmen, die in Digitalisierung investieren, in Ausbildung der Mitarbeiter, in hohe Arbeitsstandards, können selten die billigsten sein. Frank Bornmann, Architekt
Positivbeispiel aus Österreich
Bornmann hofft, dass Beispiele wie das Infrastruktur-Projekt Lobautunnel in Österreich ein Vorbild sein könnten. Hier arbeiten alle beteiligten Gewerke vor Ort mit gemeinsamen Daten, und es zeige sich, dass so keine Missverständnisse und offenen Fragen mehr aufkommen. Allerdings, so der Architekt, sei das bisher eher Leuchtturm-Projekt als Standard: "Im Moment ist noch eine sehr breite Spreizung da, und ich glaube, wenn wir es schaffen, diese Spreizung aneinander anzugleichen und das Ganze auch mehr zu standardisieren über Bundesländer hinweg, über Wissensträger hinweg, dann sind wir auf dem richtigen Weg, und ich sehe auch, dass dieser Weg am Horizont sich abzeichnet. Er wird nur noch nicht heute oder morgen da sein."
Aber, das Bewusstsein für realistischere Vorausplanung wachse in allen Ämtern und Ministerien, da ist sich Bormann sicher.
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Gebäudetyp E
Regierung legt Pläne für günstiges Bauen vor
Die Bundesregierung will Bauen schneller und günstiger machen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und Bauministerin Verena Hubertz haben ein Eckpunktepapier vorgelegt, das den "Gebäudetyp E" als Baustandard etabliert.