Berlin-Wahl 2026
Berlin wählt am Sonntag – knappes Rennen um die politische Zukunft der Hauptstadt
Am Sonntag wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus und zwölf neue Bezirksverordnetenversammlungen (BVV). Rund 2,49 Millionen Berlinerinnen und Berliner dürfen in 78 Wahlkreisen ein neues Landesparlament wählen, bei der BVV-Wahl dürfen zusätzlich etwa 240.000 EU-Bürger ihre Stimme abgeben.
Die mehr als 2.500 Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Außerdem gibt es mehr als 1.500 Briefwahllokale in der Stadt.
Gleich um 18 Uhr wird die Wahlprognose veröffentlicht, die auf Umfragen in ausgewählten Wahllokalen basiert. Es folgen Hochrechnungen, mit ersten Teilergebnissen der Auszählung ist erst am späteren Abend zu rechnen, ein vorläufiges Ergebnis wird wahrscheinlich in der Nacht zu Montag bekanntgegeben.
Sechs Parteien könnten ins Abgeordnetenhaus einziehen
Der Wahlkampf und die Umfragen zeigten ein knappes Rennen, aber eines steht bereits fest: Berlin wird in jedem Fall einen neuen Regierenden Bürgermeister oder eine Regierende Bürgermeisterin bekommen. Der amtierende Regierungschef Kai Wegner (CDU) zog Anfang Juli seine Kandidatur zurück, nachdem es viel Kritik an seinem Krisenmanagement beim mehrtägigen Stromausfall im Januar gegeben hatte. Für die CDU übernahm Finanzsenator Stefan Evers die Spitzenkandidatur.
Die Linke zog mit der Juristin und gebürtigen Münchnerin Elif Eralp als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Eralp könnte die erste Linken-Politikerin und gleichzeitig die erste Person mit Migrationshintergrund an der Spitze des Senats werden. Die Grünen gingen mit einer Doppelspitze – Werner Graf und Bettina Jarasch – ins Rennen, im Fall eines Regierungsauftrags würde Graf Regierender Bürgermeister werden.
Spitzenkandidat der SPD ist Steffen Krach, beurlaubter Regionspräsident der Region Hannover und Co-Vorsitzender der Berliner SPD. Für die AfD kandidiert zum dritten Mal die Landesvorsitzende Kristin Brinker. Das BSW hat mit Alexander King und Michael Lüders zwei Co-Spitzenkandidaten.
Beim BerlinTrend vom 10. September lag die Linke mit 21 Prozent knapp vor der CDU (20 Prozent). Es folgten die AfD (18 Prozent), Grüne (16 Prozent), SPD (12 Prozent) und BSW (4 Prozent).
Welche Koalitionen sind möglich?
Laut den Umfragen sind in Berlin zwei Dreier-Koalitionen rechnerisch und politisch denkbar. Für eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition aus CDU und SPD wird es laut Umfragen sehr wahrscheinlich nicht reichen – und mit der AfD will laut den Bekundungen keine der größeren Parteien koalieren.
Möglich wäre ein Linksbündnis aus Linken, Grünen und SPD, wobei die Linke laut Umfragen wahrscheinlich die stärkste Kraft im Regierungsbündnis wäre und Elif Eralp Regierungschefin werden könnte. Die Grünen favorisieren diese Koalition.
Denkbar wäre auch eine "Kenia-Koalition" aus CDU, Grünen und SPD unter Führung von Stefan Evers, in der diesmal die SPD wohl die kleinste Partei wäre. Die größten programmatischen Unterschiede gäbe es dann wohl zwischen CDU und Grünen, vor allem beim Thema Verkehr.
Mieten, Müll, Sicherheit und Nahost-Konflikt
Wichtigstes Thema im Wahlkampf waren die hohen Mieten in der Stadt – diskutiert wurde vor allem über die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne, aber auch über Neubau und einen verstärkten Kampf gegen überhöhte Mieten. Auch das Thema saubere und sichere Straßen wurde von allen Parteien prominent thematisiert. Auch über den Nahost-Konflikt sowie über Antisemitismus wurde leidenschaftlich – beispielsweise in der rbb24 Wahlarena – diskutiert.
Wahlen auch in den Bezirken
Am Sonntag werden in den zwölf Bezirken die Bezirksverordnetenversammlungen mit ihren jeweils 55 Mitgliedern gewählt. Während es bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus eine Erst- und eine Zweitstimme gibt, kann man bei der BVV-Wahl nur ein Kreuz machen und die Bezirksliste einer Partei wählen.
Nach der Wahl wird das Abgeordnetenhaus den Regierenden Bürgermeister oder die Regierende Bürgermeisterin wählen. Auf Bezirksebene wählen die Bezirksverordnetenversammlungen ihre Bezirksbürgermeisterinnen und Bezirksbürgermeister. Einen festen Termin gibt es dafür nicht. Nach der Wiederholungswahl 2023 dauerte es 74 Tage, bis Kai Wegner (CDU) zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt wurde.
Mehr bei rbb|24