In der Innenstadt von Darmstadt haben sich am Samstag sogenannte Reichsbürger und eine deutlich höhere Zahl von Gegendemonstranten versammelt. Die Reichsbürger, deren Anhänger die Legitimität der Bundesrepublik und ihrer Rechtsordnung leugnen, hielten zunächst bis zum Spätnachmittag auf dem Karolinenplatz ein „Treffen der Bundesstaaten“ mit Teilnehmern aus ganz Deutschland ab.
Gegen 16.30 Uhr haben etwa 150 Anhänger der Reichsbürger einen Zug durch die Innenstadt begonnen, mussten aber schon nach einigen hundert Metern anhalten. Eine Gruppe von teils vermummten Blockierern hat sich in den Weg gestellt, um den Zug zu verhindern. Die Polizei hat die Blockierer aufgefordert, den Weg freizugeben.
Weil der Appell erfolglos verhallt, nimmt der Umzug der Reichsbürger schließlich einen anderen Weg. Der Polizei zufolge haben die Veranstalter zusammen mit der Stadt entschieden, auf einem kürzeren Weg zum Karolinenplatz zurückzukehren. Daraufhin löst sich auch die Blockade wieder auf.
Vor dieser Konfrontation haben beide Seiten schon Stunden im Stadtzentrum ausgeharrt. Redner der Gegenkundgebung vor dem Landesmuseum heben in ihren Ansprachen den Wert von Demokratie und Vielfalt hervor. Nach Angaben der Polizei sind etwa 200 Personen zu dem Treffen der Reichsbürger gekommen, während sich rund 800 Menschen der Gegendemonstration angeschlossen haben. Polizeiketten und Absperrungen trennen die beiden Gruppen voneinander.

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Auf Plakaten der Reichsbürger steht zum Beispiel „Ewiger Bund – Deutsches Reich“ neben den Farben Schwarz, Weiß und Rot, der Flagge des 1871 gegründeten Kaiserreichs, die bis 1919 deutsche Nationalflagge blieb. Die Teilstaaten des Kaiserreichs, etwa die Königsreiche Preußen und Bayern sowie das Großherzogtum Hessen, sind ebenfalls zu sehen. Teilnehmer tragen Flaggen mit deren Farben und Wappen. Einige Frauen tragen Tracht, andere Besucher T-Shirts in den Farben Schwarz, Weiß und Rot.
„Wahrheit gegen Geschichtsrevisionismus“
Auf der Gegenkundgebung hat am Mittag eine Rednerin aus der Partei Die Linke zum Eintreten gegen Antisemitismus aufgerufen. Dem Geschichtsrevisionismus der Reichsbürger müsse Wahrheit und Erinnerung entgegengesetzt werden, so die Frau. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden sei „Aufgabe für die Demokratie“. Anders als das historische Kaiserreich sei die Bundesrepublik von heute ein Staat mit freien Wahlen und Grundrechten – „und mit Menschen, die dafür sind, dass das so bleibt“.

Die Darmstädter Grünen-Stadtverordnete Eva Bredow-Cordier sagte in einem Redebeitrag, ihr bereite es besonders Sorgen, dass sich mehr und mehr junge Männer und Frauen der Szene der Reichsbürger anschlössen. Deren Weltbild sei von Paternalismus geprägt, Frauen würden auf die Rolle als Mutter beschränkt.