Stand: 11.08.2026, 18:19 Uhr
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Darmstädter Bestattunginstitut nutzt den Memento-Tag, um mit Kindern über Tod und Trauer zu sprechen.
Muss der Tod immer schwarz sein, oder gibt es ihn auch in bunt? Liegt man in einem Sarg bequem? Warum müssen manche Menschen weinen, wenn jemand gestorben ist, und andere nicht? Und wohin geht man eigentlich nach dem Tod?
Kinder stellen solche Fragen manchmal neugierig und unbefangen, manchmal besorgt, doch fast immer voller Mitgefühl. Wie sie selbst empfinden, wenn ein nahestehender Mensch oder auch das geliebte Haustier gestorben ist, ist für Erwachsene oft schwer zu erkennen. Gibt es in der Familie oder im nahen Umfeld einen Todesfall, sind auch sie oft voller Fragen und Unsicherheiten. Denn jede Trauer hat einen anderen Ausdruck und benötigt eine andere Form von Trost.
Mit Kindern über den Tod zu sprechen, braucht daher Mut und Ermutigung. Das Bestattungsinstitut „Sterben-Leben“ in Darmstadt-Eberstadt hat nun den internationalen Memento-Tag zum Anlass für eine entsprechende Ermutigung genommen. „Wie können wir mit Kindern in den Austausch über das Thema Tod und Trauer kommen? Das war die Ausgangsfrage für unsere Teilnahme am Memento-Tag“, erläuterte Geschäftsführer Tom Schröpfer. „Als Erwachsene finden wir oft nicht die richtigen Worte und fühlen uns hilflos, obwohl wir helfen möchten. Dabei übersehen wir manchmal, dass es die Kinder selbst sind, die die Nähe oder den Abstand zum Thema bestimmen.“
Generell sei es wichtig, Kinder nicht außen vor zu lassen, wenn es um Abschied und Bestattung geht. „Es ist verständlich, dass Eltern ihre Kinder schützen möchten. Doch wenn es Fragen gibt, auch zu Gefühlen, die vielleicht neu sind und unerklärlich, sollten wir versuchen, sie zu beantworten“, sagte Schröpfer. Häufig könne man Kinder rational weniger gut erreichen. „Über die sinnliche Wahrnehmung, übers Anschauen und Anfassen funktioniert es meist besser.“
Tod hat auch mit Geborgenheit zu tun
Anschauen, anfassen, hinhören – all das war beim Aktionstag möglich. Die für Kinder und Erwachsene spannendste Aktion war das Probeliegen in einem Sarg. Was zunächst etwas makaber wirkte, zeigte sich als bestens geeignet, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen. „Durch das Probeliegen entstehen oft Fragen. Manchmal werden auch Fragen beantwortet, allein dadurch, dass Menschen ein Gefühl dafür bekommen, dass der Tod auch etwas mit Geborgenheit zu tun haben kann“, sagte Sabine Eller.
Die Inhaberin von „Sterben-Leben“ hatte bereits zum dritten Mal anlässlich des Memento-Tags die Türen ihres Instituts geöffnet. Der Tag, der stets am 8. August begangen wird, soll das Thema Vergänglichkeit in den Blick rücken, ein Bewusstsein für die Endlichkeit schaffen und Tod und Trauer aus der Tabuzone holen.
„Wir möchten einen Raum geben, an dem Menschen auf verschiedene Weise Abschied nehmen können“, erläuterte Eller. „Die Trennung kann Angst und Verlustempfindungen auslösen. Ebenso kann aber auch die liebevolle Verbundenheit auf eine andere Ebene kommen.“
Unterstützung bieten Henrick Clausing und sein Hund Filou. Der braune Mischling ist Trauerbegleithund und schon mit vielen Menschen durch die Phase des Abschiednehmens und der Trauer gegangen.
Was ist sein Geheimnis? „Filou stellt keine Forderungen, ist nicht aufdringlich, überfrachtet die Menschen nicht mit Erwartungen. Er ist einfach da“, sagte Henrick Clausing, der als Trauerredner arbeitet. Hund und Herrchen hätten jeweils auf ihre Art die Fähigkeit, hinzuhören statt nur zuzuhören, sagte er.
Der Trauerbegleithund schaffe außerdem eine Verbindung zwischen den zwei Welten: der lebendigen und der vergangenen. Eine ähnliche Aufgabe haben die Pferde von Pia Horneff. „In der Trauerbegleitung bringen Pferde oft etwas in der Seele der trauernden Menschen in Bewegung, besonders bei Kindern. Indem ich frage, welches Pferd stark genug wäre, um die gerade bestehenden Gefühle zu tragen, kommen Kinder oft in den Austausch. Die Verbindung zum Pferd ermöglicht es ihnen, sich zu artikulieren“, sagte Horneff.
Und wie liegt es sich nun in einem Sarg? Die meisten, die Probe gelegen haben, entstiegen ihm nach zehn Sekunden bei geschlossenem Deckel erleichtert, aber ohne Furcht. „Es ist eigentlich ganz gemütlich“, meinte Lotta, eine der jungen Besucherinnen. „Angst hatte ich nicht.“