Religion: Israels Krieg mit sich selbst

Ultraorthodoxe in Israel: Entwickelt sich das Land zu einem Gottesstaat? Foto: Kahn/Handelsblatt [M]

Religion: Israels Krieg mit sich selbst

Sie beten, während andere kämpfen. Und sie werden immer mehr. Die Ultra-Orthodoxen sind Israels größter innerer Konflikt und die Wahl im Oktober könnte die letzte Chance sein, ihn zu lösen.

Tel Hashomer. Vor der Rekrutierungsstelle in Tel Hashomer, einem Vorort Tel Avivs, blockieren Hunderte Männer mit schwarzen Hüten und Mänteln die Straße. Ultraorthodoxe Juden, auch „Haredim“ genannt, weigern sich aus religiösen Gründen, in die Armee einzutreten, und demonstrieren gegen die Wehrpflicht.

Die Stimmung vor dem Militärposten kippt. Ein entnervter Passant beleidigt die schwarz gekleideten Männer beim Vorbeigehen: „Bney Zonot“ ruft er ihnen entgegen – ein Schimpfwort, das in deutscher Übersetzung mit „...söhne“ endet.

In wenigen Sekunden umzingelt ein Dutzend Demonstranten den Passanten und redet auf ihn ein. Er schubst sie zurück, reißt einem das Plakat aus der Hand, der antwortet mit Spucke, direkt vor seine Füße. Soldaten müssen einschreiten, um das Handgemenge aufzulösen.

In Israel vergeht keine Woche, ohne dass Haredim weite Teile des Verkehrs lahmlegen. Es vergeht auch keine Woche, in der Politiker und Militärkader sie nicht als existenzielle Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bezeichnen. Israel erlebt dieser Tage einen wachsenden Krieg mit sich selbst.

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