Bis zu 80 Prozent Rente: Warum Österreich mehr zahlt als Deutschland

Stand: 06.08.2026, 07:30 Uhr

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Österreichs Pensionen fallen oft höher aus als deutsche Renten. Der Vergleich hat jedoch einen Haken: Das Modell wäre hierzulande wohl deutlich teurer.

Wien – Die Debatte um Altersarmut, Rentenlücke und die richtige Vorsorge bekommt neuen Stoff durch den Blick nach Österreich. Dort ist die gesetzliche Pension breiter aufgestellt und für viele Menschen deutlich lukrativer als die deutsche Rente.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit promipool.de

Wer 45 Jahre einzahlt und mit 65 in den Ruhestand geht, kann nach der Formel 80/45/65 bis zu 80 Prozent des Einkommens erhalten, wie wmn.de berichtet. Finanziert wird das wie in Deutschland über ein Umlagesystem. Der große Unterschied liegt bei den Beiträgen, bei der Rolle des Staates und bei der Pflichtversicherung für weitere Berufsgruppen.

Im März 2026 sinken für viele Ruheständler die Auszahlungen.

Österreichs Pensionen fallen oft höher aus als deutsche Renten.  © IMAGO/CHROMORANGE

Österreich verlangt 22,8 Prozent Beitrag zur Pensionsversicherung, in Deutschland sind es 18,6 Prozent. Hinzu kommen hohe Steuerzuschüsse. Außerdem werden die Leistungen jährlich an die Inflation angepasst. Auch Selbstständige sind dort in die gesetzliche Pflichtversicherung einbezogen, Beamte und andere Erwerbsgruppen werden breiter erfasst.

Das senkt das Risiko von Versorgungslücken. Gleichzeitig ist das Modell teuer. Höhere Leistungen entstehen nicht von selbst, sondern durch höhere Einzahlungen und mehr Geld aus dem Staatshaushalt. Genau an diesem Punkt beginnt die politische Kontroverse in Deutschland.

15 Prozent Altersarmut in Österreich, 18 Prozent in Deutschland

Im direkten Vergleich fallen die Unterschiede greifbar aus. Die Altersarmutsquote liegt in Österreich bei 15 Prozent, in Deutschland bei 18 Prozent. Frauen erhalten dort im Schnitt 1.705,26 Euro Altersrente pro Monat, Männer 2.434,77 Euro. Das Pensionsantrittsalter liegt bei 60 bis 62 Jahren.

In Deutschland setzt die Alterssicherung stärker auf drei Säulen: gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge und private Verträge. Gewerkschaften und die Linkspartei fordern seit Längerem, Selbstständige und Beamte in eine einheitliche Erwerbstätigenversicherung einzubeziehen und das Rentenniveau auf 53 Prozent oder mehr anzuheben.

Joachim Ragnitz warnt vor höherer Belastung der Erwerbstätigen

Eine einfache Übertragung gilt unter Fachleuten als unrealistisch. Joachim Ragnitz, Ökonom am ifo, warnt davor, einzelne Bausteine aus dem Nachbarland herauszulösen. Die Einbeziehung zusätzlicher Gruppen würde das Nachhaltigkeitsproblem nicht lösen, sondern allenfalls verschieben.

Zudem würde ein ähnliches Leistungsniveau die arbeitende Generation stärker belasten. Auch Österreich diskutiert seit 2025 Sparzwänge und Änderungen am System. Der Vergleich taugt daher eher als Rechenmodell denn als fertige Vorlage. Wer mehr gesetzliche Leistung will, muss auch über höhere Beiträge und zusätzliche Steuermittel sprechen.

Niederlande auf Platz 1, Deutschland nur auf Rang 22

Im internationalen Vergleich wirkt die Debatte noch komplexer. Laut dasinvestment.com liegt Deutschland im Mercer Global Pension Index mit 67,8 Punkten nur auf Platz 22 von 52 Ländern, obwohl das System beim Kriterium Angemessenheit Rang zehn erreicht. Schwach bleibt vor allem die langfristige Finanzierbarkeit.

Michael Sauler von Mercer Deutschland sagt laut dasinvestment.com: „Deutschland steht vor der großen Aufgabe, sein Rentensystem widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel zu machen.“ Auf Platz 1 stehen die Niederlande mit 85,4 Punkten. Dort gibt es eine staatliche Grundrente für alle, eine starke Betriebsrente und zusätzliche private Vorsorge.