Chaos-Partei BSW sprengte bislang jede Koalition: In Sachsen-Anhalt wegen AfD-Nähe wichtiger denn je
Stand: 08.09.2026, 08:14 Uhr
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Knapp schaffte das BSW die 5-Prozent-Hürde bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt. Das war nicht zu erwarten, schließlich versinkt die Partei andernorts in Chaos.
Magdeburg/Erfurt – Das BSW, benannt nach seiner Gründerin Sahra Wagenknecht, hat sich in der Vergangenheit nicht durch Geschlossenheit und eine einheitliche Linie ausgezeichnet. Das zeigt sich überall dort, wo das BSW an einer Regierung beteiligt war. Bereits im Januar sprengte die Partei die Koalition mit SPD-Ministerpräsident Ditmar Woidke in Brandenburg: Hintergrund war, dass sich die BSW-Fraktion überwarf und es zu zahlreichen Austritten kam. Kritik wurde am „autoritären Führungsstil“ in der Gesamtpartei laut.

In Thüringen nun ein ähnliches Bild. Dort konnte es die Parteispitze um Wagenknecht, die mittlerweile „nur noch“ Chefin der Grundsatzkommission ist, nicht lassen, sich in die Landespolitik von Thüringens Ex-BSW-Chefin Katja Wolf einzumischen. Gefordert wurde hier, Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nicht mehr zu unterstützen, nachdem diesem der Doktortitel entzogen worden war. Wolf lehnte das ab, trat mit zehn weiteren Abgeordneten aus dem BSW aus – und gründete die Partei Thüringen.Gerecht.
Beobachter sahen Ende der Partei: Jetzt wird das BSW in Sachsen-Anhalt wichtiger denn je
Beobachter hatten bereits das Ende der Partei vorausgesagt, die in erster Linie durch das Gesicht Wagenknechts repräsentiert wird und die im Westen keine Rolle spielt. Doch es kam anders. In Sachsen-Anhalt schaffte es das Bündnis mit 5,3 Prozent in den Landtag und könnte nun entscheidend zu einem AfD‑Ministerpräsidenten beitragen, da das BSW die einzige Partei ist, die die Zusammenarbeit mit dem als gesichert rechtsextrem eingestuften Landesverband nicht ausschließt.
Allerdings werden bislang noch Nebelkerzen gezündet und die offensichtlich realitätsferne Idee nach außen getragen, einen „überparteilichen“ Ministerpräsidenten anzustreben. Die Parteigründerin selbst war bereits im Juni mit dem „Magdeburger Modell“ hausieren gegangen und hatte gegenüber der dpa formuliert: „Wir fordern einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der in wichtigen Fragen den Mehrheitswillen in Sachsen-Anhalt vertritt.“
BSW-Parteivorsitzende Amira Mohamed Ali äußerte sich diesbezüglich bereits mehrfach nach der Wahl und betonte, dass nur ein überparteilicher Ministerpräsident in der Lage sei, „die Gräben im Land“ wieder zu schließen. Ali weiß aber auch, dass die AfD mit 43,8 Prozent knapp an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt ist und Ulrich Siegmund es kategorisch ausschließt, auf das Amt zu verzichten. Im Gegenteil, er will alleine regieren.
BSW kann sich Zusammenarbeit mit der AfD gut vorstellen
Vermutlich soll von den eigentlichen Zielen abgelenkt werden, die Claudia Wittig, BSW-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, noch am Wahlabend aussprach. Zwar wiederholte sie den Plan vom überparteilichen Ministerpräsidenten und gab an, weder Siegmund noch – „vielleicht noch weniger“ – Sven Schulze wählen zu wollen. Allerdings sagte sie auch bezogen auf die Wahl eines Ministerpräsidenten Siegmund: „Wenn es nicht anders geht, dann werden wir uns enthalten und dann haben die Wählerinnen und Wähler entschieden, wer der Ministerpräsident sein soll.“ Das wäre im dritten Wahlgang der Fall.
Da klar ist, dass das „Magdeburger Modell“ ein reines Strategieprodukt aus dem Hause Wagenknecht ist, dürfte es darauf hinauslaufen. Wie sehr bereits Nähe zwischen der AfD und dem BSW vorhanden ist, demonstrierte Wittig schon in der ARD mit Alice Weidel – die Harmonie zwischen den beiden drang bis ins heimische Wohnzimmer. Man habe von Anfang an gesagt, dass man „in der Sache entscheiden“ und „inhaltlich“ Politik werde, und natürlich gebe es Projekte, etwa „die Energiepreisproblematik“ – also eine neue Zusammenarbeit mit Russland –, die man mit der AfD gut machen könne, äußerte Wittig. Womit sie genau das sagte, was sowohl Wagenknecht als auch Weidel hören wollten. (Quellen: eigene Recherche, Thüringer Allgemeine, eigene Berichterstattung) (ktho)