Stand: 24.09.2026, 19:00 Uhr
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Ex-Bürgermeisterkandidat Sven Adamietz verweigert das Abhängen seiner Wahlplakate und stellt diese weiterhin Grünen-Bewerberin Saskia Zwilling zur Verfügung. CDU und SPD positionieren sich dagegen in der Kandidatenfrage vor der Stichwahl nicht.
Achim – Die Achimerinnen und Achimer ab 16 Jahren entscheiden am Sonntag, wer vom 1. November an den Chefposten der Stadt bekommt. In der Stichwahl um das Bürgermeisteramt stehen sich Rainer Ditzfeld (64, parteilos) und Saskia Zwilling (27, Bündnis 90/Die Grünen) gegenüber. Sie hatten im ersten Durchgang am 13. September von den insgesamt sieben Kandidierenden die meisten und zweitmeisten Stimmen auf sich vereinigt. Amtsinhaber Ditzfeld gewann dabei mit einem Anteil von 43,5 Prozent deutlich, verpasste aber die absolute Mehrheit. Zwilling holte 15,8 Prozent der Stimmen, was ausreichte, die Kontrahenten von CDU und SPD aus dem Feld zu schlagen sowie die übrigen Bewerber zu distanzieren, und schaffte es damit in die Stichwahl.

Aber hat die junge Herausforderin von den Grünen angesichts des großen Vorsprungs, mit dem der „Platzhirsch“ mit seinem Amtsbonus ins „Finale“ geht, überhaupt eine realistische Chance, das Blatt noch zu wenden? Helfen könnten ihr sogenannte Wahlempfehlungen von anderen Parteien, insbesondere von CDU und SPD, die bei den Wahlen zum Stadtrat am 13. September auf den ersten beiden Plätzen gelandet sind. Doch derlei Unterstützung bleibt aus.
Dabei hatte Zwilling vor allem auf eine Wahlempfehlung der SPD gehofft. Denn im Rat stimmen Rote und Grüne in vielen Sachfragen überein.
„Unser Vorstand hat sich mehrheitlich gegen eine Wahlempfehlung ausgesprochen“, informiert dazu Achims SPD-Vorsitzende Petra Geisler auf Nachfrage. Hauptgrund sei, „dass wir uns mit unserem Wahlergebnis nicht in der Position sehen, Empfehlungen an andere auszusprechen“.
Der Vorstand der CDU Achim, der Ditzfeld einst angehörte, habe über das Thema beraten. „Wir waren uns alle einig, uns in der Frage in keiner Weise zu positionieren“, teilt Meiko Mindermann mit. Der stellvertretende Vorsitzende fügt hinzu: „Wir von der CDU geben die Empfehlung ab, wählen zu gehen.“ Die Bevölkerung sollte sich „mit den beiden Kandidaten beschäftigen und an der Demokratie teilnehmen“.
Etwas anders verhält es sich bei der AfD, die bei der Ratswahl hinter den Grünen den vierten Platz belegt hat und für die Bürgermeisterwahl keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte. „Wir haben ja von Anfang an hinter dem Kandidaten Ditzfeld gestanden, und so bleibt es auch“, lässt Fraktionsvorsitzender Joachim Munderloh wissen. Dazu gebe es „keine Beschlüsse irgendwelcher Gremien. Jeder ist selbst verantwortlich dafür, was er wählt.“
Allein der parteilose Ex-Bürgermeisterkandidat Sven Adamietz, früher Mitglied der Grünen-Fraktion, gibt eine klare Wahlempfehlung ab. Er ruft alle, die am 13. September hinter seinem Namen das Kreuzchen gemacht haben, dazu auf, diesmal Saskia Zwilling die Stimme zu geben.
Und Adamietz hält daran fest, diese Empfehlung für die Stichwahl auch weiterhin auf seinen Wahlplakaten im Stadtgebiet kundzutun. „Nein, der Aufforderung der Stadt, diese spätestens am 24. September abzuhängen, werde ich nicht nachkommen“, bekräftigte der 52-Jährige am Donnerstag auf Nachfrage. Selbst das von der Verwaltung angedrohte Bußgeld von bis zu 1.000 Euro ändere daran nichts.
Adamietz beruft sich bei seinem Handeln auf ein „schwammiges Schreiben“ der Stadt an die Grünen. Darin heißt es: „Die Plakatwerbung ist nach dem Wahltag unverzüglich, spätestens am 14. 09. .2026, zu entfernen. Bei einer Stichwahl (Bürgermeisterwahl) verlängert sich diese Sondernutzungserlaubnis bis 28. 09. 2026.“
Dort stehe nicht, wer in der Stichwahl sein muss, ob man selbst davon betroffen ist oder nicht. „Herr Adamietz hat daher nicht durch das Hängenlassen seiner Plakate gegen die Genehmigung gehandelt“, sagt auch Lennart Quiring, Vorsitzender der Achimer Grünen.
Und was sagt die Stadt dazu? „Leider ist die Formulierung in der Genehmigung nicht so eindeutig“, räumt Pressesprecher Kai Purschke auf Nachfrage ein. Allerdings sei die Gesetzeslage „glasklar und für jeden leicht nachzuvollziehen“, merkt er an. Das niedersächsische Straßengesetz zur Anbringung von Wahlplakaten regele unter anderem auch die Fristen. Auf dieser Grundlage werde die Stadtverwaltung „den Genehmigungstext für künftige Anlässe deutlicher formulieren“.
Sven Adamietz, der die Plakate „am kommenden Wochenende“ abhängen will, kritisiert die Parteien in Achim im Übrigen dafür, dass sie sich nicht dazu durchgerungen haben, Wahlempfehlungen pro Zwilling auszusprechen. Das sei ein „Armutszeugnis“. Im Wahlkampf habe er noch ganz andere Töne vernommen. „Viele wollten doch einen Wechsel auf dem Posten des Bürgermeisters.“