Argentinien-Legende ist tot – Streit mit deutschem WM-Schiedsrichter machte ihn weltberühmt

Stand: 12.07.2026, 00:20 Uhr

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Antonio Rattin ist tot. Der argentinische Fußball-Idol starb mit 89 Jahren. Sein Platzverweis bei der WM 1966 veränderte den Weltfußball für immer.

Buenos Aires – Ein Name, der untrennbar mit einem der kuriosesten Momente der WM-Geschichte verbunden ist: Antonio Rattin, Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft und Idol von Boca Juniors, ist am Samstag im Alter von 89 Jahren gestorben. Kurz vor Argentiniens WM-Viertelfinale gegen die Schweiz bestätigte sein ehemaliger Verein die Nachricht auf seinen Social-Media-Kanälen – und löste damit eine Welle der Trauer in ganz Argentinien aus.

Antonio Rattin ist tot.

Antonio Rattin ist tot. © Pressefoto Baumann/Imago

„Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Antonio Ubaldo Rattin, dem Idol und Aushängeschild unseres Vereins“, schrieb Boca Juniors. Der Verein, für den Rattin von 1956 bis 1970 ausschließlich spielte, trauert um eine Figur, die weit über den Fußballplatz hinaus Geschichte schrieb. In 353 Pflichtspielen gewann er mit den Blau-Gelben vier Meisterschaften und einen Landespokal – eine Bilanz, die ihn zur Vereinslegende machte.

WM 1966: Rattins Platzverweis als Geburtsstunde der Roten Karte

Was Rattin unsterblich machte, ereignete sich im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1966 in England. Die Argentinier trafen auf den Gastgeber, der das Spiel am Ende 1:0 gewann. Der Stuttgarter Schiedsrichter Rudolf Kreitlein hatte Rattin zuvor bereits mehrfach verbal verwarnt – doch die Sprachbarriere machte jede Kommunikation unmöglich, da Kreitlein kein Spanisch sprach. Als Rattin den Unparteiischen erneut beschimpfte, verwies dieser ihn des Feldes.

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Rattin forderte einen Dolmetscher und weigerte sich minutenlang, das Spielfeld zu verlassen. Am Ende mussten englische Polizisten eingreifen. Beim Verlassen des Rasens zerknüllte Rattin eine englische Fahne – und setzte sich demonstrativ auf den roten Teppich, der für die Königin ausgelegt war. Die FIFA zog aus dem Chaos ihre Konsequenzen: Als direkte Folge dieser Szene führte der Weltverband die Gelbe und die Rote Karte ein. Rattin hatte, ohne es zu wollen, das Regelwerk des Weltfußballs verändert.

Für die argentinische Nationalmannschaft lief Rattin insgesamt 34 Mal auf und nahm an zwei Weltmeisterschaften teil – 1962 in Chile und 1966 in England, wo er als Kapitän fungierte. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er als Trainer, unter anderem bei Boca Juniors, und engagierte sich in der Politik. Von 2001 bis 2005 saß er als Abgeordneter einer kleinen konservativen Partei in der argentinischen Abgeordnetenkammer.

Was die meisten Nachrufe kaum beleuchten: Rattin war der erste Fußballer, der jemals in den argentinischen Kongress einzog – ein Kapitel seines Lebens, das in der öffentlichen Erinnerung fast vollständig hinter dem WM-Eklat von 1966 verschwunden ist. Dabei zeigt es, wie vielschichtig diese Persönlichkeit war, die den Fußball prägte und danach noch einmal eine neue Bühne suchte.

Rattin starb an einem Samstag – ausgerechnet an dem Tag, an dem Argentinien beim laufenden WM-Turnier 2026 auf der Weltbühne im WM-Viertelfinale gegen die Schweiz steht. Der Tod des Mannes, der einst das Regelwerk des Weltfußballs erzwang, fiel damit in eine Stunde, in der sein Land wieder um WM-Ruhm kämpft. Ein Zufall, der kaum symbolträchtiger sein könnte. (ck)