Stand: 18.07.2026, 06:30 Uhr
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Seit neun Jahren hängen die Fans in der Schwebe: Ihre Lieblingsserie „Sherlock“ wurde auf dem Höhepunkt ihres Erfolg abgebrochen. Die Hoffnung, dass die Schnüffler-Genie Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. John Watson zurückkehren, lebt bis heute. Wie steht es um die fünfte Staffel der Kultserie?
Was heißt das schon, wenn Benedict Cumberbatch am 19. Juli 50 Jahre alt wird? Schon das Wörtchen „alt“ dürfte manchem sauer aufstoßen. Der britische Schauspieler ist 50 Jahre jung geworden. Sehr wahr, und erst Recht sind die 50, dieses mittlere Alter, kein Argument, dass er nicht wieder in seine Paraderolle schlüpfen kann, zumal Spürnasengenie Sherlock Holmes in den Erzählungen und Romanen von Arthur Conan Doyle ein doch recht stattliches Alter von deutlich über 60 Jahre erreicht hat. 60 Jahre, waren das 1890 nicht, was heute 80 sind? Sei's drum, die wichtigere Frage ist ohnehin: Wird Benedict Cumberbatch noch einmal Holmes spielen? Und wird folglich die Krimisere „Sherlock“ fortgesetzt, die 2010 gestartet worden war, unzählige Zuschauer und Zuschauerinnen begeistert hatte, seine beiden Hauptdarsteller, Cumberbatch und Martin Freeman, weltberühmt machte und 2017 schließlich - bis auf Weiteres - eingestellt wurde?

Das Alter eines Schauspielers, einer Schauspielerin an das Alter der Figur zu koppeln, die er, die sie spielt, wäre schon deswegen abwegig, als es das Prinzip der künstlerischen Freiheit infrage stellen würde. Diese Freiheit hatten sich die Macher von „Sherlock“ zur Genüge genommen. Sie verlagerten die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelten Geschichten Doyles in die Heutezeit, behielten den Handlungsort aber bei: aus dem viktorianischen, edwardianischen London wurde das moderne London. Auch der Kern von Doyles Holmes-Kosmos ist nicht verloren gegangen: die charismatischen Figuren. Auf der einen Seite Privatdetektiv Sherlock Holmes, brillanter Privatdetektiv, der zwischen Genialität, Wahnsinn und Soziopathie taumelt, und Dr. John Watson auf der anderen, der Holmes bei den Kriminalfällen assistiert, sich vor ihm aber auch bewundernd verbeugt, indem er dessen Arbeit für die Mit- und Nachwelt festhält.
Dieses Konzept samt Umsetzung in Regie und Darstellung kam sehr gut an bei den Zuschauern. Die Serie war ein Erfolg, erreichte Kultstatus. Dennoch kam bald das Ende. „Sherlock“ kam zu einem Halt, um es so zu formulieren, und übrigens nach freier und rasanter Fahrt. Sie wurde eingestellt, nicht etwa weil sie auserzählt war. Oder weil den Machern nichts mehr einfiel. Und erst Recht nicht, weil das Interesse der Zuschauer nachgelassen hatte. Das Ende war eher unfreiwillig. Mehrere Erklärungen hatten seinerzeit kursiert. „Sherlock“ könne wegen der vollen Terminkalender von Cumberbatch und Freeman nicht mit einer fünften Staffel fortgesetzt werden, hieß es zum einen. Zum anderen: Es könne nicht weitergemacht werden, weil die beiden Hauptdarsteller zwar Profis seien, sonst aber nicht die besten Freunde. „Sie verhalten sich professionell und sind sehr höflich zueinander, aber es fehlt die Herzlichkeit, die man erwarten würde nach sechs Jahren gemeinsamer Arbeit“, so zitierte 2017 der „Mirror“ einen Insider.
Bittere Pille für die Fans
Aber das ist doch kein Grund die Flinte ins Korn werfen und noch weniger, eine Serie einzustellen. Das nicht, aber fehlendes Interesse durchaus. In dieser Hinsicht hatte es in den vergangenen Jahren unterschiedliche Signale gegeben. Bei den Serienschöpfern ist der Wille, „Sherlock“ fortzusetzen, durchaus vorhanden. „Ich wäre ein wenig überrascht, sollten wir es niemals schaffen“, schrieb Steven Moffat 2017 in einem Facebook-Post. Allerdings stehen und fallen die Pläne mit den beiden Hauptdarstellern. Bislang standen sowohl Cumberbatch als auch Freeman immer im Wege - zunächst weil sie wegen anderer Verpflichtungen keine Zeit hätten, wie es hieß. Dann - und das ist der aktuelle Stand der Dinge - offenbar aus fehlendem Interesse. Dabei schienen beide zunächst nicht abgeneigt. „Die Tür war nie ganz geschlossen“, sagte Freeman 2022 in der „Jonathan Ross Show“. Außerdem habe er es gern, wenn Dinge zum Abschluss gebracht werden.
Cumberbatch hatte nach dem Ende der vierten Staffel zwar durchaus das Gefühl, dass „Sherlock“ sich „vollständig“ anfühle, wie er 2016 in einem Interview mit „GQ“ erklärte. Doch der Gedanke, Holmes nie wieder zu spielen, sei „wirklich bitter“. An den Geschmack hat er sich offenbar gewöhnt, so wie Freeman sich mit dem fehlenden Ende von „Sherlock“ abgefunden zu haben scheint. Beim letztjährigen Italian Global Series Festival war auch Mark Gatiss anwesend, neben Moffat der zweite kreative Kopf der Serie, und der hatte dort keine guten Nachrichten im Gepäck. Er habe den Eindruck gewonnen, sagte er, dass beide, Cumberbatch und Freeman, kein Interesse mehr an „Sherlock“ hätten. Nun sind die Fans an der Reihe, nämlich die bittere Pille zu kauen. Zu kauen, wohlgemerkt, mit dem Schlucken sollten sie sich Zeit lassen. Für den Fall, dass die beiden Stars doch wieder ihre Begeisterung für die Kultserie entdecken. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)