Stand: 28.07.2026, 20:00 Uhr
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Neue Teleskopaufnahmen liefern den bislang stärksten Hinweis auf einen Begleiter von Beteigeuze mit bis zu drei Sonnenmassen.
München – Beteigeuze ist kein Stern wie jeder andere. Der Rote Überriese gehört zu den bekanntesten Lichtpunkten am Nachthimmel und wird eines Tages als Supernova explodieren. Nun deutet eine außergewöhnlich scharfe Aufnahme darauf hin, dass er einen bislang verborgenen Begleiter besitzt – einen Stern mit bis zu drei Sonnenmassen.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS
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Damit könnte eine Suche enden, die Astronomen seit rund 100 Jahren beschäftigt. Ganz sicher ist die Entdeckung noch nicht. Die Europäische Südsternwarte ESO spricht vom bislang stärksten Hinweis auf Beteigeuze B.

Eine weitere Aufnahme soll den Lichtpunkt in etwa einem Jahr auf der gegenüberliegenden Seite des Roten Überriesen zeigen. Für den französischen Astronomen Miguel Montargès bleibt schon jetzt „nur sehr wenig Raum für Zweifel“.
Beteigeuze-Begleiter taucht deutlich auf VLT-Aufnahme auf
Montargès und sein Team beobachteten Beteigeuze im Dezember 2024 mit dem Very Large Telescope der ESO in Chile. Das Instrument SPHERE trennte das schwache Licht des möglichen Begleiters vom grellen Schein des Überriesen. Anschließend werteten die Astronomen die Daten mehrere Monate lang aus.
Die Aufnahme zeigt den Kandidaten so scharf wie nie zuvor. Sein eigenes Licht ließ sich direkt erfassen. „Ich bin von meinem Stuhl aufgesprungen, als ich die prozessierten Bilder sah“, sagt Montargès. Er hatte zunächst bezweifelt, dass die Empfindlichkeit des Instruments für den Nachweis reichen würde.
Moderne Technik macht den schwachen Stern sichtbar
SPHERE entstand ursprünglich für die Suche nach Exoplaneten. Solche Instrumente blenden das starke Licht eines Sterns möglichst weit aus. Erst dadurch treten sehr lichtschwache Objekte in seiner direkten Umgebung hervor. Bei Beteigeuze erschwert der enorme Helligkeitsunterschied jede Beobachtung zusätzlich.
Frühere Messungen hatten bereits auf einen Begleiter hingedeutet. Auch das Gemini-Nord-Teleskop auf Hawaii lieferte einen möglichen direkten Nachweis. Die neuen VLT-Daten gelten jedoch als wesentlich aussagekräftiger. Arbeiten aus dem Jahr 2024 hatten zudem vorausgesagt, wann Beteigeuze B besonders weit von seinem Hauptstern entfernt erscheinen würde.
Den Berechnungen zufolge erreichte der Begleiter im Dezember 2024 seinen größten sichtbaren Abstand zu Beteigeuze. Das Team nutzte dieses kurze Beobachtungsfenster gezielt. Montargès bezeichnet die Aufnahme deshalb als „Abschluss einer jahrhundertelangen Suche“.
Begleiter fällt massereicher aus als erwartet
Überrascht hat die Astronomen vor allem die Masse des Kandidaten. Frühere Schätzungen gingen ungefähr von einer Sonnenmasse aus. Nach den neuen Beobachtungen besitzt Beteigeuze B vermutlich die zwei- bis dreifache Masse unserer Sonne. Damit wäre er selbst ein großer und heller Stern. Neben Beteigeuze erscheint er dennoch beinahe unsichtbar.
„Die Tatsache, dass wir um einen so gut erforschten Stern immer noch einen nahen Begleiter entdecken können, der massereicher und heller als die Sonne ist, ist bemerkenswert“, sagt Montargès. Beteigeuze gehört zu den auffälligsten Sternen am Nachthimmel und lässt sich ohne Teleskop erkennen.
Zweiter Stern könnte die Helligkeit von Beteigeuze beeinflussen
Seine rote Farbe stammt von der vergleichsweise kühlen Oberfläche. Zugleich besitzt der Überriese gewaltige Ausmaße und befindet sich in einer späten Entwicklungsphase. Seine Helligkeit schwankt regelmäßig. Der lange vermutete Begleiter sollte einen Teil dieser Veränderungen erklären.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt Beteigeuze ab Ende 2019. Der Stern verlor damals ungewöhnlich stark an Helligkeit. Einige Beobachter vermuteten bereits eine unmittelbar bevorstehende Supernova. Spätere VLT-Aufnahmen führten die Verdunkelung jedoch auf eine Staubwolke vor dem Stern zurück.
Beteigeuze wird sein Leben dennoch eines Tages in einer Supernova beenden. Wann diese Explosion stattfindet, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. „Die Frage ist nun völlig offen, ob dieser Begleiter einen Einfluss auf die Entwicklung des Roten Überriesen haben wird“, sagt Montargès.
Neue Aufnahme soll letzte Zweifel ausräumen
Eine Kontrollbeobachtung dürfte entscheidend werden. Bewegt sich der Lichtpunkt wie berechnet auf die andere Seite von Beteigeuze, lässt er sich eindeutig als umlaufender Stern identifizieren. Ein zufälliges Objekt im Hintergrund würde diese Bewegung nicht mitmachen.
Beteigeuze B könnte damit bald als fester Bestandteil des Systems gelten. Zugleich müssten Astronomen neu berechnen, wie sich beide Sterne gegenseitig beeinflussen. Dazu gehören die Helligkeitsschwankungen, der Masseverlust des Überriesen und möglicherweise auch sein späteres Ende als Supernova.
Kurz zusammengefasst:
- Astronomen haben mit dem Very Large Telescope den bislang stärksten Hinweis auf einen Begleiter von Beteigeuze gefunden.
- Beteigeuze B besitzt vermutlich die zwei- bis dreifache Masse der Sonne, seine Existenz muss aber noch bestätigt werden.
- Der Begleiter könnte Helligkeitsschwankungen erklären und die weitere Entwicklung des Roten Überriesen beeinflussen.