Bestürzung bei Community Sturzflut in Nepal: Grosse Trauer bei Schweizer Diaspora
Rund 1500 Nepalesinnen und Nepalesen leben in der Schweiz. Die Flutkatastrophe im Himalaya geht auch ihnen nah.
Teilen
Bei der verheerenden Sturzflut in Nepal vom Mittwoch sind bislang mindestens 670 Menschen gestorben. Rund 3000 weitere werden immer noch vermisst. Die Anteilnahme ist gross. Nicht nur vor Ort, sondern auch hier in der Schweiz trauern Nepalesinnen und Nepalesen um Verstorbene.
Die Gemeinschaft trifft sich in Winterthur in einem Restaurant.
srf
Beim Tee in Winterthur, tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt: Für die Mitglieder des Freundeskreises Schweiz‑Nepal ist die Katastrophe trotz der grossen Distanz ganz nah. Laut dem Verein leben rund 1500 Menschen aus Nepal in der Schweiz. Viele kennen Betroffene persönlich – und warten bange auf Nachrichten.
Ich bin sehr traurig. Mein Schwager wird vermisst.
Für Ram Dhungana ist die Katastrophe besonders schmerzhaft. Sein Schwager und 22 ehemalige Klassenkameraden werden noch immer vermisst. Kurz vor der Sturzflut hatte er noch Kontakt zu seiner Familie gehabt. «Mein Schwager ist mit dem Lastwagen von der tibetischen Grenze talabwärts gefahren, wobei sein Fahrzeug an der Grenze noch registriert worden ist», sagt Dhungana. «Seitdem gibt es weder vom Fahrzeug noch von ihm ein Lebenszeichen.» Die Ungewissheit macht ihm schwer zu schaffen: «Ich bin sehr traurig.»
«Erst dachte ich, das seien Fake-Videos»
Auch Kamal Bhatta beschreibt, wie ihn die Nachricht aus der Heimat zunächst überwältigt hat. «Ich habe es zuerst gar nicht realisiert. Und als ich es später gesehen habe, dachte ich erst, das wären Fake-Videos. Aber als ich dann diese Gegend gesehen habe, in der ich auch war, war das ein riesiger Schock.»
Für die einen spendet ein Austausch mit Freunden aus der Heimat Trost – für andere ist es noch zu früh. Bhatta berichtet von einem Freund, der noch nicht in der Lage sei, zu sprechen, weil sein Dorf in der Nähe des Unglücksorts liege und alles zerstört worden sei.
Kamal Bhatta (r.) dachte zuerst, die Videos der Sturzflut seien KI-generiert.
srf
Videos aus dem zerstörten Nepal fluten derzeit die Chats der Gemeinschaft. Mit jeder Nachricht hoffen sie, dass weitere Überlebende geborgen werden. Dabei geht es vor allem auch um Solidarität. «Es geht nicht darum, ob meine Familie direkt betroffen ist – wir sind alle Nepalesen», erklärt Arjun Baskatori. Sein Bruder und 20 Kollegen, mit denen er zur Schule gegangen ist, werden noch immer vermisst.
Wir sitzen hier und schauen auf unsere Hände und sehen diese Videos.
Das Gefühl der Hilflosigkeit ist allgegenwärtig. «Für uns ist es so schwierig hier. Wir sind einfach 24 Stunden hier und vor dem Handy. Wir sitzen hier und schauen auf unsere Hände und sehen diese Videos», sagt Daivjya Bastakoti.
Die Gemeinschaft trifft sich zum Austausch und plant, wie man Hilfe leisten kann.
srf
Dennoch versucht die Gemeinschaft, das zu tun, was ihr möglich ist. Kamal Bhatta sagt: «Wir versuchen jetzt, Spenden und finanzielle Unterstützung zu geben. Mehr können wir auch nicht machen. Unser Ziel ist, dass es auch am richtigen Ort ankommt.»
Spenden und Zusammenhalt als einzige Antwort
Markus Ruckstuhl, Präsident der Swiss-Nepalese Society (SNS), sieht seine Rolle darin, der Gemeinschaft einen Rahmen zu geben: «Ich kann eine Plattform bilden, um Emotionen zu verarbeiten – und Leute motivieren, zu spenden.»
Markus Ruckstuhl ist der Präsident der Swiss-Nepalese Society (SNS).
srf
Mehr bleibe ihm und den anderen in der Schweiz lebenden Nepalesen im Moment nicht übrig. Doch auch das sei nicht nichts: zusammenkommen, trauern, helfen – und auf Nachrichten aus der Heimat hoffen.
Tagesschau, 29.08.2026, 19:30 Uhr ; srf/stol;lehl