Wegen des Niedrigwassers im Rhein können Schiffe aktuell weniger schwer beladen werden. Sie fahren häufiger, laden häufiger um und haben weniger Zeit im Hafen.
Quelle: DIE ZEIT, dpa,
pip
- August 2026, 7:45 Uhr
Der Betrieb im Duisburger Binnenhafen ist trotz des extremen Rhein-Niedrigwassers in diesen Wochen höher als sonst. Schiffe können wegen des Niedrigwassers aktuell weniger Ladung transportieren, wenn sie vermeiden wollen auf Grund zu laufen. Sie fahren daher aktuell häufiger als sonst und müssen häufiger im Hafen umladen.
Bei normalem Wasserstand würden etwa 280 bis 300 Schiffe pro Woche den Hafen anlaufen, sagt der Hafenmeister Detlef Bours von der Duisburger Hafen AG. Aktuell sei man in der Spitze bei 400 bis 450. Manche Schiffe kämen anstatt mit 3.000 Tonnen jetzt nur noch mit 300 Tonnen. Anstatt 10, 12 oder 14 Stunden lägen die Schiffe derzeit nur noch 2 Stunden. Dann komme schon das nächste Schiff. Es gäbe auch weniger verfügbare Liegeflächen, weil einige Schiffe rheinaufwärts, etwa nach Köln-Godorf, nicht mehr weiter kämen.
Zwar seien viele Firmen ansässig, man habe aber verhältnismäßig wenige, frei verfügbare Liegeflächen. Der Grund sei, dass Schiffe mit den Jahren immer größer geworden seien. Wo früher 4, 5 oder 6 Schiffe gelegen hätten, liege heute nur noch eines, sagt der Hafenmeister. In den 1980er Jahren seien 80-Meter-Schiffe mit 8 Metern Breite die Norm gewesen. Heute seien große Schiffe 135 Meter lang und 17 Meter 50 breit.
Auch die Betreibergesellschaft des Duisburger Hafens bewertet die Lage als angespannt. Wegen der Niederschläge gehe man in der Prognose aber von einer leichten Erholung aus, sagt der Konzernbevollmächtigte Binnenschifffahrt, Joachim Holstein. Die Schiffe könnten dann wieder etwas mehr laden. Deutlich mehr Entspannung erhofft er sich »in Richtung Ende September, Anfang Oktober«.
Aktuelle Prozesse im Güterverkehr bei Rhein-Niedrigwasser
Der Rhein spielt eine wichtige Rolle für den Güterverkehr in Deutschland. Rund 80 Prozent des gesamten deutschen Binnenschiffsgüterverkehrs werden über Deutschlands größten Fluss abgewickelt.
Joachim Holstein, der Konzernbevollmächtigte Binnenschifffahrt der Betreibergesellschaft des Duisburger Hafens sagte, man habe in Duisburg den Vorteil, dass der Hafen derzeit auch von großen Schiffen noch angefahren werden könne. Sie kämmen aber nicht mehr weiter Richtung Köln oder Richtung Mannheim oder noch weiter Richtung Basel.
An den Terminals wird die Fracht laut Holstein dann umgeladen in kleinere Schiffe oder auf Bahn oder Lastwagen. »Um dann beispielsweise nach Süddeutschland weiterzufahren.« Umgekehrt würden die Container, die sonst am Mittel- und Oberrhein auf Schiffe geladen werden, im Moment per Straße oder per Zug kommen. Sie gingen dann aufs Schiff und dann in die Seehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam.
Die maximale Ladung wird anhand des Pegels, dem Wasserstand an einer bestimmten Stelle, festgelegt. In Duisburg befindet sich eine Messstelle an einer Hafeneinfahrt namens »Ruhrort«. Am Pegel Duisburg-Ruhrort liegt der Pegelwert laut Bours normalerweise bei drei bis fünf Metern. Nach vorläufigen Daten fiel der Pegel dort am vergangenen Montag zeitweise auf 1,26 Meter. Seitdem steigt der Wert wieder. Bis Sonntagmorgen könnte er laut einer Schätzung des WSV in Ruhrort auf 1,70 Meter steigen.
Um vom Regelwert auf die Fahrrinnentiefe zu schließen, wird der Pegelwert noch mit anderen Daten verrechnet. Beim Pegel 1,26 Meter war der Rhein am Pegel Ruhrort noch 1,79 Meter tief. Mit einem Sicherheitsabstand von 30 Zentimeter als Puffer zum Boden, dürfen Schiffe bei diesem Pegelstand höchstens einen Tiefgang von 1,49 Meter haben.
Hafenmanager sieht politischen Handlungsbedarf
Derzeit würden rund zehn Schiffe im Hafen liegen, die gerne weiterfahren würden, wenn sie denn könnten, sagte Bours. Es gehe um Zentimeter. »Das ist gerade wirklich sehr, sehr kritisch.« Man bewege sich in einem Bereich, wo zum Beispiel zehn Zentimeter entscheiden würden: »Komme ich da hin oder komme ich da nicht hin?«.
Holstein sieht trotz des steigenden Wasserstands politischen Handlungsbedarf. So müsse das Thema Vertiefung am Mittel- und Niederrhein dringend umgesetzt werden. Auch die Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe solle weitergeführt werden. Generell solle der Verkehrsträger Binnenschifffahrt mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden, auch mehrjährig.