Bund der Steuerzahler kritisiert Kletterturm für 140.000 Euro – Bürgermeister sauer: „Das ist kinderfeindlich“

Stand: 01.10.2026, 19:05 Uhr

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Vor einem Jahr präsentierten Betriebshofleiter Florian Schallhammer (li.) und Bürgermeister Ingo Mehner stolz einen neuen Kletterturm. Der Bund der Steuerzahler sieht darin eine „teure Annehmlichkeit“. (Archivfoto)

Vor einem Jahr präsentierten Betriebshofsleiter Florian Schallhammer (li.) und Bürgermeister Ingo Mehner stolz einen neuen Kletterturm. Der Bund der Steuerzahler sieht darin eine „teure Annehmlichkeit“. © Birte Stahl/Stadt Bad Tölz

Ein Kletterturm auf einem Tölzer Spielplatz ist als Fall von Steuerverschwendung im Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler aufgelistet. Bürgermeister Mehner wehrt sich gegen die Kritik.

Bad Tölz – Für Kinder ist er eine echte Attraktion. Der Bund der Steuerzahler allerdings führt den 2025 errichteten Kletterturm auf dem Piratenspielplatz an der Isarpromenade unter der Rubrik „teure Annehmlichkeiten“. Der Verein dokumentiert in seinem Schwarzbuch jährlich Fälle, in denen aus seiner Sicht sinnlos Steuergelder verschwendet wurden. Mit aufgelistet ist heuer die Investition der Stadt Bad Tölz in Höhe von 140.000 Euro in das Spielgerät. Dies wiederum kritisiert Bürgermeister Ingo Mehner als „kinderfeindlich“.

Kritik an sieben Meter hohem Kletterturm

Zur Eröffnung des Kletterturms im September 2025 hatte sich Bürgermeister Ingo Mehner stolz geäußert: „Dieser Turm ist der Hammer.“ Das spektakuläre, zwei Tonnen schwere Spielgerät besteht im Kern aus einem gelben Stahlgerüst mit einer Grundfläche von dreimal drei Metern und sieben Metern Höhe. Im Turm spannt sich ein scheinbar planloses Gewirr aus schwarzen Kunststoffseilen, über die Kinder ab einem Alter von fünf Jahren hinaufklettern können. Hinunter geht es über eine 10,80 Meter lange Röhrenrutsche.

„Für Kinder wahrlich ein Spielparadies“, kommentiert der Bund der Steuerzahler. „Doch auch die Kosten für die Kletteranlage können sich sehen lassen: 140.000 Euro!“ Der Verein stellt die Frage der Verhältnismäßigkeit und gelangt zu dem Schluss: „Ein funktionaler, sicherer und attraktiver Spielturm wäre auch mit deutlich geringeren Kosten realisierbar gewesen.“ Das Schlusswort des Bunds der Steuerzahler lautet: „Zu hoffen bleibt, dass sich viele Kinder auf dem Kletterturm tummeln werden. Sind allerdings die hohen Kosten für den Spielturm den Bad Tölzer Steuerzahlern noch vermittelbar?“

Bürgermeister verweist auf Qualität und Sicherheit

Ja, bei Investitionen müsse man sehr wohl die Frage stellen, „ob Preis und Leistung zusammenpassen“, sagt Bürgermeister Mehner gegenüber unserer Zeitung. Baukosten, aber auch Anschaffungskosten von Spielgeräten hätten sich in den vergangenen Jahren „in absolut unbefriedigende Höhen“ entwickelt. Und: „Es wäre auch legitim gewesen, anders zu entscheiden“, räumt er ein.

Doch Mehner weist auch darauf hin, dass man bewusst ein Klettergerüst aus deutscher Produktion ausgewählt habe – „mit hoher Qualität, besserer Langlebigkeit und der Möglichkeit, Einzelteile unkompliziert auszutauschen“. Dies hob die Stadt Bad Tölz auch in einer Stellungnahme gegenüber dem Bund der Steuerzahler hervor. An ein Spielgerät an einem öffentlichen Platz würden heute zu Recht sehr hohe Anforderungen gestellt. Dabei gehe es unter anderem um eine gefahrenfreie Nutzung, den Schutz vor Korrosion, die Möglichkeit des leichten Austausches von Verschleißteilen ohne große Folgekosten oder den Schutz vor Vandalismus.

Mehner sieht Kinder ohne Lobby

All das passt aus Mehners Sicht eigentlich genau zum Anliegen des Bunds der Steuerzahler, Folgekosten von Investitionen transparent zu machen und davor zu warnen, dass Kommunen in eine „Investitionsfalle“ treten.

Der Bund der Steuerzahler habe hier keine Planungsfehler oder Kostenüberschreitungen angeprangert, sondern das Klettergerüst und seine tatsächlichen Kosten an sich, konstatiert der Bürgermeister. Dass dies als „Steuerverschwendung“ bezeichnet wird, „zeigt für mich, wie schlecht die Lobby für Kinder in unserem Land ist“, erklärt Mehner. „Die kinderfeindliche Kritik des Bundes der Steuerzahler nehme ich als Ansporn, dass wir künftig noch mehr an der Zukunft unserer Gesellschaft und für das Wohl der Kinder arbeiten.“