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Die Stimmung in der Arena erinnerte an längst vergangene Europapokal-Schlachten, als es Schalke 04 regelmäßig mit Real Madrid aufnahm, Manchester City und die Mailänder Großklubs herausforderte. Nun stemmten sich elf Schalker auf dem Rasen und 60.000 auf den Rängen gegen die Übermacht des Rekordmeisters, und als das 0:0 gegen Bayern München am zweiten Bundesliga-Spieltag durch den Abpfiff von Schiedsrichter Robert Schröder besiegelt war, erlebte Gelsenkirchen eine Samstagnacht wie nach einem Derbysieg gegen den Reviernachbarn Borussia Dortmund.
Schalke-Fans sind nach 0:0 „stolz auf ihr Team“
Die erste, wichtigste Erkenntnis der Schalker nach dem faszinierend erkämpften Punktgewinn war, dass sie doch in der Bundesliga mithalten können. Nach dem trostlosen 0:3-Auftakt in Augsburg hatte es da erste Zweifel gegeben. „Wenn du gegen solch einen Gegner punkten willst, muss viel funktionieren. Wir hatten einen guten Plan – aber er musste nahezu in Perfektion ausgeführt werden“, sagte der glückliche Schalke-Trainer Miron Muslic. 125 Kilometer spulten die Schalker ab, peitschten nach vielen gewonnenen Zweikämpfen das Publikum an. Das dankte und rief nach dem Abpfiff: „Wir sind stolz auf unser Team.“ Bayerns Trainer Vincent Kompany lobte den Gegner, der „aggressiv“ aufgetreten sei und sich den Punkt verdient habe.
Das war eine ganz rationale Entscheidung.
Vincent Kompany, Bayern-Trainer, über die Bankdrücker Harry Kane und Michael Olise
Die Bayern schalteten zwar nach dem Spiel in den „Kann-passieren-alles-nicht-so-schlimm“-Modus, haderten aber doch mit ihrer schwachen Chancenauswertung, die dafür sorgte, dass sie zum ersten Mal nach 59 Pflichtspielen ohne eigenen Treffer blieben und nach rund zwei Jahren die Tabellenführung der Bundesliga einbüßten – und das ausgerechnet bei einem Bundesliga-Aufsteiger in der Findungsphase. Es war, als zweite Erkenntnis, nicht klug von Trainer Kompany, auf seine beiden Offensivkünstler Harry Kane und Michael Olise zunächst zu verzichten und sie erst nach der Pause einzuwechseln. „Das war eine ganz rationale Entscheidung“, rechtfertigte sich Kompany nach dem Spiel. „Das Pokalspiel in Osnabrück hat auch Kraft gekostet. Da kannst du nicht immer diese volle Belastung auf diese Jungs packen.“

Bankdrücker: Harry Kane schaute sich die erste Halbzeit von draußen an.© firo | Jürgen Fromme
Bayerns Sportvorstand Max Eberl wollte ebenfalls nicht meckern: „Wenn dieses Spiel zehnmal so läuft, gewinnen wir es neunmal. Heute war eben das eine Spiel, das wir nicht gewinnen.“ Jamal Musiala feierte nach seinen beiden Zusammenbrüchen ein Comeback. Er spielte ein paar hübsche Pässe, aber auch er hatte nicht die entscheidende, magische Idee. Am Donnerstag (21 Uhr) dürften wenigstens Kane und Olise wieder erste Wahl sein, wenn der norwegische Klub FK Bodö/Glimt zum ersten Champions-League-Spiel nach München kommt.
Warum den Bayern auf Schalke kein Tor gelang? Aus dem Spiel der Torhüter ging der Schalker Loris Karius, das ist die dritte Erkenntnis, als sportlicher Sieger hervor. Karius zeigte nach Schüssen von Nathaniel Brown (13.), Michael Olise (58.) und Harry Kane (87.) erstklassige Paraden, war auch bei zahlreichen Ecken unüberwindbar. Schalke-Direktor Youri Mulder blickte voraus: In wenigen Tagen gibt Bundestrainer Jürgen Klopp seinen ersten DFB-Kader bekannt. „Loris war nationalmannschaftsleistungsfähig“, sagte der Niederländer Mulder.
Und sein prominenter Torwart-Kontrahent? „Er ist die richtige Wahl zum Spieler des Spiels“, sagte Bayern-Torwart Manuel Neuer anerkennend. Der 40-Jährige hatte einen emotionalen Abend erlebt, obwohl er weitgehend beschäftigungslos war. Zum wahrscheinlich letzten Mal stand er in einem Spiel bei seinem Herzens- und Ausbildungsverein zwischen den Pfosten. Auf der Tribüne saßen seine Familie und seine Freunde. Von Teilen der Fans wurde er aber wüst ausgepfiffen und mit Pfiffen bei jedem Ballkontakt begleitet. Sie haben ihm den Wechsel vor 15 Jahren immer noch nicht verziehen. Das nahm Neuer aber mit einem Lächeln: „Das ist eigentlich Liebe. Jeder Pfiff bedeutet ein Kompliment.“
Torhüter Karius und Neuer tauschen die Trikots
Schalkes größtes Plus, und das ist die vierte Erkenntnis, ist das Publikum in der heimischen Arena. Zum 15. Mal in Folge blieb Schalke daheim unbesiegt. Glücklich sagte Ex-Nationalspieler Robin Gosens nach seiner Heimspiel-Premiere: „Ich genieße diesen Augenblick. Viel schöner hätte ich mir mein erstes Pflichtspiel als Schalker in der Arena nicht vorstellen können.“
In der Kabine endete der Abend nach einem harten Kampf friedlich. Die Torhüter tauschten ihre Trikots, Kompany herzte Karius. Die Wege der Beiden hatten sich einst bei Manchester City gekreuzt. „Er ist ein Top-Trainer“, lobte Karius. Aber für einen Sieg auf Schalke reichte es nicht.