Bundeskanzler im Saarland „Europa ist die Lösung“ – Merz beschwört europäischen Zusammenhalt bei Besuch in Saarlouis
Update | Saarlouis · Bundeskanzler Friedrich Merz war am Montag zu Gast im Saarland und besuchte dabei auch die Kreisstadt Saarlouis. Anlässlich einer dortigen Straßeneinweihung betonte der deutsche Regierungschef die Bedeutung Europas. Im Vorfeld wurde aber auch Kritik an der Politik von Merz laut.
28.09.2026 , 19:53 Uhr
Hoher Besuch in Saarlouis: Anlässlich der offiziellen Einweihung der Helmut-Kohl-Straße und der Rue François Mitterrand waren neben der Saarlouiser Rathausspitze bestehend aus Oberbürgermeister Marc Speicher (von rechts), Bürgermeister Carsten Quirin, Beigeordneter Gerald Purucker auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Generalkonsul Jérôme Spinoza ins Saarland gekommen.
Foto: Tom Peterson
Es ist ein großer Besuch, den das Saarland und die Europastadt Saarlouis am Montag erwartete. Zusammen mit Oberbürgermeister Marc Speicher hat Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) am frühen Abend die „Helmut-Kohl-Straße“ und die „Rue François Mitterrand“ offiziell eingeweiht. Beide Straßen sind über die Gustav-Heinemann-Brücke miteinander verbunden und bilden gewissermaßen die zentrale Einfahrt in die Saarlouiser Innenstadt.
Bundeskanzler Merz beschwört europäischen Gedanken bei Straßeneinweihung in Saarlouis
„Wir ehren heute zwei Staatsmänner, die sprichwörtlich Brücken geschlagen haben und die gezeigt haben, was die Kernregion Europas ist“, erklärte Saarlouis Oberbürgermeister anlässlich der feierlichen Einweihung der beiden Straßen. Saarlouis sei dabei nicht nur eine deutsche Stadt mit französischem Namen, sie sei „eine Stadt im Herzen von Europa, mit Europa im Herzen“, betonte Speicher.
Bei seinem Besuch in Saarlouis, anlässlich der offiziellen Einweihung der "Helmut-Kohl-Straße" und der "Rue François Mitterrand", betonte Bundeskanzler Friedrich Merz die Bedeutung eines geeinten Europas.
Foto: Tom Peterson
Auch Merz würdigte die beiden Staatsmänner Kohl und Mitterrand als „Brückenbauer“ und „große europäische Staatsmänner“, deren berühmter Handschlag in Verdun als „ein Symbol der menschlichen Fähigkeit zum Frieden“ noch heute viele Menschen inspiriere. Dabei beschwor der Bundeskanzler auch den europäischen Gedanken. „Europa ist die Lösung, Europa ist der Weg, mit dem wir unsere Art zu Leben sichern – frei, solidarisch und in rechtlicher Gleichheit“, erklärte Merz. Diese Werte müssten in der Welt auch heute noch weiterhin verteidigt werden, etwa durch hybride Angriffe.
Saar-Grüne fordern anlässlich von Merz-Besuch ein Ende der Grenzkontrollen
Auch wenn der deutsche Bundeskanzler sich am Montagabend in Saarlouis betont europäisch gab, im Vorfeld der Einweihung wurde auch Kritik an dessen Politik laut. So forderten die Saar-Grünen anlässlich der Straßenwidmung von Merz eine Beendigung der aktuellen Grenzkontrollen. „In Saarlouis sollen zwei Straßen, François Mitterrand und Helmut Kohl, als wichtige Wegbegleiter der deutsch-französischen Freundschaft gewidmet werden. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass ausgerechnet Friedrich Merz, der sich vehement für Grenzkontrollen im Schengenraum einsetzt, zu diesem Anlass spricht“, erklärt Volker Morbe, Landesvorsitzender der Grünen im Saarland.
Das Saarland im Dreiländereck sei demnach von den mehr als zwei Jahre andauernden Kontrollen besonders belastet. Der heutige Termin in Saarlouis „wäre eine gute Gelegenheit, endlich das Ende dieser teuren und ineffizienten Maßnahmen zu verkünden“, fordert Morbe.
Straßennamen führten bereits im Vorfeld zu Diskussionen
Und nicht nur die jetzige Einweihung selbst, auch die eigentliche – und bereits vor einiger Zeit erfolgte – Benennung der zwei Straßen nach Kohl und Mitterrand verlief in Saarlouis nicht völlig unumstritten. So war es in beiden Fällen im Saarlouiser Stadtrat im Vorfeld zu Diskussionen wegen der Straßennamen gekommen.
Denn Helmut Kohl wird zwar allgemein als „Kanzler der Einheit“ bezeichnet. Der 2017 verstorbene CDU-Politiker geriet aber auch wegen der Spendenaffäre seiner Partei in die Schlagzeilen. Der bereits 1996 verstorbene frühere französische Staatspräsident Mitterrand wird wiederum für seine Rolle während des Zweiten Weltkrieges unterschiedlich bewertet. Denn bevor Mitterrand sich der Résistance anschloss, arbeitete er für die damalige Vichy-Regierung. (str)