Balenciagas bitterer Ballverlust: MT Melsungen schenkt Ball zum 32:33 her

Stand: 11.10.2026, 19:29 Uhr

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Die MT im Angriff: Reynir Thor Stefansson (links) will sich gegen Maciej Gebala durchsetzen. Rechts: Johannes Golla. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Ardan Fuessman/IMAGO/Eibner

Die MT Melsungen verliert beim HC Erlangen, nachdem Simic einen Siebenmeter in der Schlussminute gehalten hat. Sekunden später klaut Nissen Balenciaga den Ball und trifft ins leere Tor.

Stell dir Folgendes vor: Du bekommst 25 Sekunden vor Schluss beim Stand von 32:32 einen Siebenmeter gegen dich – und dein Torwart hält den Strafwurf in Perfektion. Und du hast die Möglichkeit, die Partie sogar noch zu gewinnen. Doch dann schenkst du Sekunden vor Ende den Ball her und musst noch einen Wurf ins eigene verwaiste Tor zum 32:33 (16:18) hinnehmen.

Was fast unglaublich klingt, passierte am Sonntagabend dem Handball-Bundesligisten MT Melsungen in Nürnberg. Der kapitale Fehler unterlief Spielmacher Erik Balenciaga. Marek Nissen knöpfte dem Spanier den Ball ab – und weil die Nordhessen den siebten Feldspieler einsetzten, war der Kasten des Gegners leer. Das bestrafte der HCE-Angreifer mit einem Wurf aus der eigenen Hälfte. Die Niederlage trifft die MT schwer im Kampf um die vorderen Plätze.

MT Melsungen Erik BalenciagaHandball Bundesliga 2026/2027Porträt, Portrait, KopfbildFoto: Andreas Fischer

MT Melsungens Spielmacher: Erik Balenciaga. © Fischer, Andreas/Andreas Fischer

Melsungens Trainer Roberto Garcia Parrondo nahm gegen Erlangen den Linksaußen Dariel Garcia ins Aufgebot – anstelle des Schweizers Luca Sigrist. Beim 28:23 am Donnerstag gegen Nantes hatte der Kubaner die Zuschauerrolle bekommen. Diesmal gehörte er sogar der Startsieben an und setzte direkt einige Akzente. Bei den Franken fehlte zwar der starke Torwart Rubens Pierre, dafür stand Andri Mar Runarsson erstmals wieder im Kader.

Das erste Tor des Nachmittags warf Melsungens Mittelmann Olle Forsell Schefvert. Das 2:1 gelang Reynir Thor Stefansson (4.). Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem zunächst beide Teams ihre Qualitäten in der Offensive zeigten: Treffer hier, Treffer da. In der zehnten Minute legte Nikolaj Enderleit für Rechtsaußen Leon Stehl ab, der zum 6:5 erfolgreich war. Auch auf der anderen Außenbahn klappte es: mit Toren von Garcia und David Mandic. So ging der Gast erstmals mit drei Toren Abstand in Führung (16.). Dazu hatte auch Schlussmann Nebojsa Simic mit der einen oder anderen Parade beigetragen. Großes Kino war seine Rettungstat gegen Tobias Buck.

Auf der Gegenseite wartete die Mannschaft von Coach Johannes Sellin in Abwesenheit von Rubens Pierre lange auf eine gute Aktion des Torhüters. In den ersten 20 Minuten hielt weder Khalifa Ghebane noch Tin Herceg einen Ball. Aber auch die Deckung der Gastgeber wirkte bis zur ersten Auszeit von Sellin nicht kompakt.

Danach wurde der HCE stärker – und zwang mit mehr Aggressivität die MT zu technischen Fehlern. Die Folge: Aus einer 13:10-Führung wurde ein 13:14-Rückstand. Die Melsunger gingen über ins Sieben-gegen-sechs. Dennoch stand es eineinhalb Minuten vor der Pause 15:17 aus MT-Sicht. Durch einige Schwächen machte es der Champions-League-Vertreter dem Kontrahenten in der PSD Bank Arena in Nürnberg leicht. Fast wäre es nach der ersten Hälfte sogar ein Drei-Tore-Rückstand gewesen. In der letzten Sekunde nahm Simic allerdings einen Siebenmeter des Isländers Viggo Kristjansson weg.

Durchgang zwei ging für die MT mit einem Tor von Balenciaga und einer Parade Simics vielversprechend los. Den 18:18-Ausgleich besorgte Johannes Golla. Der Zwischenstand gab den Gästen aber nicht die nötigeSicherheit. Es kam, wie es kommen musste: Erlangen erarbeitete sich dank des starken Sander Överjordet eine 24:20-Führung (42.). Drei Tage vor dem wichtigen Königsklassen-Auftritt beim HBC Nantes wurde den Nordhessen nichts geschenkt.

Es ging jetzt vor allem um Kampf und Leidenschaft. Melsungen gab eine gute Antwort – mit Toren von Florian Drosten, Golla, David Mandic und Stehl (24:24). Stefansson brachte die Gäste sogar mit 28:26 in Front (49.). Nach dem 28:28 von Marek Nissen reklamierten die MT-Verantwortlichen ein Foulspiel von Kristjansson gegen Adrian Sipos. Zwar schauten sich die Unparteiischen die Szene im Video an, ahndeten das Einsteigen des Erlangers aber nicht.

Handball-Krimi am Sonntag – und die MT in Nöten, nachdem Maxsim Lochman auf 32:31 für den HCE gestellt hatte (58.). Die Nordhessen antworteten mit einem Gewaltwurf von Enderleit (32:32). In der Schlussminute parierte Simic exzellent den Siebenmeter von Kristjansson. Doch die daraus resultierende Chance vergab Melsungen unfassbar leichtfertig. (Björn Mahr)