In Frankfurt schließen immer mehr kleine Schülerläden und Horte, in denen Grundschulkinder nach Schulschluss betreut werden. Nachdem im vergangenen Jahr im Nordend die „Rote Eule“, eine Keimzelle der reformpädagogischen Bewegung der Schülerläden, geschlossen wurde, trifft es nun das „Räubernest“ in Bornheim. Ebenfalls im vergangenen Jahr wurde der Schülerhort „Dachsburg“ in Berkersheim geschlossen.
Die Eltern werfen der Stadt vor, unsensibel mit der Tradition der Schülerläden umzugehen und diese Einrichtungen zu wenig zu unterstützen: „Die Kinder- und Schülerladenbewegung ist ein immaterielles Kulturgut dieser Stadt, das mit dem Sterben der Horte langfristig ausgelöscht wird“, sagt Luvena Kopp von der Elterninitiative zum Erhalt des „Räubernestes“.
Die Gründe für das sogenannte Hortsterben sind vielschichtig. Bei der „Roten Eule“ waren es bauliche Probleme, die eine Sanierung des Gebäudes derart erschwerten, dass sie am Ende unwirtschaftlich wurde. Die „Dachsburg“ scheiterte an der wachsenden Konkurrenz durch die schulinterne Nachmittagsbetreuung im Schulbezirk, die die Stadt an allen Grundschulen ausbaut, um den neu eingeführten Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze für Grundschulkinder zu erfüllen. Und beim „Räubernest“ läuft der Mietvertrag aus.
Beliebt bei den Eltern im Schulbezirk
In der Einrichtung in Bornheim werden derzeit 25 Kinder betreut. Der Schülerladen besteht seit rund drei Jahrzehnten und befindet sich im Erdgeschoss eines Gründerzeitgebäudes. Wie Christian Strickstrock, Geschäftsführer des Trägers Beratungs- und Verwaltungszentrum (BVZ), erläutert, deutete sich schon vor fünf Jahren an, dass der Eigentümer den Mietvertrag ein letztes Mal verlängern und dann zum Sommer 2027 beenden würde. Das BVZ habe deshalb frühzeitig nach einer neuen Liegenschaft für den Schülerladen gesucht, der bei den Eltern im Schulbezirk der Linnéschule stets auf eine große Nachfrage gestoßen sei.

Allerdings habe das Stadtschulamt im Juni seine Bedarfsplanung aktualisiert und signalisiert, dass keine weiteren Betreuungsplätze in diesem Schulbezirk benötigt würden. Die absehbare Schließung des „Räubernests“ habe die Stadt veranlasst, bei anderen Trägern Kapazitäten zu schaffen, teilt Strickstrock mit. „Eine langfristig tragfähige Bedarfsgrundlage für den Erhalt der 25 Hortplätze im Räubernest an einem neuen Standort wird daher nicht mehr gesehen.“ Die Suche nach einem Ersatzstandort wurde eingestellt.
Strickstrock bedauert das: Die Entscheidung stehe ausdrücklich nicht im Zusammenhang mit der Qualität der pädagogischen Arbeit des „Räubernests“. „Die große Unterstützung aus Elternschaft und Stadtteil zeigt vielmehr, welchen Stellenwert die Einrichtung über viele Jahre für Kinder und Familien hatte. Die Einrichtung war und ist im Stadtteil etabliert und bei Eltern gefragt.“
Abhängig vom Stadtschulamt
Die Träger der externen Horte für Grundschulkinder sind vom Stadtschulamt abhängig, denn die Stadt finanziert die Betreuungsplätze. Die Kosten für Personal und Ausstattung der Horte werden von der Stadt übernommen, die Elternbeiträge decken nur einen kleinen Teil. Wenn das Stadtschulamt feststellt, dass die Versorgung mit Betreuungsplätzen in einem Schulbezirk auskömmlich ist, kann ein Träger sich daher nicht darüber hinwegsetzen.

Die Stadt ist der Meinung, dass dies in Bornheim der Fall ist, denn für die verbleibenden Kinder gebe es Betreuungsangebote in anderen Einrichtungen. „Wir haben keinen Einfluss darauf, dass der Mietvertrag nicht verlängert wurde“, sagt die Sprecherin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Auch nach der Schließung des „Räubernestes“ könne der Bedarf an Betreuungsplätzen im Schulbezirk gedeckt werden, zumal die Kinderzahlen in diesem und den benachbarten Schulbezirken rückläufig seien.
„Perspektivisch würde der Schülerladen seine Plätze nicht belegen können“, meint die Sprecherin. Daher sei es nicht sinnvoll, den Hort weiterzuführen. Die Familien könnten ihre Kinder frühzeitig für andere Horte im Schulbezirk und für die Ganztagsbetreuung der Linnéschule vormerken lassen. „Wir verstehen durchaus, dass der Verlust eines gut im Stadtteil verankerten Hortes, den manche Eltern vielleicht noch selbst besucht haben, einen Verlust bedeutet. Wir sehen aber angesichts der oben beschriebenen Bedingungen keine andere Perspektive“, sagt die Sprecherin.
Eltern vermuten hinter den Schließungen ein System
Die Eltern überzeugt das nicht. Die Stadt verhindere den Umzug und damit den Fortbestand des Hortes, sagt Elternvertreterin Kopp. Die Familien hätten ihre Kinder wegen des herausragenden pädagogischen Angebots im „Räubernest“ angemeldet. Für die Kinder sei die Einrichtung ein zweites Zuhause mit einer überschaubaren Gruppe und festen Bezugspersonen – ein Ort, an dem sie nach einem langen, oft anstrengenden Schultag ankommen könnten. „Dass ein sehr gut laufender und gefragter Hort schließen muss, macht aus unserer Sicht keinen Sinn. Niemand würde auf die Idee kommen, heute einen gut laufenden und rentablen Betrieb zu schließen mit der Begründung, dass dieser irgendwann in der Zukunft nicht mehr gebraucht wird“, sagt Kopp.
Sie meint, dass die externen Horte durch den übermäßigen Ausbau der schulinternen Ganztagsbetreuung systematisch benachteiligt werden. Die Schließung des „Räubernests“ reihe sich neben anderen Hortschließungen ein. „Kleine, funktionierende Einrichtungen mit Herz, Seele und Geschichte müssen daran glauben, damit die Kinder alle schrittweise in den Schulen untergebracht werden können.“
Hinzu komme, dass die Ersatzplätze teilweise im benachbarten Schulbezirk lägen. Auf dem Weg dorthin müssten die Kinder eine mehrspurige Straße und eine Straßenbahnlinie überqueren, die weder durch eine Ampel noch durch Schranken gesichert seien. Auch die Schulleitung der Linnéschule sehe Bedarf für das „Räubernest“ und habe eine abermalige Prüfung der Situation angeregt.
Die Eltern wollen weiter für den Erhalt der Einrichtung kämpfen. Sie haben eine Petition gestartet, die inzwischen mehr als 1000 Unterstützer gefunden hat. Und auch im Bildungsausschuss melden sie ihren Protest an.