Stand: 31.08.2026, 13:58 Uhr

Ein einfacher Faktor im Alltag könnte das Demenzrisiko überraschend stark senken. Neue Daten zeigen, wovor sich unser Gehirn schützen lässt.
Mehr Zeit im Freien zu verbringen, könnte das Risiko für Demenz deutlich senken. Darauf weist eine Studie der Medizinischen Universität Guangzhou (China) aus dem Juni 2026 hin, die in der Fachzeitschrift General Psychiatry veröffentlicht wurde. Demnach könnte eine stärkere Exposition gegenüber natürlichem Tageslicht die Wahrscheinlichkeit verringern, im Laufe des Lebens zu erkranken.
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Dieser Artikel von Giacomo Martiradonna entstand in Kooperation mit Gazzetta dello Sport.
Auch wenn kein direkter ursächlicher Zusammenhang nachgewiesen ist, sollte Tageslicht künftig als wichtiger Einflussfaktor bei der Risikobewertung gelten. Die Autoren sehen darin einen vielversprechenden Ansatzpunkt für weitere Forschung.
Die Forschenden untersuchten gezielt den Zusammenhang zwischen Tageslicht und Demenz. Sie analysierten, welche Lichtintensität im Alltag auf die Teilnehmenden einwirkte und wie lange sie dieser ausgesetzt waren, um verschiedene Schwellenwerte zu vergleichen.
Zeit in der Sonne verbringen: Weniger Demenz bei höherer Lichtintensität
Die Auswertung der Daten ergab, dass bei höherer Exposition gegenüber Sonnenlicht ein geringeres Risiko bestand, eine Demenz zu entwickeln. Bereits ab durchschnittlich 1.000 Lux – einer Lichtintensität, die etwa einem bewölkten Tag im Freien entspricht – sank das Risiko um 16 Prozent. Zudem stellte die Studie fest, dass eine längere Exposition gegenüber sehr intensiver Helligkeit von mindestens 5.000 Lux mit einem noch stärkeren Schutzeffekt verbunden war.
Die Untersuchung basierte auf einer groß angelegten Beobachtungskohorte. Die Forschenden kombinierten objektive Lichtmessungen mit klinischen Diagnosen, um die Rolle der Helligkeit für die geistige Gesundheit zu bestimmen.
Große Langzeitstudie mit tragbaren Sensoren
Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, überwachten die Forschenden 87.577 Erwachsene und erfassten die Exposition gegenüber Tages- und Nachtlicht mit Smartwatches und anderen tragbaren Geräten über einen durchschnittlichen Zeitraum von 8,1 Jahren. Am Ende der Beobachtung hatten 741 Teilnehmende eine Demenzdiagnose erhalten, die als klinischer Endpunkt in die Analyse einging.
Die Daten belegen: Wer täglich weniger als 0,7 Stunden intensiver Sonnenhelligkeit ausgesetzt war, hatte ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Dieser Mangel erwies sich als Demenzprädiktor, der einige traditionelle Risikomarker an Aussagekraft übertraf.
Im Gegensatz dazu schien die Lichtexposition in der Nacht keinen Einfluss auf das Demenzrisiko zu haben. Die Messungen ergaben keine signifikanten Zusammenhänge. Dies unterstreicht die spezifische Bedeutung des Tageslichts.
Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse
Fachleute mahnen jedoch zur Zurückhaltung bei der Bewertung dieser Ergebnisse. Zwar besteht ein Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Tageslicht und dem Demenzrisiko, doch bisher ist nicht belegt, dass ein längerer Aufenthalt im Freien für sich genommen ausreicht, um das Auftreten der Erkrankung zu verhindern. Dafür sind weitere Studien erforderlich, die den ursächlichen Zusammenhang gezielt untersuchen und andere Einflussfaktoren kontrollieren.