Coop feiert Meilenstein mit 1000. Filiale in Emmenbrücke

Publiziert1. Oktober 2026, 07:12

Detailhandels-ExperteCoop eröffnet 1000. Filiale: «Das trifft vor allem die Migros»

Coop eröffnet am Donnerstag die 1000. Coop-Filiale in Emmenbrücke. Während Coop-CEO Philipp Wyss freudig weiteres Wachstum ankündigt, meint Detailhandels-Experte Jörg Staudacher, dass vor allem die Migros zu den Verlierern gehört. Dorfläden hätten dagegen ein anderes Problem.

Céline Trachsel

Darum gehts

  • Coop hat am Mittwochabend in Emmenbrücke die 1000. Filiale in der Schweiz eröffnet.
  • CEO Philipp Wyss kündigt weiteres Wachstum an: Jährlich sollen zehn bis 15 neue Filialen dazukommen.
  • Detailhandelsexperte Jörg Staudacher sieht die Migros als Hauptverliererin der Coop-Expansion.
  • Dorfläden hätten dagegen ein anderes Problem als drohende Konkurrenz von den grossen Detailhändlern: nämlich die Anpassung ihres Sortiments an die sich wandelnden Kundenbedürfnisse.

Coop eröffnete am Mittwochabend die 1000. Schweizer Filiale im Emmen Center in Emmenbrücke LU. «Coop hat das dichteste Verkaufsstellennetz der Schweiz und darauf bin ich stolz», sagt CEO Philipp Wyss an der Pressekonferenz. «Ich habe 2021 mal gesagt, wir wollen tausend Verkaufsstellen haben – und jetzt haben wir es geschafft.»

95 Prozent der Schweizer Bevölkerung erreichten nach seinen Angaben ein Coop in weniger als zehn Minuten. «Das zeigt, dass wir extrem nahe bei den Kunden sind.» Man setzte dabei nur auf bediente Läden. Wyss: «Wir wollen keine Verkaufsstellen ohne Personal.»

Den Erfolg verdanke Coop seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – und der klaren Expansionsstrategie mit 124 neuen Läden in den vergangenen Jahren. Coop investierte dabei 3,5 Milliarden in neue Verkaufsstellen und in die Erneuerung älterer Läden. «Rund die Hälfte unserer Filialen zeigen sich heute bereits im neuen Kleid», so Wyss.

20min/Céline Trachsel

Und Coop ist noch lange nicht fertig mit seiner Expansionsstrategie, wie der CEO durchblicken lässt. Jährlich sollen zehn bis 15 neue Filialen dazukommen.

«Verliererin ist eigentlich nur die Migros»

Die Eröffnung der 1000. Filiale von Coop sieht Detailhandelsexperte Jörg Staudacher positiv: «Coop setzt in Sachen Food einfach die Benchmark für die Schweiz – die Konkurrenz orientiert sich daran.»

Die neue Filiale schaffe neue Jobs. Dass Konkurrenten durch die Ausweitung des Filialnetzes verdrängt werden und möglicherweise Dorfläden in ihrer Existenz bedroht würden, sieht Staudacher nicht als Problem. «Verliererin ist eigentlich nur die Migros.»

In den Dörfern hätten kleinere Läden nicht das Problem von fehlenden Flächen, sondern Schwierigkeiten mit dem Sortiment: «Wenn sie nur Karotten und Eier und Milch anbieten, gehen die Kunden meistens halt anderswo hin – wo es vielleicht auch Matcha-Tee gibt.»

Gute Preisspanne bei Coop, während Migros M-Budget abbaut

Coop gehe mit seinem Sortiment gut auf Kundenbedürfnisse ein: «Es gibt eine gute Preisspanne: Man kann bei Coop mit ‹Prix Garantie› sehr günstig einkaufen, aber auch sehr teuer.» Migros dagegen habe unverständlicherweise die M-Budget-Linie verkleinert. Staudacher stellt fest: Die Detailhändler müssen heute auf veränderte Bedürfnisse und Trends eingehen können – etwa weniger Food-Waste oder weniger Zucker.

Wie beurteilst du Coops Wachstum auf 1000 Filialen?

Das ist für mich ein klares Zeichen von Stärke.

Ich finde das eher problematisch, weil die Grossen immer dominanter werden.

Solange die Preise und das Sortiment stimmen, ist mir die Filialzahl egal.

Ich gehe lieber zu kleineren Läden und finde den Ausbau nicht gut.

Ich kaufe hauptsächlich online und merke vom Filialwachstum wenig.

«Der individuelle Mehrwert aus den jeweiligen Produkten bekommt eine immer grössere Bedeutung für die einzelnen Segmente im Vergleich zum Produkt selbst. Coop erkennt die Kundenbedürfnisse und bietet eine okay-Lösung an – die Konkurrenz aber meistens eine schlechtere.»

Detailhändler schaden eigenem E-Commerce

Vor allem mit Coop Pronto und Coop To Go biete Coop im Food-Markt für alle etwas. «Migros hat ja vor eineinhalb Jahren angekündigt, in drei Jahren 140 neue Filialen zu eröffnen – damit wollen sie vor allem Coop Pronto angreifen. Mal sehen, ob es klappt.»

Einziger negativer Punkt im massiven Filialausbau: «Die grossen Detailhändler schaden damit ihrem eigenen E-Commerce. Dieser stagniert seit Jahren», so Staudacher. Und der Detailhandelsexperte findet: «Wirklich innovativ und kreativ ist keiner. Aber die Läden laufen trotzdem – das beweist, dass man auch ohne innovativ zu sein und ins Risiko zu gehen, Marktanteile gewinnen kann.»

Das sagt die Migros dazu

«Die Migros richtet ihre Strategie konsequent an den Bedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden aus. Entscheidend sind für uns ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, ein starkes Sortiment und eine hohe Kundennähe», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir,
Leiterin der Migros-Medienstelle. «Mit dem geplanten Ausbau von rund 140 Filialen bis 2030 wollen wir dort präsent sein, wo unsere Kundinnen und Kunden einkaufen möchten, und bestehende Versorgungs- und Standortlücken schliessen. Dabei setzen wir auf unterschiedliche Formate, die auf die jeweiligen regionalen Bedürfnisse zugeschnitten sind.» Dabei würden sich stationärer Handel und Online-Handel gegenseitig ergänzen.

Die Marke «M-Budget» bleibe zudem im Sortiment bestehen. «Einzelne Produkte werden künftig unter der Migros-Dachmarke geführt und erhalten ein neues Verpackungsdesign, der Preis bleibt unverändert. Die Migros investiert insgesamt 2,5 Milliarden Franken in attraktivere Preise, Sortimente und Filialen. Und seit Oktober 2024 fliessen jährlich 500 Millionen Franken in Preissenkungen.»

Der Wettbewerb im Schweizer Detailhandel sei intensiv, sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir. «Davon profitieren vor allem die Kundinnen und Kunden. Unser Fokus liegt nicht auf einzelnen Mitbewerbern, sondern darauf, unser Angebot in Bezug auf Preis, Sortiment, Qualität und Einkaufserlebnis kontinuierlich weiterzuentwickeln.»

Céline Trachsel

Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.

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