Bleibende Augenschäden ohne Schmerzen: Was bei der Sonnenfinsternis am 12. August droht
Stand: 07.08.2026, 07:00 Uhr
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Nur eine exakt zertifizierte Spezialfolie schützt die Augen der Beobachter einer Sonnenfinsternis. Sie lässt nur 0,00032 % des sichtbaren Sonnenlichts durch und sorgt gegen irreparable Netzhautschäden vor.
Madrid – Merken Sie sich diese Zahl schon jetzt für die Sonnenfinsternis am Mittwoch (12. August) vor. Die Iberische Halbinsel soll ganz in Dunkelheit gehüllt werden, in Deutschland ist zumindest damit zu rechnen, dass 90 Prozent der Sonne verschwinden werden. Wer das Himmelsspektakel beobachten will, sollte sich daher rechtzeitig vorbereiten und nicht erst am Abend des Ereignisses auf die Suche nach einer geeigneten Schutzbrille gehen.
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Dieser Artikel von Javier Iniguez De Onzono entstand in Kooperation mit Euronews
Für den Blick in die Sonne gibt es Spezialbrillen mit einer besonderen genormten ISO-Nummer, um die Augen zu schützen. Sie lautet: 12312:2-2015 und kennzeichnet Produkte, die ausdrücklich für die direkte Sonnenbeobachtung zugelassen sind.
Denn wer den Kopf in den Nacken legt und direkt in das gleißende Licht schaut, geht ein erhebliches Risiko ein, das ohne Schmerzen bleiben, aber dennoch bleibende Schäden verursachen kann.

Ohne diese Brillen schädigt ultraviolette Strahlung die Fotorezeptoren des Auges, also Zapfen und Stäbchen, und Infrarotstrahlung erzeugt zusätzliche Wärme direkt auf der Netzhaut. Dadurch kann sich eine solare Retinopathie entwickeln, bei der Bereiche des Netzhautgewebes irreparabel zerstört werden.
Die Symptome treten oft erst verzögert auf und werden darum leicht unterschätzt oder zunächst gar nicht mit dem Blick in die Sonne in Verbindung gebracht.
Gefährliche Folgen für die Augen verstehen
Die Beschwerden reichen von verschwommenem Sehen über Flecken oder Skotome an der Stelle des schärfsten Sehens bis hin zu Metamorphopsie, also einer verzerrten Wahrnehmung von Formen. Hinzu kommt häufig eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, also Photophobie, die Kopfschmerzen auslösen kann und den Alltag der Betroffenen deutlich beeinträchtigt.
Viele dieser Schäden können dauerhaft sein und lassen sich später medizinisch kaum oder gar nicht korrigieren. Die totale Phase der Finsternis dauert auf ihrem Weg über Spanien an keinem Ort länger als eine Minute und 48 Sekunden. In einem schmalen Streifen wird die Sonne vollständig verdeckt, außerhalb dieser Zone bleibt die Finsternis partiell, so auch in Deutschland.
Nur in diesem kurzen Moment der vollständigen Bedeckung dürfen glückliche Beobachter ihre zertifizierten Schutzbrillen absetzen, und auch dann sollten sie aufmerksam auf das erneute Auftauchen der hellen Sonnensichel achten.
Selbst die teilweise Verdeckung der Sonne kann einen ungewöhnlichen Eindruck am Himmel erzeugen, insbesondere weil sie sich am Abend und bei niedrigem Sonnenstand abspielt. Das veränderte Licht wirkt oft gespenstisch, Schatten werden schärfer, und die Umgebung erscheint vielen Menschen gedämpft und zugleich kontrastreicher. Genau diese besondere Atmosphäre verführt jedoch dazu, länger nach oben zu blicken, weshalb der richtige Augenschutz umso wichtiger ist.
Warum spezieller Sonnenschutz unerlässlich ist
Die Norm ISO 12312-2 gilt nur für bestimmte Produkte, die für die direkte Beobachtung der Sonne bestimmt sind, also der sogenannten Fotosphäre, der leuchtenden Oberfläche der Sonne.
Diese Filter stellen sicher, dass höchstens 0,00032 Prozent des sichtbaren Sonnenlichts durchgelassen werden und auch die Strahlung außerhalb des sichtbaren Bereichs ausreichend abgeschwächt wird.
Das spanische Wissenschaftsministerium erklärt: „Man muss die Brille aufsetzen, bevor man zur Sonne schaut, dann nur wenige Sekunden hinsehen und den Blick wieder senken und die Beobachtung der Finsternis immer mit Pausen wiederholen.“
Man sollte die Brille erst abnehmen, wenn man nicht mehr zur Sonne blickt und den Kopf sicher wieder gesenkt hat. Die Norm gilt nur für Brillen ohne veränderbare Stärke oder Fokussierung und schließt damit gewöhnliche Sehbrillen oder optische Hilfsmittel aus.
Sie erfasst nicht gewöhnliche Sonnenbrillen (ISO 12312-1), die Hunderte oder Tausende Male mehr Licht durchlassen, als für den direkten Blick in die Sonne sicher ist, und auch nicht Sonnenfilter, die für Geräte wie Teleskope oder Ferngläser entwickelt wurden.
Herkömmliche Sonnenbrillen sind daher für die direkte Beobachtung einer Sonnenfinsternis ungeeignet und vermitteln allenfalls eine trügerische Sicherheit. Die Norm gilt ebenso wenig für Sonnenfilter, die man vor die Öffnung von optischen Geräten wie Kameraobjektiven, Ferngläsern oder Teleskopen setzt. Solche Geräte konzentrieren das Sonnenlicht zusätzlich, sodass ohne eigens dafür geprüfte Filter innerhalb von Sekunden schwere Schäden an Augen und Geräten entstehen können.
Woran geprüfte Finsternisbrillen zu erkennen sind
Gefordert ist vor allem die Transmittanz, also das Verhältnis zwischen durchgelassenem und einfallendem Licht, in den ultravioletten, sichtbaren und infraroten Wellenlängen, die unsere Netzhaut erreichen.
Entscheidend sind außerdem die Gleichmäßigkeit der Transmittanz über die gesamte Fläche der Brille und eine ausreichende Materialqualität, damit keine Risse oder Kratzer zusätzliche Lichtkanäle bilden. Die Wissenschaftliche und Beratende Kommission des Trío de Eclipses betont zudem, dass Brillen, die in der Europäischen Union verkauft werden, zusätzlich das CE-Zeichen tragen müssen.

Das Ministerium und die ONCE werden in Spanien zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen kostenlos über Stände der Stiftung sowie Forschungszentren, Wissenschaftsmuseen und andere öffentliche Einrichtungen verteilen.
Mehrere Autonome Gemeinschaften geben ebenfalls geprüfte Brillen an den eigens ausgewiesenen Orten aus, an denen das Himmelsereignis beobachtet werden kann. In offiziellen Mitteilungen findet sich eine Liste der Standorte, an denen Interessierte die Brillen ohne Bezahlung erhalten.
Auch in Deutschland geben beispielsweise vereinzelt Sternwarten oder Optiker kostenlose Brillen aus, oftmals im Rahmen von Informationsveranstaltungen rund um das Ereignis. Fans der Himmelsereignisse können langfristig allerdings auch investieren, denn die Brillen gibt es im Handel zu kaufen und sie lassen sich bei künftigen Finsternissen und anderen Beobachtungen der Sonne wiederverwenden, sofern sie unbeschädigt bleiben.