Ärzte erklären Frauenleiden häufiger für „Kopfsache“ – Studie zeigt erschreckende Zahlen

Ärzte erklären gesundheitliche Beschwerden bei Frauen häufiger für „reine Kopfsache“

Stand: 13.10.2026, 17:15 Uhr

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Patientinnen mit Autoimmunerkrankungen erhalten laut einer Studie mit einer um 74 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit fälschlicherweise eine psychosomatische Diagnose.

München – Ärzte tun die Symptome von Frauen häufiger als „reine Kopfsache“ ab als die von männlichen Patienten, wie eine Untersuchung zeigt. Frauen mit Autoimmunerkrankungen berichteten mit einer um 74 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als Männer, dass ihre Symptome fälschlicherweise psychosomatischen Ursachen zugeschrieben worden seien.

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Dieser Artikel von Laura Donnelly entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk

Den Daten zufolge erhielten sie zudem mit einer um fast 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit fälschlicherweise eine Diagnose psychischer Probleme wie Stress oder Angstzustände statt körperlicher Erkrankungen. Die Forschenden warnten, dass historische Vorurteile gegenüber Frauen fortbestünden.

Patientinnen mit Autoimmunerkrankungen erhalten laut einer Studie mit einer um 74 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit fälschlicherweise eine psychosomatische Diagnose. (Symbolbild)

Patientinnen mit Autoimmunerkrankungen erhalten laut einer Studie mit einer um 74 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit fälschlicherweise eine psychosomatische Diagnose. (Symbolbild) © IMAGO / Panthermedia

Überholte Vorstellungen von weiblicher „Hysterie“ gäben Anlass zur Sorge darüber, wie Ärzte auf Symptome reagierten. An der von den Universitäten Cambridge und East Anglia geleiteten Studie nahmen mehr als 6.600 Menschen mit Autoimmunerkrankungen teil, überwiegend aus Großbritannien.

Autoimmunerkrankungen: Frauen deutlich häufiger von Fehldiagnosen betroffen

Solche Erkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem irrtümlich den eigenen Körper angreift und dadurch Symptome wie Erschöpfung, Muskelschmerzen und Hautausschläge verursacht.

Die Forschenden stellten fest, dass 33,9 Prozent der Frauen von einer fälschlicherweise gestellten psychosomatischen Diagnose berichteten, verglichen mit 21,5 Prozent der Männer. Eine psychiatrische Fehldiagnose gaben dagegen 43,3 Prozent der Frauen und 32,7 Prozent der Männer an.

Frauen mussten zudem länger auf eine Diagnose warten, während bei Männern etwas häufiger fälschlicherweise eine andere körperliche Erkrankung diagnostiziert wurde.

Frauen gelten als „weniger glaubwürdig“

Die Studie, die in der zur Publikationsgruppe von The Lancet gehörenden Fachzeitschrift eClinicalMedicine veröffentlicht wurde, entstand als Reaktion auf eine Frage von The Telegraph zu früheren Untersuchungen über Fehldiagnosen bei Autoimmunerkrankungen.

Dr. Melanie Sloan, Forscherin an der Universität Cambridge, sagte, die Ergebnisse „verdeutlichen, dass psychologische Erklärungen oder Erklärungen im Bereich der psychischen Gesundheit zu früh herangezogen werden können“.

„Das gilt für beide Geschlechter, aber unsere Studie legt nahe, dass Frauen für diese Arten von Fehldiagnosen besonders anfällig sein könnten“, sagte sie. Die Forschenden erklärten: „Historische Vorurteile in der Medizin könnten fortbestehen, darunter die Vorstellung, Frauen seien weniger glaubwürdig als Männer und schilderten ihre Symptome auf ‚emotionale‘ Weise.“

Kate Middleton: Steckt Frauenfeindlichkeit in der Medizin dahinter?

Sie verwiesen außerdem auf die historisch geringere Finanzierung der Forschung zur Frauengesundheit und die Unterrepräsentation der weiblichen Anatomie in präklinischen Studien.

Kate Middleton, Geschäftsführerin der Wohltätigkeitsorganisation The Wren Project, die Menschen mit Autoimmunerkrankungen unterstützt, fragte, ob Frauenfeindlichkeit in der Medizin hinter den Ergebnissen stecke.

Sie sagte: „Ist es Frauenfeindlichkeit? Ähneln die Symptome von Autoimmunerkrankungen zu sehr Regelschmerzen, Wachstumsschmerzen, weiblichen Schmerzen? Beschweren wir uns weniger, spielen wir die Schmerzen herunter, damit wir kein Aufhebens darum machen?“

Warnungen vor Frauenfeindlichkeit im Gesundheitswesen

Im vergangenen Jahr verurteilte Wes Streeting, der damalige Gesundheitsminister, „Frauenfeindlichkeit in der Medizin“ und „alltäglichen Sexismus“ im staatlichen Gesundheitsdienst NHS. Er warnte, dass zu viele Frauen ignoriert und abgewiesen würden und ihnen nicht geglaubt werde. Im Rahmen eines landesweiten Modellversuchs drohte er Krankenhäusern, die schlechte Rückmeldungen von Patientinnen erhielten, finanzielle Sanktionen an.

Eine YouGov-Umfrage unter fast 5.000 Erwachsenen ergab Anfang dieses Jahres, dass 70 Prozent der Frauen angaben, Hausärzte hätten ihre Anliegen nicht ernst genommen, verglichen mit 52 Prozent der Männer. Untersuchungen zu Skandalen in der Geburtshilfe warnten ebenfalls vor vermeidbaren Schäden, die dadurch entstanden seien, dass Frauen „nicht zugehört wurde, sie kein Gehör fanden oder ihnen nicht geglaubt wurde“.

Patientinnen kämpfen darum, dass ihnen geglaubt wird

Shaista Tayabali, Mitautorin der Studie, sagte: „Obwohl Bezeichnungen wie Hysterie überholt sind und heutzutage glücklicherweise nur noch selten verwendet werden, haben wir es als Frauen oft noch immer schwerer, dass man uns unsere Symptome glaubt und sie deshalb angemessen behandelt.“

Middleton, die an Lupus erkrankt ist, schilderte, wie sie daran zu zweifeln begann, ob sie sich ihre Krankheit nur einbilde, weil ihr wiederholt nicht geglaubt worden sei. Sie sagte, Patienten, die sich an ihre Wohltätigkeitsorganisation wendeten, berichteten häufig davon, dass sie darum kämpften, dass ihnen geglaubt werde.

„Jeder Patient hat eine Geschichte – sie beginnt immer mit: ‚Mir wurde nicht geglaubt.‘ ‚Ich habe für meine Diagnose gekämpft.‘ ‚Sie hielten mich für verrückt – dadurch dachte ich selbst, ich sei verrückt.‘“ Die Ergebnisse beruhten auf den von Patienten geschilderten Erfahrungen und belegten nicht, ob falsche Diagnosen auf Vorurteile zurückzuführen waren.

Psychische und autoimmune Erkrankungen können gemeinsam auftreten

Prof. David D’Cruz, Facharzt für Rheumatologie am Guy’s Hospital, sagte: „Es geht hier nicht darum, zu behaupten, eine psychiatrische Diagnose sei niemals richtig. Menschen können sowohl Autoimmunerkrankungen als auch psychiatrische Erkrankungen haben, und es wird zunehmend verstanden, dass psychiatrische Symptome Teil einer Autoimmunerkrankung sein können, insbesondere bei Krankheiten wie Lupus, die das Gehirn direkt beeinträchtigen können.“

„Sie können auch eine ganz natürliche Reaktion auf ein Leben mit Erkrankungen sein, die das Leben grundlegend verändern. Die wichtige Botschaft lautet: Wenn Symptome anhalten, sich verändern oder mehrere Organsysteme betreffen, müssen Ärzte unvoreingenommen bleiben und in Betracht ziehen, ob eine bislang unerkannte Autoimmunerkrankung zugrunde liegt – und den Patienten zuhören.“