Chaos bei Bosnien-Wahl: Biometrie-Panne bremst halbes Land aus
Stand: 06.10.2026, 14:06 Uhr
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Erstmals wurden Wähler im ganzen Land biometrisch überprüft und Stimmzettel automatisch gescannt. Doch die neue Technik sorgte zum Start für Probleme: Nur gut die Hälfte der Wahllokale öffnete pünktlich.
Bosnien und Herzegowina – Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Bosnien und Herzegowina sind von technischen Problemen und einer niedrigen Wahlbeteiligung geprägt worden. Erstmals kamen landesweit biometrische Wählerkontrollen, Stimmzettelscanner und Videoüberwachung zum Einsatz. Die neue Technik wurde in rund 4.500 Wahllokalen eingesetzt und soll Wahlbetrug erschweren. Beim Start der Geräte und bei der biometrischen Identifizierung kam es jedoch zu Problemen. Besonders betroffen waren Menschen mit neu ausgestellten Ausweisen.
Viele Wahllokale öffnen später
Nur 52,1 Prozent der Wahllokale öffneten wie geplant. Weitere 37 Prozent nahmen den Betrieb innerhalb von 15 Minuten auf, 10,1 Prozent innerhalb einer Stunde. 0,8 Prozent öffneten erst nach acht Uhr.
Besonders viele Probleme wurden aus der überwiegend von Serben bewohnten Republika Srpska gemeldet. Dort kam es in 201 von insgesamt 1.957 Wahllokalen zu Verzögerungen. Defekte Scanner wurden ausgetauscht. Mehr als 4.000 technische Mitarbeiter und 500 Außendiensttechniker waren für die Behebung von Problemen im Einsatz. Wahllokale, die verspätet öffneten, verlängerten teilweise ihre Öffnungszeiten. Einige blieben bis 22 Uhr geöffnet.
Ausweis und biometrische Prüfung
Bei dieser Wahl mussten die Bürger erstmals einen gültigen Ausweis vorlegen und anschließend eine biometrische Überprüfung durchlaufen. Danach füllten sie weiterhin einen Stimmzettel aus Papier aus. Dieser wurde anschließend von einem Gerät gescannt. Die Ergebnisse der gescannten Stimmzettel werden direkt an die Zentrale Wahlkommission CIK übermittelt. Dadurch sollen Manipulationen erschwert und vorläufige Ergebnisse schneller verfügbar werden. Nach Angaben der BBC Soll die neue Technik ermöglichen, erste Auszählungsergebnisse bereits innerhalb einer Stunde nach Schließung der Wahllokale zu übermitteln.
Wahlbeteiligung bleibt niedrig
Bis elf Uhr hatten 11,94 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der Wahl 2022 waren es zu diesem Zeitpunkt 15 Prozent. Bis 15 Uhr stieg die Beteiligung auf 26,88 Prozent. Bis 18 Uhr hatten nach Angaben der Deutschen Welle 1.251.668 Menschen gewählt. Das entspricht 36,72 Prozent der insgesamt 3.408.517 registrierten Wahlberechtigten.
Bei der vorherigen Wahl 2022 lag die endgültige Wahlbeteiligung bei 51,45 Prozent. Rund 48.000 im Ausland lebende Bosnier waren diesmal im Wählerverzeichnis registriert.
Mehr als 7.000 Kandidaten
Die Wähler entschieden über zahlreiche Ämter auf unterschiedlichen politischen Ebenen. Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei weitgehend eigenständigen Landesteilen: der Föderation Bosnien und Herzegowina sowie der Republika Srpska. Hinzu kommen staatliche Institutionen und in der Föderation zehn Kantone.
Gewählt wurden unter anderem die drei Mitglieder des Staatspräsidiums, das staatliche Abgeordnetenhaus sowie die Parlamente der beiden Landesteile. In der Republika Srpska standen außerdem Präsident und Vizepräsidenten zur Wahl. Insgesamt traten 7.028 Kandidaten für 518 Ämter an. Sie gehörten 75 Parteien und 29 Koalitionen an oder kandidierten als Unabhängige. Zehn Kandidaten bewarben sich um die drei Sitze im Staatspräsidium.
Mit der technischen Umstellung sollen auch Probleme bekämpft werden, die bei früheren Wahlen für Kritik gesorgt hatten. Dazu gehörten Verstorbene, die weiterhin als aktive Wähler geführt wurden, sowie Säcke mit bereits ausgefüllten Stimmzetteln.
Auch bei dieser Wahl wurden Versuche gemeldet, bereits ausgefüllte Stimmzettel abzugeben. Rund 30.000 Beobachter überwachten die Abstimmung im ganzen Land. Zusätzlich waren 888 überparteiliche zivile Wahlbeobachter im Einsatz. Lediglich zwei Zwischenfälle machten nach den vorliegenden Angaben ein Eingreifen der Polizei erforderlich. (Redaktion)