Hodler in der Nationalgalerie Sarajevo: Die Geschichte dahinter

Berühmter Schweizer Maler Wie eine grosse Hodler-Sammlung in Sarajevo endete

Die grösste Sammlung mit Werken Ferdinand Hodlers ausserhalb der Schweiz befindet sich in Sarajevo. Dahinter steckt eine spezielle Geschichte.

11.10.2026, 19:33

Ferdinand Hodler ist einer der bekanntesten Schweizer Maler. Er malte Land und Leute der Schweiz wie den berühmten Holzfäller oder den Niesen bei Spiez.

Bis an diesem Wochenende waren in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo 200 Werke des Künstlers zu sehen. Die Sammlung gehört der Nationalgalerie des Landes und zeichnet sich durch eine breite Palette an Zeichnungen, Skizzen und Bildern aus, sagt Ivana Udovicic. Sie ist die Kuratorin der Ausstellung.

Über 200 Werke im Besitz des Museums waren in der Ausstellung zu sehen, die am Wochenende zu Ende ging. Darunter befanden sich Skizzen, Zeichnungen und Gemälde. Am wertvollsten seien jene Skizzen, aus deren Einzelteilen Ferdinand Hodler später seine Gemälde komponierte, so Kuratorin Udovicic.

So etwa die ersten Skizzen zu Hodlers berühmtem Bild «Der Tag». Zu sehen waren Zeichnungen einzelner Frauenakte. Daraus entstand später das Bild, auf dem fünf Frauen einen Tagesverlauf darstellen. Die Sammlung habe es erlaubt, den einzelnen Schritten in Hodlers Arbeitsprozess zu folgen. Von den ersten Skizzen über die Komposition bis zum Meisterwerk.

Intensive Beziehung zwischen Modell und Künstler

Die Sammlung verdankt das Museum der Sammlerin Jeanne Charles Cerani Čišić, die selbst auf mehreren Werken abgebildet ist. Sie stand 17 Jahre lang Modell für Hodler.

Der Briefwechsel der beiden ist erhalten. Teile davon sind als Leihgabe der Hodler-Stiftung ebenfalls ausgestellt. «Der Briefwechsel gibt uns Einblicke in ihr Leben und ihr Verhältnis zu Hodler», erklärt Kuratorin Udovicic.

Obwohl sie viel jünger war als er und beide verheiratet waren, pflegten Hodler und Jeanne Charles eine intensive Beziehung, die wohl über eine reine Arbeitsbeziehung hinausging.

Hodler hat Jeanne Charles, eines seiner Lieblingsmodelle, immer wieder gemalt. Während dieser langen gemeinsamen Zusammenarbeit ist die Sammlung entstanden. Einige Zeichnungen habe Jeanne Charles als Geschenk erhalten. «Andere hat sie ohne Erlaubnis aus seinem Atelier mitgenommen.»

Sammlung übersteht den Krieg

Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns heiratete Jeanne Charles einen bosnischen Diplomaten des damaligen Königreichs Jugoslawien. An seiner Seite bereist die aus einfachen Verhältnissen stammende gebürtige Französin die Welt, bis sich das Paar schliesslich in der südbosnischen Stadt Mostar niederlässt. «Sie hat dabei die Sammlung immer mit sich geführt.»

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  • Bild 1 von 3. Die Sammlung besteht vor allem aus Skizzen und Zeichnungen. Doch es gibt auch einige Gemälde, wie hier eine Ansicht des Genfersees.

    Bildquelle: SRF/Janis Fahrländer.

    Gemälde eines Landschaftsbildes mit Himmel, Wasser und grüner Vegetation im Vordergrund.
  • Bild 2 von 3. Erste Skizzen, die später zum Gemälde von Wilhelm Tell führen sollten.

    Bildquelle: SRF/Janis Fahrländer.

    Drei gerahmte Zeichnungen an einer weissen Galeriewand.
  • Bild 3 von 3. Skizzen für das Bild «Der Tag». Die einzelnen Frauenakte wurden im Gemälde zusammengeführt.

    Bildquelle: SRF/Janis Fahrländer.

    Sechs gerahmte Zeichnungen hängen an einer weissen Wand.

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Doch damit ist die Geschichte der Sammlung noch nicht zu Ende. Im Bosnienkrieg in den 90er-Jahren wurde das Museum mehrfach durch gezielte Granatenangriffe beschädigt. Die Auslöschung der Kultur war Teil der Kriegsstrategie der serbischen Truppen. Dank des Einsatzes des damaligen Personals überstand die Sammlung den Krieg.

Doch das Museum sei nach dem Krieg in schlechtem Zustand gewesen, erinnert sich Wolfgang Amadeus Brülhart, der damals stellvertretender Botschafter der Schweiz in Sarajevo war: «Über ein Loch im Dach kam Wasser rein. Im Keller war es feucht.»

Mann im Anzug spricht an einem Mikrofon in einer Galerie.
Legende:

Wolfgang Amadeus Brülhart, ehemals stellvertretender Botshafter in Sarajevo, hielt anlässlich der Eröffnung der Ausstellung vom 12.9.2026 eine Rede.

Swiss Embassy Sarajevo

Die Schweiz bezahlt die Renovierung der Galerie und unterstützt die Restaurierung einzelner Werke Hodlers. Im Gegenzug wurden die Bilder in der Schweiz ausgestellt.

Das Engagement der Schweiz sei nicht allein auf die Sammlung zurückzuführen – sagt Brülhart –, doch sie habe eine wichtige Rolle gespielt.

Drei Personen betrachten gerahmte Kunstwerke in einem Raum.
Legende:

2005 reiste Bundesrat Adolf Ogi (rechts) anlässlich der Feierlichkeiten zu zehn Jahren Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Bosnien-Herzegowina nach Sarajevo.

KEYSTONE/Fabrice Coffrini

Der Zufall des Lebens brachte die Sammlung nach Sarajevo. Dank des Engagements verschiedenster Personen ist sie der Öffentlichkeit erhalten geblieben und derzeit in voller Pracht zu sehen.