Debatte um Renten-Reform: Wirtschaftsweiser Werding will Witwenrente abschaffen

Vier Senioren blicken von der Seebrücke in Binz

AUDIO: ARD-Interview: Frei plädiert für "soziale Schutzrente" (1 Min)

Rentendebatte

Neue Vorschläge: "Schutzrente" und Aus für Witwenrente

Stand: 07.08.2026 20:59 Uhr

Im Streit um die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren schlägt Unionsfraktionschef Thorsten Frei als Kompromiss eine "soziale Schutzrente" vor. Der Wirtschaftsweise Martin Werding will die Witwenrente abschaffen – wie es auch Schweden gemacht hat.

von MDR AKTUELL

Frei: "Rente mit 63" nur noch für die wirklich Bedürftigen

In der Debatte um die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren hat der neue Unionsfraktionschef Thorsten Frei einen Kompromiss vorgeschlagen. Der CDU-Politiker plädierte im ARD-"Interview der Woche" für eine sogenannte soziale Schutzrente für jene Menschen, die wegen körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen nicht mehr in einem anstrengenden Beruf arbeiten können.

Frei verwies auf Studien, wonach die "Rente mit 63" überwiegend von Männern genutzt werde, sowie Älteren, die wohlhabender und gesünder seien. Die soziale Schutzrente ziele hingegen auf Arbeitnehmer, die diese Frührente wirklich benötigten.

Zwei ältere Menschen gehen am Stock und mit Rollator spazieren.

Zugleich verteidigte Frei die Vorschläge der Rentenkommission als "fein austarierte Jahrhundertreform" zur Finanzierung der Renten für die nächsten 25 Jahre. Das sei nicht nur ein Kompromiss zwischen Union und SPD, sondern zwischen den Generationen. Er zeigte sich "nicht glücklich", dass die CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen die geplante Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren infrage stellten.

Video: Dialog um Rentendebatte innerhalb der CDU (3 Min)

SPD-Fraktionschef Wiese will Härtefallregelung

Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese. Für die SPD stehe das Aus für die sogenannte Rente mit 63 "nicht auf Platz eins". Gleichwohl warnte er davor, einzelne Elemente aus dem Reformpaket herauszunehmen: "Dann wird das Ganze instabil". Er warb für eine Härtefallregelung für besonders belastete Gruppen, insbesondere für "hart arbeitende Schichtarbeiter".

Zugleich pochte Wiese für die Reform auf Vertrauensschutz. Es dürfe "keine harte Abbruchkante geben". Viele Menschen hätten ihre Lebensplanung auf die geltenden Regelungen ausgerichtet.

Wirtschaftsweiser Werding will Rentensplitting statt Witwenrente

Der Wirtschaftsweise Martin Werding hat eine Abschaffung der Witwenrente vorgeschlagen. Er sagte der "Rheinischen Post": "Die Witwenrente ist nicht mehr zeitgemäß, heute können Frauen selbst vorsorgen." Das Familienrecht sei da weiter als das Sozialrecht.

Demnach kostet die Witwenrente die Rentenkasse fast 50 Milliarden Euro im Jahr – ein Achtel der Gesamtausgaben. Werding verwies auf Schweden als Vorbild, wo die Witwenrente 1990 für alle danach geschlossenen Ehen abgeschafft worden sei. Allerdings müsse es Bestandsschutz und Übergangsfristen geben.

Werding will die Witwenrente durch ein Rentensplitting ersetzen, bei dem sich die Partner ihre in der gemeinsamen Zeit erworbenen Rentenpunkte aufteilen. Solange beide Personen lebten, fiele die Rente etwas geringer aus als bisher. Wenn einer sterbe, hätte der überlebende Partner dann mehr als die Hälfte. Werding gehörte der Kommission zur Alterssicherung an, die für die Bundesregierung das Reformpaket ausgearbeitet hat.

MDR/epd/dpa/KNA (ans)

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