
Empfehlungen der Redaktion
Dass eine aktuell aufstrebende Band, die das Herz am linken Fleck hat, am Tag der Deutschen Einheit das Zenith vollmacht, läuft gut rein. Während Das Lumpenpack im Netz reichlich Hate von rechts einfährt (wie Sänger Jonas Frömming eingangs verrät), gibt es für das Gewissen der hiesigen Musiklandschaft am Stadtrand der bayerischen Landeshauptstadt nur Liebe. Als örtlicher Veranstalter fungiert passenderweise das Backstage, das politisch bekanntlich weiß, wo der Bauer den Most holt.
Kochkraft durch KMA eröffnet den Abend

Los geht es mit Kochkraft durch KMA, die in vergleichsweise ungewöhnlichem Line-up mit Sängerin Lana Giese, Gitarrist Sebastian Mellen, Schlagzeuger Beray Habip und Electro-Meisterin Nicki Frenking aufschlagen. Letztere stammt aus München und ist grad extrem geflasht davon, dass sie, nachdem sie diversen Weltstars im Fröttmaninger Akustikschlauch zugejubelt hat, nun selbst dort auf der Bühne steht. Irgendwo zwischen Großstadtgeflüster und Jennifer Rostock rotzt das Quartett sein Liedgut der Menge mit jeder Menge Attitüde vor die Füße. Werbung für die eigene Tour im Herbst verbindet Giese mit einem kleinen Diss gegen Großkonzerne: „Wir haben Tickets mit beim Merch, Eventim kriegt keinen Cent davon!“ Das kommt an. Dennoch fragt sich: Wo bleibt das „Kernkraft 400“-Cover?
Das Lumpenpack eröffnet sein größtes Solokonzert
In der Umbaupause mischt sich Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller (der bekanntlich einen Song auf dem aktuellen Das-Lumpenpack-Werk „Bevor der Mut dich verlässt“ veredelt hat) unter die Zuschauer, um dem Start der Show beizuwohnen. Mit dem Titeltrack eröffnet das Quintett energetisch sein bislang größtes Solokonzert seiner Geschichte. Obligatorisch folgen unter anderem die programmatische Vorgabe „Schluss mit Reden“ sowie die Linksruck-Androhung „Kruppstahl, Baby“. Fans wissen: Frömming ist ziemlich mitteilungsbedürftig. Der Bühnenderwisch ordnet das so ein: „Ich geh euch jetzt zwei Stunden aufn Sack, dazwischen spielen wir Lieder.“
Hits, Gastauftritte und Mitsingmomente
Lieder wie den lauthals vom Auditorium mitgesungenen Schlager „Kann es sein, dass du dumm bist“ oder „Clubs dieser Stadt“, welches Das Lumpenpack im The-Killers-Klassiker „Mr. Brightside“ münden lässt. Mindestens genauso zwingend in die Beine fährt „Kraft der Musik“, das die Indie-Rocker zwischendurch immer wieder kurz anzocken, wenn es sich auf alberne Weise inhaltlich irgendwie einbinden lässt. Zu „Boys“ eröffnet Jonas traditionell einen Pit ausschließlich für Flinta-Personen, außerdem gibt sich noch Lana Giese von Kochkraft durch KMA die Gasteinlagenehre. Kurze Zeit später ist dann Peter Brugger an der Reihe und löst bei „Wand“ Jubelstürme in der Meute aus.

Gitarrist/Sänger Maximilian Kennel crowdsurft zum Ende des Stückes im Rennfahreranzug des zugehörigen Musikvideos zur zweiten, kleinen Bühne in der Nähe des Mischpults. Dort taucht auch gleich Frömming auf – zusammen geben die beiden Bandgründer den Singalong „Hauch mich mal an“ zum Besten, nur um sich während „Früher war alles besser, außer manches“ mit Hinweis auf den Mitgliederzuwachs im Jahr 2020 wieder den Weg zur Hauptbühne zu bahnen.
Die Zugabe
Weiter folgen mit „Mein Hass“ und „Alles schwarz“ noch umjubelte Momente, worauf Das Lumpenpack die Zugabe mit „Pädagogen“ (der Ode auf Freunde mit nützlichen Berufen) einläutet – inklusive Blockflöte, die es laut Jonas „nie gegeben hat, die bleibt unter uns“. Nach „Die Nacht“ und „Rücken an Rücken“ entlässt die Band der Stunde die Zuschauer, die sich auf dem Heimweg an unzähligen Trachtträgern vorbeischlängeln müssen.
Lothar Gerber