Das gelbe „Ö“ feiert Geburtstag: Vor 20 Jahren wurde der Hochrhöner als Premiumwanderweg zertifiziert
Stand: 05.08.2026, 18:53 Uhr
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Seit 20 Jahren verbindet der Hochrhöner Bad Kissingen in der bayerischen Rhön mit Bad Salzungen in Thüringen. Der 172 Kilometer lange Premiumwanderweg gilt als das Leitprodukt im Rhöner Wandertourismus.
Rhön – Julia (44) und Marc Beier (43) leben mit ihren drei Kindern in Elters in der hessischen Rhön. Als Paar sind sie den Hochrhöner etappenweise gelaufen – und schätzen ihn auch als Einheimische, um sich die Heimat zu erwandern. „Man fühlt sich weit weg, obwohl man nur einen Steinwurf von zu Hause entfernt ist“, sagen sie.
„Es ist ein tolles Gefühl, auch etwas Stolz, in die offenen Fernen zu blicken und zu sehen: Das alles haben wir uns schon erwandert.“ Besonders reizvoll finden sie, dass der Hochrhöner die Vielseitigkeit der Rhöner Landschaft widerspiegele und dass sich einsame Passagen mit Highlights abwechselten.
Beliebter Weitwanderweg in der Rhön – der Hochrhöner wird 20
„An Marcs 30. Geburtstag haben wir den Kreuzberg erreicht und dort angestoßen“, erzählt Julia Beier, die beim Kreisgesundheitsamt als Ärztin arbeitet. Ihr Mann, Leiter der Musikschule in Schlitz, berichtet von einem anderen Erlebnis: An einem Regentag erreichten die beiden endlich das Thüringer Rhönhäuschen, wo eine Übernachtung geplant war. Allerdings war die telefonische Reservierung offenbar untergegangen.
Trotz Ruhetags wurden die müden und durchnässten Wanderer aufgenommen. Am nächsten Morgen war das Wetter keine Spur besser. Zum Aufwärmen gab es von der mitleidigen Wirtin einen Schnaps mit auf den Weg. „Das war original Rhöner Charme“, kommentiert Beier schmunzelnd.
Drei Varianten
1. Die westliche Route über die Kuppenrhön (136 Kilometer) bietet mit Milseburg, Wasserkuppe, Kreuzberg und Rotem Moor zahlreiche Panorama-Momente und ist mit 3635 Höhenmetern im Aufstieg am anspruchsvollsten.
2. Die östliche Route über die Lange Rhön (122 Kilometer) führt über Heidelstein, Schwarzes Moor und Ellenbogen (2745 Höhenmeter).
3. Die Hochrhönrunde über Wasserkuppe, Milseburg und Frankenheim ist 87 Kilometer lang bei 2127 Höhenmetern.
Sein Faible für den Hochrhöner hat das Ehepaar an seinen Nachwuchs weitergegeben. In den Osterferien machte sich die Familie gemeinsam auf den Weg von Elters nach Bad Salzungen. „Ich wandere besonders gern, wenn ich weiß, dass ein Kletterspielplatz auf der Route liegt“, sagt Alicia (12). So wurde in Gotthards der Wasserspielplatz für eine Pause genutzt. Elena (9) gefiel der Rhönpaulus-Weg bei Glattbach besonders gut, der auf gleicher Strecke wie der Hochrhöner verläuft: „In der Räuberhöhle haben wir eine Schatzkiste gefunden, aus der man sich etwas herausnehmen durfte.“ Auch die Rast an der Hexenlinde bei Klings machte den Kindern Spaß, weil sie von einer Tafel die spannende Sage zu dem Platz erfuhren.
Premiumwanderweg wird regelmäßig überprüft und angepasst
Über die Hexenlinde führt der Hochrhöner erst seit einigen Jahren. „Ein Premiumwanderweg lebt davon, dass er regelmäßig überprüft und an aktuelle Anforderungen angepasst wird. Er ist kein statisches Produkt“, betont Antje Meyer, die bei der Rhön GmbH als Projektmanagerin für den Hochrhöner zuständig ist. Streckenanpassungen können unterschiedliche Gründe haben: Veränderungen bei Eigentumsverhältnissen, Anforderungen zum Schutz von Flora und Fauna oder die Möglichkeit, das Wandererlebnis weiter zu verbessern. Anlässlich des 20. Jubiläums wurde in diesem Jahr zwischen Obernüst und Habel ein Rastplatz mit Spielgeräten neu angelegt.
Ergänzt wird der Hochrhöner durch sogenannte Extratouren, beschilderte Rundwanderwege, die als Tagestouren unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit gegangen werden können. Darunter ist beispielsweise die Extratour Gersfeld, die offiziell im April 2025 eröffnet wurde. Der gut 12 Kilometer lange „Ehrenberger“ wurde im vergangenen Jahr gar als bestbewerteter Premiumwanderweg der Rhön ausgezeichnet.

Familie Beier hat bei mehrtägigen Wanderungen einen geräumigen, geländetauglichen Fahrradanhänger dabei, zunächst als Transportmittel für Nesthäkchen Frederic (6), inzwischen vor allem, um Gepäck unterzubringen. Viele Unterkünfte bieten einen Gepäcktransfer an. Zu diesem Arrangement berät das Kompetenzzentrum der Rhön GmbH ebenso wie zu allen anderen Fragen rund um den Premiumwanderweg. Für die Rhön GmbH ist der Hochrhöner „das Leitprodukt im Wandertourismus der Rhön und eines der wichtigsten touristischen Aushängeschilder der Region.“
Zwei Gastronomen aus Tann bestätigen die Anziehungskraft der Marke. Die historische Rhönstadt ist neben den Start- und Zielorten die einzige Ortschaft, durch die der Wanderweg hindurchführt. „Der Hochrhöner hat absolut positiven Einfluss auf die Übernachtungen“, ist Marcus Mihm, Inhaber des Gasthauses Zur Krone, überzeugt.
Wanderer wünschen sich mehr Campingmöglichkeiten entlang des Hochrhöners
Auch das Hotel zum Rathaus in Tann habe dem Hochrhöner viele Wandergäste zu verdanken, stellt Besitzer Eike Pischko fest. „Es läuft sehr gut“, sagt er über die Zusammenarbeit mit der Rhön GmbH. Unterdessen kann man im Lothar-Mai-Haus in Steens keine Aussage darüber treffen, ob viele der Gäste speziell auf dem Hochrhöner unterwegs sind.
Dr. Sofie Reincke (54) übernachtete in dem Hotel am Fuß der Milseburg, als sie im Juli vor fünf Jahren auf eigene Faust die Kuppenrhön-Variante des Hochrhöners erkundete. Die Ärztin aus Kelkheim war mit Zelt und Schlafsack unterwegs, aber entschied sich wegen Regens und mangels eines offiziellen Biwakplatzes für die Hotelübernachtung. „Einige mehr Campingmöglichkeiten, gerne auch Primitivplätze wie im Hunsrück, deren Koordinaten man gegen Anmeldung und eine kleine Gebühr erhält, wären hilfreich“, schrieb sie in ihrem Blog über die siebentägige Tour.
Das Siegel
Um vom Deutschen Wanderinstitut mit dem Wandersiegel für Premiumwege ausgezeichnet zu werden, muss ein Weg sehr gut markiert sein und einen besonders hohen Erlebniswert bieten: Dazu gehören Aussichten, Waldbilder, Gewässer, Felsstrukturen, kulturhistorische Kleinode und vieles mehr.
Das Deutsche Wanderinstitut ist ein Zusammenschluss von Wanderexperten, die auf Grundlage wissenschaftlicher Forschung das Wandern als Naturerfahrung und touristisches Angebot unter Berücksichtigung des Naturschutzes fördern und dem Tourismus die entsprechenden Marketinginstrumente zur Verfügung stellen. Eine Zertifizierung ist drei Jahre lang gültig, das aktuelle Wandersiegel des Hochrhöners gilt bis November 2027.
„Die Nachfrage nach naturnahen Übernachtungsmöglichkeiten ist da“, weiß Ranger Michael Müller aus der Erfahrung mit Wildcampern. Die Gemeinde Empfertshausen hat vergangenes Jahr am Horbel drei hölzerne Butzen errichtet, die im Juli in Betrieb gehen sollten. Nun hofft sie, dass die Stelzenhäuser noch in dieser Saison genutzt werden können.
In Hessen sollen „Nachtfalter“ ein Übernachten inmitten der Natur ermöglichen. Entworfen wurden die mit Schlafnetz und wasserfestem Schutz versehenen Holzgerüste von Studierenden der Kunsthochschule Kassel. Bevor die ersten Wanderer darin übernachten, wird es wohl noch eine Weile dauern: Aktuell ist das Stück auf einer Designermesse in Wiesbaden ausgestellt, wo es für einen Wettbewerb bis Ende des Jahres auch bleibt, verrät Müller. Der Prototyp in der Nähe des Fuldaer Hauses kann bereits gemietet werden. (Von Sandra Limpert)