So viel Regen in einer Nacht wie sonst in Wochen - und trotzdem keine Entspannung an Talsperren

60 Liter pro Quadratmeter, und damit in einer Nacht so viel Niederschlag wie sonst in mehreren August-Wochen. So beschreibt WDR-Wetterexperte Jürgen Vogt die Regenfälle rund um die Bevertalsperre in der Nacht von Montag auf Dienstag. Nirgends sonst sei in NRW so viel Wasser vom Himmel gekommen.

Doch auch nach einer regenreichen Nacht können die Wasserversorger im Bergischen nicht aufatmen. Der Pegelstand der Bever liegt am Dienstagmorgen bei etwa 66 Prozent. Noch nicht besorgniserregend, aber eben auch nicht viel besser als vor dem Regen.

"Der Regen der letzten Nacht war für die Natur eine kurze 'Verschnaufpause', hat aber für die Talsperren keine nachhaltige Wirkung gebracht, dazu war er zu kurz und zu punktuell." Susanne Fischer, Pressesprecherin Wupperverband

Die Wuppertalsperre war am Dienstagmorgen nur noch zu knapp einem Drittel gefüllt. Die Große Dhünntalsperre weniger als zur Hälfte.

Regen kommt kaum in Talsperren an

Das Problem: Auch die Natur durstet. Nach einem sehr trockenen Quartal und einem vorangegangenen Dürrejahr 2025 brauchen Bäume und Pflanzen dringend Wasser. Außerdem ist der Boden anders als im Winter bis in tiefe Schichten trocken und nicht feucht genug. Das zusätzliche Regenwasser wird also von der Natur abgefangen, bevor er überhaupt in den Stauseen der Region landen kann.

Der Regen kann die sinkenden Pegel also nur kurz abmildern. Daher sind die Wasserverbände darauf angewiesen, dass es im Winter genügend regnet, um gut aufgestellt ins Jahr zu starten. Der Aggerverband etwa teilt mit, dass seine Talsperren für "ein Doppeltrockenjahr" ausgelegt sind.

Was, wenn es in den nächsten Jahren noch trockener wird?

Also für genau das Szenario, das das Bergische gerade erlebt. Aber was, wenn es aufgrund des fortschreitenden Klimawandels über noch längere Phasen hinweg so trocken ist? Das stellt die Betreiber durchaus vor Herausforderungen.

Bis vor einigen Jahren galt: Im Winter sollen die Talsperren Puffer haben, um zusätzliches Wasser aufzunehmen; im Sommer sollen sie Wasser abgeben. Da Extremwetterereignisse wie Dürre und eben auch Starkregen und Hochwasser aber heftiger werden, geht das nicht mehr.

Wasserwrtschaft kann Dürreperioden nicht allein bekämpfen

Spätestens nach der Flut 2021 sollen die Talsperren auch im Sommer als Puffer für Hochwasser dienen und dürfen damit nicht komplett voll sein. Wenn der Starkregen dann aber ausbleibt, sind die Pegelstände möglicherweise zu niedrig, um die Trockenheit ausgleichen zu können.

Sollte es im Bergischen länger anhaltende Dürreperioden geben, kann die Wasserwirtschaft darauf auch nicht allein reagieren. Laut Wupperverband ist es für die Zukunft daher extrem wichtig, dass Klimaanpassung und der Umgang mit Wasser gesamtgesellschaftlich angegangen werden: Von Städten, Wirtschaft, Zivilbevölkerung, Landwirtschaft und allen weiteren Akteuren.

Talsperren regulieren auch die Flusspegel

Bislang aber ist das Bergische grundsätzlich flexibel aufgestellt und kann reagieren. So dienen viele Talsperren nicht nur der Trinkwasserversorgung, sondern auch der Regulierung der Flusspegel, damit diese nicht austrocknen. Schon im Frühjahr hatte die Große Dhünntalsperre die Wasserabgabe an die Dhünn reduziert. Seit Montag gilt dasselbe auch für die Wuppertalsperre und Wupper.