Black Stone Cherry: Rustikaler Southern Rock in Frankfurt

Wir leben in der Ära der Künstlichen Intelligenz. Längst kommt auch die Musik aus der digitalen Retorte. Wer es lieber handgemacht mag, greift gezielt zu solcher Ware. Black Stone Cherry, eine 2001 auf der Highschool von Edmonton im nordamerikanischen Bundesstaat Kentucky gegründete Band, bilden eine solche rustikale Einheit. Das Quartett selbst empfiehlt sich als gesegnet mit den vier Es: Energie, Ehrlichkeit, Emotion und Enthusiasmus.

In der nahezu ausverkauften Frankfurter Batschkapp kommen diese vier Trümpfe von Black Stone Cherry unmittelbar zum Ausdruck. „Me And Mary Jane“, „Burnin’“, „Again“ und „Fire“ gehen nahtlos ineinander über und steigern sich in der Intensität von Song zu Song. Im Rampenlicht explodieren Black Stone Cherry geradezu. Von der Besucherschar wird dieser hartkantige Mix aus Southern Rock, Alternative Metal und Post-Grunge dankbar angenommen.

Hier zahlt sich aus, was seit der Kindheit in den vier Freunden gärte, ob bei Chris Robertson (Gesang, Gitarre), Ben Wells (Gitarre, Gesang), John Fred Young (Schlagzeug, Gesang) oder dem erst 2020 dazugekommenen Steve Jewell (E-Bass, Gesang): kompromissloses Rock ’n’ Roll-Ethos. Young versteht es, im Interview die historisch passenden Anekdoten zu erzählen: „Wir sind quasi im Proberaum aufgewachsen, umgeben von Postern von Cream, Led Zeppelin, Uriah Heep, den Stones, Montrose und The Faces. Wir waren wie Kinder, die jemand in eine Zeitmaschine gesteckt hat.“

Youngs Vater und sein Onkel waren Mitglieder der Kultband Kentucky Headhunters und stellten dem Nachwuchs eine Scheune im Wald zur Verfügung, in der auch schon sie selbst geprobt hatten. Vergessen zu erwähnen hat Young da lediglich, dass auch Southern-Rock-Legenden wie Lynyrd Skynyrd, The Allman Brothers Band und Molly Hatchet für Inspiration sorgten.

Bis auf wenige Balladen geben Black Stone Cherry in Frankfurt zwei Stunden lang Vollgas. Hartmetallische Riffs, kernige Harmonien, emotionaler Gesang und der dynamische Druck der Rhythmussektion mischen sich zu einem lebendigen Southern-Rock-Tableau, selbstverständlich runderneuert für die Gegenwart.

Prinzipiell ist das ein kompakter Auszug aus den bislang acht Studioalben, wobei der Fokus vor allem auf den vergangenen vier Werken „Kentucky“ (2016), „Family Tree“ (2018), „The Human Condition“ (2020) und „Screamin’ At The Sky“ (2023) liegt. Die energiegeladene Darbietung wird ohne längeres Redegeplänkel schnörkellos abgespult.

Als besonders agil erweisen sich Wells und Jewell, die im Adrenalinüberschwung permanent die Bühnenseiten wechseln und bei ihren Eskapaden fast zusammenstoßen. Young zeigt sich als durchweg engagierter Schlagzeuger, der das Publikum zur Konzertmitte mit einem virtuosen Drum-Solo mitreißt.

Zunächst im Duo bestreiten Wells und Robertson die letzte Zugabe, „Peace Is Free“. Am Bühnenrand sitzend, gibt Robertson die Anweisung, wenigstens für diesen Song das Handy beiseitezulegen und sich gegenseitig an die hochgehaltenen Arme zu fassen, um sich für wenige Augenblicke wie eine riesige Familie zu fühlen.