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Immer wieder muss sich die Königswitwe die Tränen aus den Augen wischen. Sonja ist im Osloer Dom bei den bewegenden Worten, die von der Kanzel ertönen, zu Herzen gerührt. In der Hauptstadt nahmen die Norweger am Mittwoch Abschied von König Harald V. Kurz nach 12 Uhr setzte sich die Prozession vom Königsschloss in Richtung Dom in Bewegung. Ab 13 Uhr startete dann der Trauergottesdienst für den beliebten Monarchen. Gegen 14.30 Uhr ist König Harald V. nach einem Trauerzug durch Oslo an seiner letzten Ruhestätte angekommen. Der Sarg mit dem Leichnam des Monarchen wird im königlichen Mausoleum in der Festung Akershus beigesetzt.

Keine turmhohen Kränze, keine ausufernden Gestecke: Vor dem Sarg des beliebten Monarchen sind vor allem zwei schlichte Kränze zu sehen. „Danke für ein schönes Leben“ – das hat die Altkönigin ihrem Ehemann zum Abschied als Gruß mitgegeben. Und auf dem Kranz vom Rest der Familie steht einfach nur „Takk“, „Danke“.
Immer wieder ist es ganz still im Dom, so still, dass man sie fast hören kann. Die dezenten Worte, die dann folgen, über Liebe und Dankbarkeit, gehen direkt ans Herz. Auch Mette-Marit, die neue Königin, kämpft mit den Tränen. Als die Gefühle zu stark zu werden scheinen, senkt sie den Kopf, und der übergroße Hut bedeckt ihr Gesicht. Lange wurde sie öffentlich nicht gesichtet. Noch am Tag des Amtsseids, am 1. September, war sie zu krank, um ihren Ehemann, König Haakon, an diesem historischen Tag zu begleiten.
Trauer um König Harald: Norweger erweisen ihm letzte Ehre
Bis zum Tag der Trauerfeier von Harald war noch nicht wirklich klar, ob sie nach der Lungentransplantation im Juni nun wirklich stark genug ist, um an der Zeremonie teilzunehmen. Zwar konnte sie nicht an der Prozession der Familie teilnehmen, die den Sarg vom Schloss zum Dom begleitete. Sie fuhr zusammen mit Königin Sonja in der Limousine. Auf dem Weg vom Wagen in den Dom fing die Kamera die neue Königin ein, der man nicht ansah, dass sie so eine schwere Operation hinter sich hat.
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Bevor der Sarg im Dom von Oslo ankam, wurde er auf einer sogenannten Artillerielafette, einem fahrbaren Gestell des Militärs, durch die Innenstadt gezogen. Zahlreiche Soldaten in Gardeuniformen begleiteten den Zug, zu Fuß und zu Pferde. Die rund 1,2 Kilometer lange Strecke zum Dom war von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern gesäumt.
Royals und Staatsoberhäupter aus aller Welt reisten zur Beerdigung an
Direkt hinter dem Sarg gingen Haralds Sohn und Nachfolger, König Haakon VIII., sowie dessen Kinder Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus. Auch Prinzessin Märtha Louise schritt mit der Familie hinter dem Sarg ihres Vaters. Ebenso darf Haralds 29-jähriger Stiefenkel Marius Borg Høiby trotz seiner aktuellen Untersuchungshaft mit Fußfessel auf Gut Skaugum an der Beisetzung teilnehmen. Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung war wegen Vergewaltigung verurteilt worden, bekam jedoch die Erlaubnis, an der Trauerfeier teilzunehmen.

Marius Borg Høiby (l.) trifft zur Trauerfeier für Norwegens König Harald V. in der Osloer Kathedrale ein.© Markus Schreiber/AP/dpa | Markus Schreiber
Auch zahlreiche internationale Staatsgäste waren nach Oslo gereist. Unter ihnen waren der britische Thronfolger Prinz William, das niederländische Königspaar, Mitglieder der schwedischen und dänischen Königsfamilien sowie das spanische Königspaar. Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Ebenfalls nahm der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an den Trauerfeierlichkeiten teil. Staats- und Regierungschefs aus Finnland, Frankreich und Thailand waren ebenfalls unter den Gästen.
„Man sieht, wie sehr die Leute ihn gemocht haben“
Wie eng die norwegische Bevölkerung ihrem verstorbenen König verbunden war, erlebte auch eine deutsche Touristin in Oslo. Julia Knoll aus Kleve am Niederrhein war eigentlich gemeinsam mit ihrer Familie auf einer Skandinavienreise unterwegs. Nach Haralds Tod entschied sich die 38-Jährige für einen Zwischenstopp in Oslo.

Der britische Thronfolger Prinz William bei der Beerdigung von König Harald V. von Norwegen.© AFP | NICOLAS TUCAT
„Man sieht einfach, wie sehr die Leute ihn gemocht haben, geschätzt haben, und wie greifbar die ganze Monarchie einfach ist“, sagte Knoll der Deutschen Presse-Agentur. Sie bezeichnet sich selbst als kleinen Adelsfan. Überall in der Stadt habe sie Zeichen der Trauer gesehen: Fotos des Königs, Blumen und von Kindern gemalte Bilder. „Das ist einfach total aufregend“, berichtete die Touristin.
Harald V. wird im Mausoleum beigesetzt
Im Osloer Dom begann der Trauergottesdienst mit einer Schweigeminute. Anschließend sollte der Sarg zur letzten Ruhestätte des Königs gebracht werden: in das königliche Mausoleum der Schlosskirche der Festung Akershus, einer mittelalterlichen Festungsanlage oberhalb des Oslofjords.
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Harald V. war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hatte Norwegen seit 1991 regiert und war zuletzt der dienstälteste Monarch Europas. In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Mit seinem Tod ging der Thron automatisch auf seinen Sohn Haakon über. Der 53-Jährige legte wenige Tage später im norwegischen Parlament den Eid auf die Verfassung ab und ist seither König von Norwegen.
mit dpa