Stand: 16.08.2026, 06:00 Uhr
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In Kassel laufen derzeit Bauprojekte auf der Korbacher Straße, Leuschnerstraße, Frankfurter Straße und Kohlenstraße parallel. Teile der Infrastruktur sind in einem Zustand, der weiteres Aufschieben verbietet.
Kassel – Zahlreiche Baustellen fordern aktuell die Geduld vieler Autofahrer. Die für die Arbeiten eingerichteten Sperrungen führen oftmals auf den Umleitungsstrecken zu Stau. Anwohner fragen sich, ob es notwendig ist, die Baustellen zeitgleich einzurichten. Insbesondere der Lkw-Brand vor zehn Tagen auf der A 44 hat die Problematik zuletzt noch einmal verdeutlicht. Auf Anfrage der HNA äußert sich jetzt die Stadt zu einigen Punkten. Das Thema in Fragen und Antworten.
Es gibt viel Kritik nach der Sperrung der A44 und den damit verbundenen Automassen in der Stadt. Wie lässt sich dieses Problem in Zukunft vermeiden?
Der Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger über akute Verkehrsbelastungen, die durch unvorhersehbare schwere Unfälle auf der A 44 entstehen, ist nachvollziehbar, heißt es von der Stadt Kassel. Das führe zu Ausweichverkehr, der aber zeitlich begrenzt sei. In solchen Ausnahmesituationen könne nur darauf gesetzt werden, dass die Unfallstelle schnellstmöglich geräumt und Schäden an der Fahrbahn zügig behoben werden, so die Stadt.
Wo führt die offizielle Umleitung lang, wenn die A 44 im Bereich Wilhelmshöhe gesperrt ist?
Wenn die A 44 zwischen der Anschlussstelle Bad Wilhelmshöhe und Kreuz Kassel-West gesperrt ist, verläuft die sogenannte Bedarfsumleitung U 79 über Baunatal zur Anschlussstelle Baunatal-Mitte.
Gibt es in diesem Jahr besonders viele Straßenbauprojekte, die vor dem nächsten documenta-Sommer noch fertig werden müssen?
Unabhängig von der documenta hat sich die Anzahl der Baustellen im Stadtgebiet deutlich erhöht, heißt es von der Stadt Kassel. Ein Grund ist die „notwendige Erneuerung der Vor- und Nachkriegsinfrastruktur“. Gleichzeitig sorgen aber auch gesellschaftliche Entwicklungen dafür, dass Arbeiten notwendig werden. Als Beispiel nennt die Stadt Kassel den Glasfaserausbau, die Verlegung von Fernwärme und Arbeiten, die die Stadtgestaltung betreffen.
Warum hat die Stadt Kassel entschieden, zeitgleich teils mehrmonatige Bauprojekte mit Sperrungen auf der Korbacher Straße, Leuschnerstraße, Frankfurter Straße und Kohlenstraße einzurichten?
Teile der Infrastruktur (Straßen, Brücken, Kanäle, Leitungen) sind inzwischen in einem Zustand, der das weitere Aufschieben von Sanierungs- bzw. Neubaumaßnahmen faktisch verbietet, erläutert ein Stadtsprecher. Die jeweiligen Verkehrsführungen würden bestmöglich aufeinander abgestimmt, allerdings könnten Einschränkungen nicht gänzlich vermieden werden.
Was kann die Stadt dagegen tun, dass die Korbacher Straße von zu vielen Autofahrern als Umleitungsstrecke genutzt wird?
Auf diese Frage wiederholt die Stadt erneut, dass die Umleitung während der Sperrung der Leuschnerstraße über die Heinrich-Schütz-Allee, Oberzwehrener Straße, Altenbaunaer Straße, Frankfurter Straße verläuft. Autofahrer seien nicht gezwungen, die ausgewiesene Umleitung zu befahren, heißt es von der Stadt. Eine Nutzung der Korbacher Straße könne daher nicht gänzlich verhindert werden. Die Nachfrage, wie die Stadt Kassel den Vorschlag von Ortsbeirat und Anwohnern bewertet, die Korbacher Straße für Lastwagen über 7,5 Tonnen zu sperren, blieb von der Stadt Kassel unbeantwortet.
War von Beginn an vorgesehen, dass die Baustelle auf der Kohlenstraße erst Ende des Jahres in den Bereich oberhalb der Wittrockstraße rückt?
Die Arbeiten an der Kohlenstraße verlaufen laut der Stadt Kassel nach Plan. Der erste Bauabschnitt konnte, wie geplant, vor der Wehlheider Kirmes beendet werden, heißt es. Bis Mitte November soll der zweite Bauabschnitt zwischen Friedenstraße und Wittrockstraße beendet werden. Abschließend folgt laut der Stadt der dritte Bauabschnitt zwischen Wittrockstraße und Kohlenstraße 63.
Hat die Hitze verzögernden Einfluss auf die Baumaßnahmen?
Von hitzebedingten Personalausfällen oder Problemen der Unternehmen ist nichts bekannt.
Stadtklimarätin sieht Baustellen als Zeichen, dass die Stadt investiert
„Ich habe Verständnis dafür, dass viele Menschen Baustellen als lästig empfinden. Baustellen sind mit Belastungen, Beeinträchtigungen und Umwegen verbunden, die von uns allen Geduld abverlangen. Dafür bitte ich um Verständnis“, teilt Stadtklimarätin Simone Fedderke auf Nachfrage mit. Sie betont aber auch, dass die Baustellen ein sichtbares Zeichen dafür seien, dass die Stadt investiert und ihre Infrastruktur nicht verfallen lässt.
Es sei aus ihrer Sicht nicht möglich, sämtliche größeren Baustellen nacheinander abzuwickeln. An zahlreichen Stellen würden Maßnahmen zum Erhalt der Infrastruktur (Wasser-/Abwasser, Telekommunikation, Gas, Strom, Fernwärme, Straßen) umgesetzt – durch die Stadt, die Städtischen Werke, Kasselwasser oder etwa Firmen im Auftrag von Glasfaseranbietern. Daneben gebe es zahlreiche Bauvorhaben auf Privatgrundstücken, die eine straßenbehördliche Anordnung notwendig machen. Beispielsweise sei durch ein Baugerüst mitunter eine Sperrung eines Gehwegs oder eines Teils der Fahrbahn notwendig.
Fedderke betont: „Wenn wir Sanierung und Erneuerung der Infrastruktur aufschieben, lassen wir zu, dass Straßen und Leitungen weiter verschleißen und dass wir später mit höheren Baupreisen konfrontiert sind.“ Sanierungen auf die lange Bank zu schieben, sei deshalb aus ihrer Sicht keine gute Strategie, wenn man sich vor Augen führe, dass die Baupreise im Straßenbau in den vergangenen fünf Jahren um ca. 43 Prozent gestiegen seien. Auch wenn die Belastung durch eine Baustelle nerve. Sie sei zeitlich begrenzt. Und der Nutzen der neuen Straßen und Leitungen bleibe für viele Jahre bestehen.