Stand: 16.10.2026, 06:30 Uhr
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Das Finanzamt Sulingen bearbeitet Steuererklärungen in allen Bereichen langsamer als der Landesdurchschnitt. Warum sich fast 5.000 Fälle aufgestaut haben, erklärt die vorgesetzte Behörde.
Landkreis Diepholz – Die Eröffnung einer Boutique in Barnstorf sollte eigentlich Mitte September über die Bühne gehen. Doch nichts dergleichen geschieht. Im Gegenteil, die Feier ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Begründung: Es fehlen Unterlagen vom zuständigen Finanzamt in Sulingen. So geht die Erzählung beziehungsweise das Gerücht, das die Mediengruppe Kreiszeitung erreicht hat. Mehr als ein Gerücht scheint es indes nicht zu sein. Das zumindest ergeben Nachfragen bei Barnstorfs Samtgemeindebürgermeister Alexander Grimm und Constantin von Kuczkowski, Leiter der Geschäftsstelle für den Landkreis Diepholz der Industrie- und Handelskammer Hannover.
Finanzamt Sulingen braucht länger: Mehr als vier Tage längere Bearbeitungszeit als im Landesschnitt
Recherche beendet, könnte es jetzt heißen. Doch dem ist nicht so, denn gesprochen wird über das Sulinger Amt trotzdem. Der Grund: Die Steuerzahler dort müssen auf die Bearbeitung ihrer Steuern länger warten als im Landesdurchschnitt. Dies bestätigt ein Sprecher des zuständigen Landesamtes für Steuern. Es ist die den Finanzämtern vorgesetzte Behörde. Darüber steht nur noch das Niedersächsische Finanzministerium.
Nach Angaben des Landesamtes seien die sogenannten Durchlaufzeiten, also der Zeitraum von der Abgabe der Unterlagen bis zum Bescheid, „in allen Bereichen des Finanzamtes Sulingen höher als im Landesdurchschnitt“. So müssen Arbeitnehmer für den Veranlagungszeitraum 2025 durchschnittlich 43,3 Tage auf Post ihrer Behörde warten. Der Landesdurchschnitt liegt laut Landesamt bei 38,9 Tagen. Für die Gruppe der sonstigen natürlichen Personen, zu denen unter anderem Freiberufler gehören, benötigt das Finanzamt Sulingen durchschnittlich 45,8 Tage. Die Kollegen im Land kommen mit 41,5 Tagen aus.
Besonders groß ist der Unterschied zwischen Sulingen und Land für den Bereich „Feststellungen Veranlagungszeitraum“, bei dem es zum Beispiel um die Gewinne und Verluste von Personengesellschaften geht, die auf die einzelnen Gesellschafter verteilt werden. Während die Bearbeitung im Landesdurchschnitt 43 Tage dauert, benötigen die Sulinger Finanzamts-Mitarbeiter 60,8 Tage. Sie hängen fast genauso weit in der Gruppe „Steuerliche Körperschaften“ hinterher: 60,4 Tage. Zum Vergleich: Hier liegt der Landesdurchschnitt bei 38,4 Tagen.
Gegenpol Finanzamt Syke: Schneller in der Bearbeitung als der Landesschnitt
Zum Vergleich: Das für den Nordkreis zuständige Finanzamt Syke benötigt für die Bearbeitung der Arbeitnehmer-Steuererklärungen 2025 durchschnittlich 34,3 Tage. Damit sind die Syker mehr als vier Tage schneller als ihre Kollegen im Land. Dafür sind sie im Bereich „Sonstige natürliche Personen“ mit 62,4 Tagen deutlich langsamer als der Landesdurchschnitt. Bei den sogenannten „Feststellungen“ kommt das Amt auf 44 und bei den „Steuerpflichtigen Körperschaften“ auf 41,2 Tage. Für den Zeitraum 2023 bis 2025 schiebt das Nordkreis-Finanzamt 3.484 unbearbeitete Fälle vor sich her.
Als Gründe für die teils erheblichen Rückstände nennt der Landesamtssprecher eine ganze Reihe von Gründen, unter anderem Personalausfälle, Altersabgänge, viele Auszubildende, Rückfragen bei Steuerpflichtigen und Publikumsverkehr. Und dann sind da noch die Spätfolgen der Coronapandemie. Damals eingeführte Fristverlängerungen zum Beispiel für die Einkommensteuererklärung gelten nicht mehr. Dies habe zu „einer Zusammenballung der Erklärungseingänge“ geführt. Alles in allem schoben die Sulinger Beamten zum 1. Oktober genau 4.923 Fälle vor sich her. Das Landesamt für Steuern setzt auf eingeleitete Verbesserungen, um die Bearbeitungszeiten zu verkürzen. Gleichwohl stünden die Ämter vor großen Herausforderungen.
Das jedoch kann der Bund der Steuerzahler (BdST) Niedersachsen und Bremen nicht feststellen. „Unser jährlicher Bearbeitungscheck zeigt leider, dass sich die positive Entwicklung zuletzt nicht fortgesetzt hat: In den meisten Bundesländern sind die Bearbeitungszeiten sogar wieder gestiegen“, sagt Vorstandsmitglied Jan Vermöhlen. „Bei Arbeitnehmerfällen sollten im Durchschnitt weniger als 40 Tage, bei Selbstständigen und Unternehmern weniger als 50 Tage das Ziel sein.“ Vermöhlen nennt drei Stellschrauben für eine schnellere Bearbeitung. Dies sind „ein einfacheres Steuerrecht, mehr durchgängige Digitalisierung und eine stärkere Automatisierung von Routinefällen“.
Ob die langen Bearbeitungszeiten des Sulinger Finanzamtes Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft haben, kann nicht festgestellt werden. Klar ist aus Sicht des BdST grundsätzlich: Ein Steuerbescheid schaffe Planungssicherheit, etwa für anstehende Vorauszahlungen oder Erstattungen.