Demenzrisiko um 48 Prozent erhöht: Was hinter häufigem Mittagsschlaf steckt

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Ein kurzer Mittagsschlaf gehört für viele Menschen zum Alltag. Gerade im Alter kann eine Ruhepause am Nachmittag guttun. Doch eine neue Studie aus den USA deutet darauf hin, dass häufiges Nickerchen ein Hinweis auf ein erhöhtes Demenzrisiko sein könnte. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei älteren Menschen, die an den meisten Tagen oder täglich schliefen.

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Die Forscher begleiteten knapp 1000 Menschen ab 65 Jahren über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. Das Ergebnis: Wer häufig am Tag schlief, hatte ein um 48 Prozent höheres Risiko, im Verlauf der Untersuchung eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz zu entwickeln, als Menschen, die selten oder nie ein Nickerchen machten.

Erhöhtes Demenzrisiko? Auch die Art des Mittagsschlafs spielt eine Rolle

Auch die Art des Mittagsschlafs spielte eine Rolle. Bei Menschen, die zumindest gelegentlich unbeabsichtigt einschliefen, lag das Risiko um 39 Prozent höher. Für geplante Nickerchen ließ sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang mit Demenz feststellen, nachdem weitere Einflussfaktoren berücksichtigt worden waren.

Die Ergebnisse zeigen allerdings nicht, dass Mittagsschlaf Demenz verursacht. Die Untersuchung beobachtete die Schlafgewohnheiten der Teilnehmenden, ohne diese gezielt zu verändern.

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Forscher untersuchten fast 1000 ältere Menschen

Die Studie basiert auf Daten der US-amerikanischen Langzeituntersuchung National Health and Aging Trends Study. Dafür wurden Menschen ab 65 Jahren regelmäßig zu ihrer Gesundheit und ihrem Alltag befragt. Für die aktuelle Auswertung berücksichtigte das Forschungsteam 995 Teilnehmende, bei denen zu Beginn keine Hinweise auf eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz vorlagen.

Die Forscher begleiteten die Gruppe von 2013 bis 2023. Im Laufe der Untersuchung entwickelten 417 Menschen eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz. Das entspricht rund 42 Prozent der Teilnehmenden. Eine ärztliche Demenzdiagnose wurde im Rahmen der Studie nicht bei allen Betroffenen gestellt. Stattdessen nutzten die Forscher ein wissenschaftlich geprüftes Verfahren. Es berücksichtigt unter anderem Angaben der Betroffenen oder ihrer Angehörigen sowie Tests zu Gedächtnis, Orientierung und Planungsfähigkeit. Die Forscher untersuchten drei Merkmale: wie häufig die Menschen tagsüber schliefen, ob sie ihren Mittagsschlaf bewusst planten und wie lange sie schliefen.

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Ungeplantes Einschlafen fällt besonders auf

Die Auswertung zeigte Unterschiede zwischen den Gruppen. Rund 51 Prozent der Menschen, die an den meisten Tagen oder täglich ein Nickerchen machten, entwickelten im Untersuchungszeitraum eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz. Bei denjenigen, die nur gelegentlich schliefen, waren es etwa 42 Prozent. In der Gruppe der Menschen, die selten oder nie ein Nickerchen machten, lag der Anteil bei rund 38 Prozent.

Allerdings unterschieden sich die Gruppen auch in anderen Punkten. Häufige Schläfer hatten beispielsweise öfter gesundheitliche Beschwerden und berichteten häufiger von depressiven Symptomen. Das Forschungsteam berücksichtigte deshalb neben dem Alter und der Bildung auch weitere Faktoren, darunter Vorerkrankungen, nächtliche Schlafdauer, Tagesmüdigkeit und das Risiko für Schlafapnoe. Auch nach diesen Anpassungen blieb der Zusammenhang zwischen häufigem Mittagsschlaf und Demenz bestehen.

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Besonders auffällig war zudem das unbeabsichtigte Einschlafen. Menschen, die zumindest gelegentlich ohne Absicht einschliefen oder sowohl geplante als auch ungeplante Nickerchen machten, hatten ein um 39 Prozent höheres Risiko als Menschen, die tagsüber nicht schliefen. Bei bewusst geplanten Ruhepausen zeigte sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang, sobald die gesundheitlichen und schlafbezogenen Faktoren berücksichtigt wurden.

Kurze Nickerchen: Ergebnisse mit Einschränkungen

Auch die Dauer des Mittagsschlafs wurde untersucht. Bei Menschen, deren Nickerchen höchstens 30 Minuten dauerten, stellten die Forscher zunächst ein um 40 Prozent erhöhtes Demenzrisiko fest. Dieser Zusammenhang erwies sich allerdings als weniger stabil als der Befund zum häufigen Mittagsschlaf. In einer zusätzlichen Auswertung, bei der die Forschenden nur Fälle berücksichtigten, die mindestens fünf Jahre nach Beginn der Beobachtung auftraten, ließ sich für kurze Nickerchen kein eindeutiger Zusammenhang mehr nachweisen.

Bei längeren Mittagsschlafphasen schwächte sich der Zusammenhang ebenfalls ab, wenn weitere Schlafmerkmale berücksichtigt wurden. Die Forschenden halten es für möglich, dass längere Ruhepausen teilweise dazu dienen, schlechten Nachtschlaf auszugleichen. Am deutlichsten war das Ergebnis insgesamt beim häufigen Mittagsschlaf: Auch in den zusätzlichen Auswertungen blieb der Zusammenhang mit einem erhöhten Demenzrisiko bestehen.

Ist der Mittagsschlaf Ursache oder frühes Warnzeichen?

Warum häufiges Schlafen am Tag mit Demenz zusammenhängen könnte, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Mittagsschlaf nicht die Ursache, sondern ein frühes Anzeichen einer beginnenden Erkrankung ist.

Veränderungen im Gehirn, die mit Alzheimer und anderen Demenzformen verbunden sind, könnten auch jene Prozesse beeinträchtigen, die den Wachzustand regulieren. Betroffene wären dann möglicherweise schon tagsüber müder, bevor eine Demenz erkannt wird.

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Um diese Möglichkeit zu prüfen, werteten die Forscher ihre Daten erneut aus und berücksichtigten dabei nur Demenzfälle, die mindestens fünf Jahre nach Beginn der Beobachtung auftraten. Der Zusammenhang mit häufigem Mittagsschlaf blieb bestehen. Das geschätzte Risiko lag in dieser Auswertung sogar um 75 Prozent höher als bei Menschen, die selten oder nie schliefen.

Das spricht dafür, dass der Zusammenhang nicht ausschließlich dadurch erklärt werden kann, dass eine Demenz unmittelbar vor der Diagnose bereits begonnen hatte. Einen Beweis für die Ursache-Wirkungs-Richtung liefert aber auch diese Analyse nicht.

Was die Ergebnisse für den Alltag bedeuten

Die Studie liefert keinen Grund, grundsätzlich auf einen Mittagsschlaf zu verzichten. Ein gelegentliches Nickerchen war in der Untersuchung nicht eindeutig mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Zudem entwickelte etwa die Hälfte der Menschen, die häufig schliefen, im Beobachtungszeitraum keine mögliche oder wahrscheinliche Demenz.

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Auffällig könnte vielmehr eine Veränderung der Schlafgewohnheiten sein. Wer plötzlich an den meisten Tagen einschläft oder tagsüber immer wieder ungewollt wegdämmert, sollte dies nicht automatisch als normale Alterserscheinung abtun. Solche Veränderungen können verschiedene Ursachen haben, etwa schlechten Nachtschlaf oder gesundheitliche Probleme. Es kann deshalb sinnvoll sein, sie bei einem Arzttermin anzusprechen, insbesondere wenn weitere Beschwerden hinzukommen.

Die Studienautoren betonen, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Größere Teilnehmergruppen, genauere Messungen der Schlafgewohnheiten und längere Beobachtungszeiträume sollen helfen, den Zusammenhang besser zu verstehen.